Sexismus


Kompakt erklärt

Sexismus ist Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechts. Er zeigt sich auf vielen Ebenen: in Sprache und Werbung (z. B. Frauen, die fast ausschließlich für Reinigungsprodukte werben), in strukturellen Ungleichheiten wie dem Gender Pay Gap oder der ungleichen Verteilung unbezahlter Sorgearbeit sowie in Institutionen durch die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen. Sexismus trifft vor allem Frauen und nicht binäre Menschen, aber auch Männer, die nicht dem Bild des „starken Mannes“ entsprechen. Wichtig: Sexismus ist kein Problem einzelner „schlechter“ Menschen. Er ist in gesellschaftliche Normen, Sprache und Strukturen eingebaut. Das macht ihn so hartnäckig. Auch gut gemeinte Aussagen wie „Frauen sind einfach emotionaler“ reproduzieren sexistische Vorstellungen. Sexismus hängt eng zusammen mit Heteronormativität und Cissexismus, dem System, das nur heterosexuelle und cis-geschlechtliche Lebensweisen als gesellschaftliche Norm setzt.


Für Neugierige

Sexismus lässt sich auf drei Ebenen analysieren: individuelle Einstellungen (sog. benevolenter Sexismus, der als freundlich getarnt ist, z. B. „Frauen brauchen Schutz“), institutionelle Strukturen (Arbeitsrecht, Sorgearbeitssysteme) und kulturelle Reproduktion (Medien, Sprache, Bildung). Die Psychologen Peter Glick und Susan Fiske prägten 1996 das Konzept des ambivalenten Sexismus: die Unterscheidung zwischen feindseligen und wohlwollenden sexistischen Einstellungen, die beide Ungleichheit stabilisieren. Intersektionalität zeigt, dass Sexismus nicht für alle Menschen gleich wirkt. Eine Schwarze Frau aus der Arbeiterklasse erlebt Sexismus anders als eine weiße Frau mit Hochschulabschluss. Ökofeminismus verknüpft Sexismus mit der Ausbeutung der Natur: Beide folgen einer Logik der Beherrschung und Kontrolle über andere Körper und Lebewesen.

Quellen: Glick, P. & Fiske, S.T. (1996). The Ambivalent Sexism Inventory. Journal of Personality and Social Psychology, 70(3). / Deutsches Institut für Menschenrechte: Gleichstellung in Deutschland (2022).


Verwandte Begriffe: Heteronormativität · Cissexismus · Intersektionalität · Ökofeminismus · Klassismus