- Bedeutung
- Oberbegriff für Menschen, die sich nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren
- Auch genannt
- trans*, transgeschlechtlich, transgender, transident
- Gehören dazu
- trans Frauen, trans Männer und, je nach Selbstverständnis, nichtbinäre Personen
- Schreibweise
- trans oder trans* als Adjektiv, Trans* als Vorsilbe bei Einrichtungen; die Selbstbezeichnung gilt
- Gegenstück
- cisgender
Einfach erklärt
Trans ist ein Oberbegriff für Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) nennt als Beispiele trans Frauen (Frauen, die bei der Geburt den Geschlechtseintrag „männlich“ erhielten), trans Männer (Männer mit dem Eintrag „weiblich“) und Menschen, die sich geschlechtlich nicht verorten möchten. Das Gegenstück ist cisgender: Dort stimmen Geschlechtsidentität und zugewiesenes Geschlecht überein.
Auch nichtbinäre Personen sind im weiten Sinn gemeint. Der Bundesverband Trans* zählt sie ausdrücklich zu den Menschen, für die er sich einsetzt. Ob eine nichtbinäre Person das Wort trans für sich nutzt, bleibt ihre Entscheidung.
Merke
Wer trans ist, bestimmt die Person selbst. Ein Geschlechtseintrag, eine Operation oder ein ärztliches Gutachten sind dafür keine Voraussetzung.
Ausführlich erklärt
Ein Sammelbegriff mit Grenzen
Das LSBTIQ-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung (Sauer 2018) beschreibt trans* als jungen, im deutschsprachigen Raum verbreiteten Sammelbegriff für eine Vielfalt geschlechtlicher Identitäten. Ein Sammelbegriff könne die jeweils eigenen Erfahrungen und Selbstbezeichnungen nicht einzeln benennen.
Daneben gelten transgeschlechtlich, transgender und transident. „Transsexuell“ stammt laut ADS aus der Medizin und wird oft als veraltet und pathologisierend kritisiert, einige bevorzugen es dennoch für sich. Die Begriffsgeschichte steht im Eintrag zu Transidentität. Die Geschlechtsidentität hat jede Person, von trans ist die Rede, wenn sie vom zugewiesenen Geschlecht abweicht. Die Forschung zum Geschlechtserleben steht im Eintrag zur Genderidentität.
Intergeschlechtlich meint etwas anderes: Der Bericht von Bartsch und Meksem (2026) definiert inter* über Körpermerkmale, die nicht der medizinischen Norm von „eindeutig männlich“ oder „eindeutig weiblich“ zugeordnet werden. Inter* Personen können unterschiedliche Geschlechtsidentitäten haben, intergeschlechtlich und trans schließen sich also nicht aus.
Schreibweisen: trans, trans*, Trans
Der Bundesverband Trans* schreibt trans klein und getrennt, wenn es um Personen geht: trans Frau, trans Mann, trans Person. Im Deutschen würden Eigenschaften als Adjektiv genannt, etwa „eine brünette Frau“ und nicht „Brünettfrau“. Große Schreibungen wie Transfrau oder Trans*-Frau betonten die Eigenschaft zu stark. Bei Einrichtungen und abstrakten Konzepten steht dagegen Trans* groß als Vorsilbe, etwa Trans*gesundheitsversorgung, weil eine Gesundheitsversorgung nicht selbst trans* sei.
Das Sternchen soll laut Bundesverband der Annahme entgegenwirken, alle trans* und nichtbinären Personen seien gleich. Es steht für die vielen Selbstbezeichnungen. Die bpb erklärt, der Asterisk komme aus der Computertechnik, wo er als Platzhalter für beliebig viele Zeichen dient.
Einheitlich ist die Praxis nicht. In seiner Leichten Sprache schreibt derselbe Verband trans meistens klein und nennt das Sternchen nur manchmal, etwa im eigenen Namen. Die ADS und der Bericht von Bartsch und Meksem (2026) schreiben trans* mit Stern. In diesem Lexikon steht im Fließtext meist trans ohne Sternchen, Namen und Zitate behalten ihre Schreibweise. Bei einzelnen Personen gilt, wie sie sich selbst nennen, auch beim Pronomen.
