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Patriarchat

Patriarchat einfach erklärt: Bedeutung, Theorien von Millett bis Walby, aktuelle Zahlen aus Deutschland und die Folgen für trans und nichtbinäre Personen.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 17.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Gesellschaftsordnung, in der Männer als Gruppe systematisch mehr Macht, Ressourcen und Ansehen haben
Wortherkunft
Altgriechisch patriarchēs, „Oberhaupt einer Sippe“
Zentrale Theorien
Millett (1970), Walby (1990), hooks, Connell und Messerschmidt (2005)
Wichtige Abgrenzung
Strukturbegriff, keine Aussage über jeden einzelnen Mann

Einfach erklärt

Patriarchat bezeichnet eine Gesellschaftsordnung, in der Männer als Gruppe systematisch mehr Macht, Ressourcen und Ansehen haben als Frauen und andere Geschlechter, und in der Normen, Institutionen und Gesetze diese Ungleichheit stützen. Gemeint ist ein System, nicht das Verhalten einzelner Männer.

Sichtbar wird es bei Löhnen, unbezahlter Sorgearbeit, Führungspositionen, Gewalt gegen Frauen und in der Abwertung dessen, was als weiblich gilt. Zugleich schadet es auch Männern, weil es enge Rollenbilder und Gefühlsverbote erzeugt, und es betrifft Menschen, die in der Zweigeschlechter-Ordnung nicht aufgehen, etwa nichtbinäre und trans Personen.

Merke

Patriarchat ist ein Strukturbegriff. Er fragt, wie Macht zwischen Geschlechtern verteilt ist und wodurch diese Verteilung abgesichert wird, nicht, ob ein einzelner Mann „böse“ ist.


Ausführlich erklärt

Woher der Begriff kommt

Das Wort stammt aus dem Altgriechischen: patriarchēs setzt sich aus patria (Abstammung, Sippe) und archein (herrschen, führen) zusammen und bezeichnete zunächst das Oberhaupt einer Sippe, vor allem in biblischen Zusammenhängen. Kate Millett stellte in „Sexual Politics“ (1970) das Verhältnis der Geschlechter als Machtverhältnis dar. In einem Vortrag von 1968, dessen Gedanken später in das zweite Kapitel des Buchs eingingen, definierte sie Politik als machtstrukturierte Beziehungen, in denen eine Gruppe von einer anderen beherrscht wird, und nannte das Verhältnis der Geschlechter eine Form von Herrschaft im Sinne Max Webers.

Theorien: Struktur statt Einzelperson

Sylvia Walby definierte in ihrem Buch „Theorizing Patriarchy“ (1990) Patriarchat als ein System sozialer Strukturen und Praktiken, in dem Männer Frauen dominieren, unterdrücken und ausbeuten. Der Begriff „Struktur“ ist ihr zufolge wichtig, weil er biologischen Determinismus ablehnt und die Vorstellung, jeder einzelne Mann stehe oben und jede einzelne Frau unten. Sie unterschied sechs Strukturen: Lohnarbeit, Hausarbeit, Sexualität, Kultur, Gewalt und Staat. Schon Walby (1989) hatte mit diesem Modell auf die Kritik geantwortet, der Begriff könne geschichtliche und kulturelle Unterschiede nicht erfassen.

bell hooks beschrieb Patriarchat als politisch-soziales System, das Männer für von Natur aus dominant und allem überlegen hält, was als schwach gilt, besonders Frauen, und diese Dominanz notfalls mit psychischem Terror und Gewalt sichert. Sie betonte, dass Patriarchat auch Männern schadet, und verwies auf den Therapeuten Terrence Real: In diesem psychologischen Patriarchat wird die Hälfte menschlicher Eigenschaften erhöht, die andere abgewertet, und Männer wie Frauen wirken daran mit. Schon in „Feminist Theory“ (1984) wandte sie sich dagegen, die alleinige Schuld am Patriarchat bei Männern zu suchen.

