Queeres ABC

Lesbisch

Lesbisch: Bedeutung und Herkunft des Begriffs, wer ihn als Selbstbezeichnung nutzt und was der Tag der lesbischen Sichtbarkeit am 26. April meint.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 30.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Frauen, die sich emotional und/oder sexuell zu Frauen hingezogen fühlen
Herkunft
Griechische Insel Lesbos, Heimat der Dichterin Sappho
Kurzform
Lesbe, umgangssprachlich, von Lesben als Selbstbezeichnung positiv wiederangeeignet
Aktionstag
Tag der lesbischen Sichtbarkeit am 26. April

Einfach erklärt

Lesbisch bezeichnet Frauen, die sich emotional und/oder sexuell zu Frauen hingezogen fühlen. Das zugehörige Substantiv lautet Lesbierin, umgangssprachlich Lesbe. Zu den Frauen zählen cis und trans Frauen. Das Wort geht auf die griechische Insel Lesbos zurück, auf der um 600 v. u. Z. die Dichterin Sappho lebte und in ihren Liedern die Schönheit junger Mädchen einer Kultgemeinschaft pries.

In der Alltagssprache klingt der Begriff nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) oft abwertend. Lesben haben ihn politisch-strategisch positiv umgedeutet und als stolze Selbstbezeichnung wiederangeeignet. Auch das Wort Queer hat einen solchen Weg vom Schimpfwort zur Selbstbezeichnung genommen.

Im Alltag begegnet das Wort etwa in Wendungen wie „lesbische Paare“ oder „offen lesbisch leben“. Ein Beispiel: Eine Frau verliebt sich in eine andere Frau und nennt sich deshalb lesbisch. Sie beschreibt damit die Richtung ihrer Anziehung, nicht ihr Aussehen oder ihre Kleidung. Die Bezeichnung ist freiwillig: Ob sich eine Person mit dem Wort beschreibt, entscheidet sie selbst.

Relevant ist der Begriff auch, weil Lesben in der öffentlichen Debatte oft nur mitgemeint werden. Das Bundesfamilienministerium schrieb 2020, sie kämen in Diskussionen über Homosexualität häufig nur implizit vor, und ihre besonderen Interessen würden selten vertreten. Der Eintrag erklärt außerdem, wie sich nicht binäre Personen und trans Männer zum Begriff verhalten und was der Tag der lesbischen Sichtbarkeit ist.


Ausführlich erklärt

Der Name führt zur Insel Lesbos und wurde von Lesben zur Selbstbezeichnung gemacht

Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer erklärt „lesbisch“ mit der griechischen Insel Lesbos in der Ägäis. Dort pries die Dichterin Sappho um 600 v. u. Z. in leidenschaftlichen Liedern die Schönheit junger Mädchen einer Kultgemeinschaft. In der Antike galt das vom griechischen „Lesbís“, „Frau von Lesbos“, abgeleitete Verb „lesbiázein“ auch für sexuelle Kontakte zwischen Frauen.

Im Deutschen nennt das Wörterbuch zuerst die Fügung „lesbische Liebe“ für Homosexualität zwischen Frauen und ordnet sie dem 19. Jahrhundert zu, ebenso das Wort Lesbierin. „Lesbisch“ im Sinn von „homosexuell“ bei Frauen gehört demnach ins 20. Jahrhundert, genau wie die umgangssprachliche Rückbildung Lesbe. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache führt „lesbisch“ heute als Adjektiv für Frauen, die eine Neigung zum eigenen Geschlecht empfinden.

Dass das Wort heute als Selbstbezeichnung gilt, ist das Ergebnis einer Umdeutung. Nach der bpb nutzen Lesben den an sich in der Alltagssprache abwertenden Begriff als politisch-strategisch positiv umgedeutete, mit Stolz besetzte, wiederangeeignete Selbstbezeichnung. Der Begriff kam also von außen, und Lesben haben ihn für sich übernommen.

Lesbisch beschreibt die Richtung der Anziehung und lässt offen, wie sie entsteht

Die bpb-Definition nennt emotionale und/oder sexuelle Anziehung. Der Begriff ist damit nicht auf sexuelle Anziehung beschränkt. Er beschreibt, zu wem sich eine Frau hingezogen fühlt, nicht, unter welcher Bedingung die Anziehung entsteht.

Eine Frau kann deshalb zugleich demisexuell und lesbisch sein: Das eine benennt die Bedingung der Anziehung, das andere ihre Richtung. Wie sich romantische und sexuelle Anziehung getrennt beschreiben lassen, zeigen die Einträge Aromantisch und Asexualität.

Manche nicht binäre Personen und einzelne trans Männer nutzen den Begriff als Selbstbezeichnung

Die bpb und die Wörterbücher beschreiben „lesbisch“ für Frauen. Die britische Organisation Stonewall UK schreibt in ihrem Glossar, dass sich manche nicht binäre Personen ebenfalls mit dem Begriff identifizieren. Auch manche trans Männer nennen sich lesbisch. In beiden Fällen ist das eine Selbstbezeichnung, über die allein die Person entscheidet.

Wie verbreitet das unter trans Männern ist, zeigt eine Befragung in Ontario (Kanada) aus den Jahren 2009 und 2010. Von 227 befragten trans Männern nannten nach den gewichteten Schätzungen von Bauer et al. (2013) 4,1 Prozent „Lesbian“ als Bezeichnung ihrer sexuellen Orientierung, 48,2 Prozent „Queer“ und 34,3 Prozent „Straight/Heterosexual“. Die Anteile summieren sich auf mehr als 100 Prozent, manche Befragte nannten also mehrere Bezeichnungen. Die Ergebnisse gelten für trans Personen in Ontario, die mindestens eine andere trans Person kennen. Zahlen für Deutschland liefern die geprüften Quellen nicht.