Die Trans-Flagge
Monica Helms entwarf die Flagge laut Wikimedia Commons 1999, erstmals gezeigt wurde sie 2000 bei einer Parade in Phoenix. Nach Helms steht Hellblau traditionell für Jungen, Rosa für Mädchen und Weiß für Menschen in der Transition, mit neutralem oder keinem Geschlecht sowie für intergeschlechtliche Personen.
Wie viele Menschen sind trans?
Eine genaue Zahl gibt es nicht, sie hängt von Definition und Frage ab. Zhang et al. (2020) werteten 19 methodisch solide Studien von 2009 bis 2019 aus. In Befragungen mit enger Frage nach einer transgender Identität lagen die Anteile bei 0,3 bis 0,5 % der Erwachsenen und 1,2 bis 2,7 % der Kinder und Jugendlichen. Bei weiter gefasster geschlechtlicher Vielfalt waren es 0,5 bis 4,5 % und 2,5 bis 8,4 %. In den Studien zeigte sich durchgehend ein Anstieg über die Zeit. Ob mehr Personen trans sind oder mehr sich in Befragungen so bezeichnen, lässt sich daraus nicht ablesen.
Für Deutschland gibt es keine vergleichbare amtliche Zahl. Das Statistische Bundesamt zählt Änderungen des Geschlechtseintrags: 15.688 im Jahr 2025, davon 6.648 von weiblich zu männlich und 4.304 von männlich zu weiblich. Das sind Einträge, keine Identitäten. Betroffen sind laut Amt transgeschlechtliche, intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen, und wer trans ist, muss den Eintrag nicht ändern.
Recht und Medizin
Das Selbstbestimmungsgesetz gilt seit dem 1. November 2024. Es verwendet das Wort trans nicht. Nach § 2 SBGG kann „jede Person, deren Geschlechtsidentität von ihrem Geschlechtseintrag im Personenstandsregister abweicht“, beim Standesamt erklären, dass der Eintrag und die Vornamen geändert werden. Die Änderung ist drei Monate vorher anzumelden (§ 4), danach gilt eine Sperrfrist von einem Jahr (§ 5 Absatz 1). Medizinische Maßnahmen regelt das Gesetz nicht (§ 1 Absatz 2).
Laut WHO ersetzt die Klassifikation ICD-11 den „Transsexualismus“ durch „Geschlechtsinkongruenz“ und führt sie nicht mehr unter den psychischen Störungen, sondern im Kapitel zu sexueller Gesundheit. Die WHO begründet das so: Trans-bezogene Identitäten seien keine psychischen Erkrankungen, und eine solche Einordnung könne starkes Stigma auslösen. Der Zugang zu medizinischer Versorgung solle gesichert bleiben. Die ADS nennt dafür das Jahr 2022. Mehr zur möglichen Belastung steht im Eintrag zu Genderdysphorie, zur Behandlung im Eintrag zur Geschlechtsangleichung.
Diskriminierung und Wohlbefinden: was Studien zeigen
Inhaltshinweis
Dieser Abschnitt nennt Selbstverletzung und Suizidgedanken. Er darf übersprungen werden. Wer akut Unterstützung sucht: Telefonseelsorge 116 123, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117, queere Beratungsstellen, in akuter Gefahr der Notruf 112.
Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung wertete im Auftrag der ADS die Hauptbefragung 2022 des Sozio-oekonomischen Panels aus (Bartsch und Meksem 2026, 28.704 Befragte). Für trans*, inter* und nichtbinäre Personen liegt die Wahrscheinlichkeit, in den letzten zwölf Monaten Diskriminierung zu berichten, bei 31,8 %, bei cis Männern bei 10,4 % und bei cis Frauen bei 16,1 % (kontrolliert für Alter, Geschlecht und Bildung). Im Gesundheitsbereich berichteten es 14,7 % der Gruppe mit Kontakt dorthin. Die Grenzen nennt der Bericht selbst: Die Gruppe ist klein und wird zusammengefasst, und die Selbstzuordnung kennt nur „weiteres Geschlecht“ und „kein Geschlecht“. Trans Männer und trans Frauen erscheinen daher nur, wenn ihre Angabe vom Eintrag in der Geburtsurkunde abweicht.
