Einfach erklärt
Misogynie (aus dem Altgriechischen: miso = Hass, gyne = Frau) bezeichnet Frauenfeindlichkeit. Als Begriff hat er zwei Bedeutungsebenen: Misogynie als Gefühl einzelner Personen und Misogynie als strukturelles Phänomen.
Die Philosophin Kate Manne hat diesen Unterschied einflussreich formuliert: Misogynie ist demnach nicht primär ein psychologisches Phänomen, sondern ein Durchsetzungsarm des Patriarchats. Sie bestraft Frauen, die sich nicht an Erwartungen patriarchaler Ordnung halten, und belohnt Konformität. Misogynie muss nicht mit bewusstem Hass verbunden sein. Sie zeigt sich in der Abwertung von Berufen, die als „weiblich“ gelten, in der Nicht-Anerkennung von Care-Arbeit, in Rape Culture, in der Pathologisierung von Wut und in Femiziden.
Misogynie, Sexismus und Antifeminismus werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber verwandte, verschiedene Phänomene: Sexismus ist der Oberbegriff für Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Misogynie bezeichnet die spezifische Abwertung von Frauen und Weiblichkeit. Antifeminismus ist der organisierte Widerstand gegen feministische Bewegungen und Erkenntnisse.
Ausführlich erklärt
Misogynie ist kein historisches Relikt und keine Erscheinung von Randgruppen. Misogyne Vorstellungen finden sich in philosophischen Texten der Antike, in Religionen, in Rechtssystemen und in Populärkultur. Was sich verändert hat, ist die Form: Digitale Räume haben misogyne Netzwerke wie die Incel-Bewegung ermöglicht, die Frauenfeindlichkeit zunehmend mit Gewaltfantasien verbinden.
Antigenderismus ist die aktuell dominante Form antifeministischer Mobilisierung. Er richtet sich nicht mehr offen gegen „Frauen“, sondern gegen „Genderideologie“ als abstraktes Feindbild. Damit werden Erkenntnisse der Geschlechterforschung delegitimiert und queere sowie feministische Politik gemeinsam attackiert.
Misogynie trifft nicht alle Frauen gleichförmig. Die Schwarze Kulturwissenschaftlerin Moya Bailey hat für die Abwertung Schwarzer Frauen den Begriff Misogynoir geprägt: eine spezifische Form, in der Rassismus und Sexismus zusammenwirken. Klassismus und Ableismus kommen hinzu. Eine Analyse, die nur auf das Geschlecht schaut, übersieht, wie diese Verhältnisse ineinandergreifen.
Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung: Frauenfeindlich, sexistisch, antifeministisch? (APuZ 21/2019). / Bundeszentrale für politische Bildung: Was ist Antifeminismus?
Verwandte Begriffe: Sexismus · Patriarchat · Feminismus · Antifeminismus · Intersektionalität