Die Verwendung hat vor allem mit der Community zu tun. Finn Mackay wertete 2019 eine britische Befragung von 2017 zu lesbischen und queeren Maskulinitäten mit mehr als 200 Antworten aus. Butch, nicht binäre und queere Personen berichteten von Berührungspunkten mit transmaskulinen Erfahrungen und mit den Erfahrungen von trans Männern. Mackay hält Berichte über „Grenzkriege“ zwischen diesen Gruppen für übertrieben, weil sich die Zugehörigkeiten oft überschneiden und manche Personen zwischen ihnen wechseln.

Die Autorin Summer Tao beschreibt 2026 in einer Ratgeberspalte der queeren Online-Zeitschrift Autostraddle, dass „lesbisch“ für manche transmaskuline Personen mehr bedeute als eine Aussage über Sexualität: eine Art, Frauen zu lieben, die nicht heteronormativ ist. „Heterosexuell“ passe für diese Personen nicht, weil es eine heteronormative Vorstellung von Liebe nahelege. „Butch“ habe zudem Wurzeln in lesbischen und queeren Subkulturen. Welches Label jemand wähle, sei Sache der Person.

Daraus folgt für den Umgang: Die Bezeichnung von außen zu vergeben, ist heikel. Dass ein trans Mann, der mit einer Frau zusammen ist, automatisch lesbisch sei, kann niemand anderes festlegen. Für viele trans Männer passt eine andere Bezeichnung, wie die Befragung aus Ontario zeigt. Wird das Label von außen zugeschrieben, kann es das Geschlecht des Mannes infrage stellen und als Misgendering wirken. Tao bewertet die Aussage einer Freundesgruppe, trans Männer seien „im Grunde dasselbe“ wie Butch-Lesben, als Verflachung komplexer Identitäten, die trans Männer misgendere und als eine andere Art von Frauen darstelle. Eine sichere Annahme sei das nicht. Wer unsicher ist, kann nachfragen, welche Bezeichnung eine Person für sich nutzt.

Merke

Ob sich ein trans Mann oder eine nicht binäre Person lesbisch nennt, entscheidet allein die Person selbst. Wer das Label von außen zuschreibt, kann deren Geschlecht infrage stellen.

Der Tag der lesbischen Sichtbarkeit am 26. April macht Lesben und ihre Anliegen sichtbar

Das Bundesfamilienministerium schrieb am 24. April 2020, der Tag der lesbischen Sichtbarkeit finde seit 2008 jedes Jahr am 26. April statt und sei in Spanien entstanden. Das britische Magazin DIVA nennt den Tag seit 2008 anerkannt und organisierte 2020 erstmals eine Lesbian Visibility Week vom 20. bis 26. April. Sie sollte lesbische, bisexuelle, trans und queere Frauen unterstützen und lesbische Sichtbarkeit innerhalb der LGBTQI-Community stärken. Über die genaue Entstehung des Tages geben die geprüften Quellen darüber hinaus keine Auskunft.

Das Ministerium nannte 2020 mehrere Anliegen. Lesben würden in Debatten über Homosexualität oft nur mitgemeint. Sie könnten Benachteiligung wegen ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Identität zugleich erfahren, was der Eintrag Intersektionalität beschreibt. Nach einem Coming-out drohten besonders in religiös oder kulturell geprägten Familien Druck und Gewalt, und die rechtliche Anerkennung der Mit-Mutterschaft sei unzureichend. Lesben seien zudem eine wichtige Triebkraft der Frauen- und Gleichstellungsbewegung gewesen, ohne dass dies ausreichend gewürdigt werde, was an den Eintrag Feminismus anknüpft.

Stand der Quelle ist April 2020, der heutige Rechtsstand zur Mit-Mutterschaft wurde hier nicht geprüft. Belastbare Zahlen speziell zu Lesben in Deutschland liefern die geprüften Quellen nicht.

um 600 v. u. Z.lebte die Dichterin Sappho auf Lesbos, nach deren Insel das Wort benannt ist
2008beginnt laut Bundesfamilienministerium der jährliche Tag der lesbischen Sichtbarkeit am 26. April
4,1 %der befragten trans Männer in Ontario nannten „Lesbian“, 48,2 % nannten „Queer“

Das Wort kam von außen und wurde von Lesben zu einer Selbstbezeichnung gemacht, deshalb entscheidet jede Person selbst, ob sie es für sich nutzt.

Kerngedanke

Quelle: bpb (Sauer 2018): LSBTIQ-Lexikon, Lesbe / lesbisch / DWDS: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (Pfeifer), lesbisch (abgerufen 28.10.2026) / DWDS: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, lesbisch (abgerufen 28.10.2026) / Stonewall UK: List of LGBTQ+ terms (abgerufen 28.10.2026) / Bauer et al. (2013), International Journal of Transgenderism 14: Sexual health of trans men who are gay, bisexual, or who have sex with men / Mackay (2019), Journal of Lesbian Studies 23: No woman’s land? Revisiting border zone denizens / Tao (2026), Autostraddle: I’m a Trans Man Worried My Friends See Me as a Butch Lesbian (abgerufen 28.10.2026) / Bundesfamilienministerium (2020): Bedürfnisse und Rechte lesbischer Frauen sichtbarer machen (abgerufen 28.10.2026) / DIVA (2020): Lesbian Visibility Week (abgerufen 28.10.2026)

Wer über die eigene Orientierung sprechen möchte, findet im Blog Hinweise dazu, was Coming out von Outing unterscheidet: Deine Geschichte, dein Tempo: Was Coming out von Outing unterscheidet.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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