Die Männlichkeitsforschung ergänzt das Bild. Connell und Messerschmidt (2005) zeichnen das Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach und halten an der Idee mehrerer Männlichkeiten, an Hegemonie und an gesellschaftlichem Wandel fest, räumen aber ein, dass starre Typologien und die Vorstellung fester Eigenschaften zu Recht kritisiert wurden. In ihr wird der Begriff der patriarchalen Dividende verwendet: Vorteile, die Männer insgesamt aus der Unterordnung von Frauen ziehen, wie Schilt (2006) es zusammenfasst.

Was Zahlen in Deutschland zeigen

Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldet für 2025 einen unbereinigten Gender Pay Gap von 16 Prozent: Frauen verdienten brutto 22,81 Euro pro Stunde, Männer 27,05 Euro. Rund 60 Prozent der Lücke lassen sich durch Merkmale wie Teilzeit, Branche und Anforderungsniveau erklären, 6 Prozent bleiben bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie unerklärt. Patriarchatstheorien lesen die erklärbaren Anteile als Teil der Struktur: Wer in Teilzeit arbeitet oder in schlechter bezahlten Berufen, wählt nicht im luftleeren Raum. Das ist eine Deutung, die Statistik selbst weist sie nicht aus.

Laut Destatis waren 2025 nur 30,3 Prozent der Führungskräfte in Deutschland Frauen. In der Zeitverwendungserhebung 2022 leisteten Frauen ab 18 Jahren 29 Stunden und 18 Minuten unbezahlte Arbeit pro Woche, Männer 20 Stunden und 26 Minuten, also knapp neun Stunden weniger. Insgesamt arbeiten beide etwa gleich viel, nur anders verteilt. Laut dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) verdienen erwerbstätige Frauen in Deutschland 70 Prozent des Jahreseinkommens von Männern (EU: 77 Prozent). Dort steht auch: Der Aussage, die wichtigste Rolle einer Frau sei die Sorge für Haushalt und Familie, stimmten 2024 in Deutschland 33 Prozent der Frauen und 31 Prozent der Männer zu, 2017 waren es 30 und 26 Prozent. Deutschland gehört zu den wenigen Staaten, in denen diese Zustimmung stieg.

16 %geringerer Bruttostundenverdienst von Frauen in Deutschland 2025 (unbereinigter Gender Pay Gap)
30,3 %Frauenanteil unter den Führungskräften in Deutschland 2025
84,7 %Anteil weiblicher Opfer an den vollendeten Partnerschaftstötungen 2024

Inhaltshinweis

Der folgende Absatz nennt Zahlen zu Tötungsdelikten in Paarbeziehungen und darf übersprungen werden. Hilfe gibt es beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016, rund um die Uhr), beim Hilfetelefon Gewalt an Männern (0800 1239900, zu festen Zeiten) und in akuter Gefahr unter 110. Nicht jede Stelle ist für alle gleich zugänglich.

Zu Gewalt nennt das Bundeskriminalamt (2026) für 2024 insgesamt 859 weibliche Opfer von Tötungsdelikten (vollendet und versucht), davon 308 im Kontext von Partnerschaftsgewalt. Bei den vollendeten Partnerschaftstötungen betrug der Anteil weiblicher Opfer 84,7 Prozent, bei 15,3 Prozent waren die Opfer nicht weiblich. Der Begriff Femizid ist in Deutschland polizeilich noch nicht einheitlich definiert, und die Kriminalstatistik erfasst keine Tatmotive. Das BKA beschreibt die Tatmotivation „weil sie Frauen sind“ allerdings als Folge patriarchaler Denkmuster und Strukturen und weist darauf hin, dass Opfer von Frauenhass nicht ausschließlich weiblich sind. Siehe auch Misogynie.

Trans Männer, trans Frauen und nichtbinäre Personen

Das Patriarchat wirkt auf Geschlechter nicht einheitlich, wie Studien zu trans Personen zeigen. Schilt (2006) interviewte trans Männer, die zuerst als Frauen und dann als Männer arbeiteten: Viele erhielten als Männer mehr Autorität, Belohnung und Respekt, selbst im gleichen Beruf. Die Vorteile fielen für große weiße trans Männer größer aus als für kleinere und für trans Männer of Color. Schilt und Wiswall (2008) fanden in einer Befragung, dass die Einkommen von trans Männern nach der Transition leicht stiegen, die von trans Frauen um fast ein Drittel sanken, bei gleichem Bildungs- und Erfahrungsstand. Viele trans Frauen berichteten von Verlust an Autorität, Belästigung und Kündigung. Ob die Ergebnisse für Deutschland gelten, ist offen.