Die EU-Grundrechteagentur FRA (2024) erreichte 100.577 LGBTIQ-Personen in 30 Ländern. Sie war eine offene Online-Befragung ohne Anspruch auf volle Repräsentativität. 64 % der trans Frauen, 63 % der trans Männer und 51 % der nichtbinären und geschlechtlich vielfältigen Befragten fühlten sich im Jahr vor der Befragung diskriminiert. Bei der Arbeitssuche und am Arbeitsplatz waren es 43 % der trans Frauen und 35 % der trans Männer, bei cis Frauen 16 % und bei cis Männern 19 %. Körperlich oder sexuell angegriffen wurden in fünf Jahren 29 % der trans Frauen und 23 % der trans Männer (EU-Durchschnitt aller Befragten: 13 %).
Laut WHO suchen manche trans Personen medizinische Schritte, andere nicht. Für Jugendliche, die sie suchen, sind die Studien vorsichtig zu lesen. Tordoff et al. (2022) begleiteten 104 trans und nichtbinäre Jugendliche von 13 bis 20 Jahren in einer Gender-Klinik ein Jahr lang. Wer Pubertätsblocker oder Hormone begonnen hatte, hatte um 60 % niedrigere Odds (Verhältnis von Betroffenen zu Nicht-Betroffenen) für Depression und um 73 % niedrigere für Selbstverletzung oder Suizidgedanken, bei Angst gab es keinen Zusammenhang. Taylor et al. (2024) fanden in einem Review von 53 Studien zu Hormonen bei Jugendlichen nur eine hochwertige Studie. Moderate Evidenz deute darauf, dass sich die psychische Gesundheit während der Behandlung bessern könne, robuste Forschung stehe aber aus. Für andere Ergebnisse seien keine Schlüsse möglich.
Trans beschreibt eine Selbstzuordnung der Geschlechtsidentität, keine Diagnose, keinen bestimmten Körper und keine bestimmte Behandlung.
Kerngedanke
Was die Zahlen nicht sagen
Die Studien beschreiben Gruppen, keine einzelnen Personen. Befragungen messen berichtete Erfahrungen, offene Online-Stichproben sind nicht repräsentativ, und in Sammelkategorien verschwinden Unterschiede zwischen trans Männern, trans Frauen und nichtbinären Personen. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Die ADS führt Diskriminierung auf das binäre Geschlechtsmodell zurück, das Abweichungen ausgrenzt, mehr dazu im Eintrag zu Cissexismus.
Quellen: ADS, FAQ trans* / Bundesverband Trans* (2024), Schreibweisen / Bundesverband Trans*, Leichte Sprache / bpb, Trans* (Sauer 2018) / bpb, Asterisk / Bartsch und Meksem (2026), Wie Deutschland Diskriminierung erlebt / ADS, Pressemitteilung 10.03.2026 / FRA (2024), EU LGBTIQ Survey III / Statistisches Bundesamt, Änderung des Geschlechtseintrags (Stand 9.10.2026) / SBGG, gesetze-im-internet.de / WHO, Gender incongruence in the ICD / Zhang et al. (2020), IJTH 21 / Tordoff et al. (2022), JAMA Netw Open 5 / Taylor et al. (2024), Arch Dis Child / Wikimedia Commons, Transgender Pride flag
Das könnte dich auch interessieren
- Transidentität: Begriffe, Recht und Studienlage
- Geschlechtsidentität: das erlebte Geschlecht
- Cisgender: das Gegenstück zu trans
- Nichtbinär: Identitäten jenseits von männlich und weiblich
- Selbstbestimmungsgesetz (SBGG): Änderung von Eintrag und Vornamen
- Queere Flaggen: Entwurf und Bedeutung
- Intersektionalität: wie Diskriminierungsachsen zusammenwirken