Die Geschlechterordnung wird zudem aktiv abgesichert: Schilt und Westbrook (2009) zeigen, dass in sexuellen Situationen besonders darauf geachtet wird, dass das Geschlecht zum Körper passt, und dass Frauen wie Männer diese Grenzen mit unterschiedlichen Mitteln sichern. Das ist ein Beispiel für Heteronormativität.

Nichtbinäre Personen kommen in diesen Studien nicht gesondert vor. Ihre Lage wird durch die Zweigeschlechter-Ordnung berührt: Das Personenstandsrecht kannte in Deutschland bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2017 nur die Einträge weiblich, männlich oder keine Angabe. Das Gericht stellte fest, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht auch die geschlechtliche Identität von Personen schützt, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen, und verlangte eine Neuregelung bis Ende 2018. Das Verfahren betraf eine Person, die „inter/divers“ eintragen lassen wollte (Intergeschlechtlichkeit). Dass die Zweigeschlechter-Norm und die Rangordnung zwischen den Geschlechtern zusammenhängen, ist eine theoretische Folgerung, kein bewiesener Ursachenweg.

Patriarchat zu benennen heißt, Strukturen zu prüfen, die Chancen und Sicherheit nach Geschlecht verteilen.

Kerngedanke

Verwobene Herrschaftsverhältnisse

Patriarchat wirkt nicht allein. Crenshaw (1989) zeigte in ihrem Aufsatz, dass Diskriminierung aufgrund von Rassismus und Sexismus zusammenwirkt und dann übersehen wird, wenn jede Achse getrennt betrachtet wird (Intersektionalität). bell hooks sprach von „imperialist white-supremacist capitalist patriarchy“ und meinte damit ein Gefüge aus mehreren Herrschaftssystemen. So erfährt eine weiße Frau der Mittelschicht das Patriarchat anders als eine Schwarze Frau in Armut, siehe Rassismus und Klassismus. Carol J. Adams verbindet in „The Sexual Politics of Meat“ (1990) die Abwertung von Frauen mit der Ausbeutung von Tieren (Speziesismus).

Was der Begriff nicht sagt

Der Begriff behauptet keine Verschwörung und keine Eigenschaft von Männern an sich. Er ist umstritten: Die Theorien wurden mehrfach überarbeitet, und wie gut er heutige Verhältnisse in Deutschland beschreibt, wird unterschiedlich beurteilt.

Quellen: Millett (1970): Sexual Politics. Doubleday / Millett (1968): Sexual Politics (Vortrag) / Walby (1989), Sociology 23(2) / Walby (1990): Theorizing Patriarchy. Blackwell / Connell und Messerschmidt (2005), Gender & Society 19(6) / hooks: Understanding Patriarchy (Nachdruck, ohne Jahr) / hooks (1984): Feminist Theory. South End Press / Crenshaw (1989), University of Chicago Legal Forum / Adams (1990): The Sexual Politics of Meat. Continuum / Schilt (2006), Gender & Society 20(4) / Schilt und Wiswall (2008), B.E. Journal of Economic Analysis & Policy 8(1) / Schilt und Westbrook (2009), Gender & Society 23(4) / BVerfG (2017): 1 BvR 2019/16 / Destatis (2025): Pressemitteilung Nr. 453 / Destatis: Zeitverwendungserhebung 2022 / Destatis: Frauen in Führungspositionen / BKA (2026): Bundeslagebild Straftaten gegen Frauen 2024 / EIGE (2025): Gender Equality Index 2025 / Wortherkunft: Eintrag patriarchēs (nach Liddell und Scott) / Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen / Hilfetelefon Gewalt an Männern

Mehrfache Diskriminierung in der Klimakrise: Doppelt betroffen: Warum die Klimakrise queere Menschen härter trifft.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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