Queerfeindlichkeit


Einfach erklärt

Queerfeindlichkeit bezeichnet die Ablehnung, Diskriminierung oder Gewalt gegenüber Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder geschlechtlichen Ausprägung. Der Begriff ist ein Sammelbegriff für Homofeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Bifeindlichkeit und weitere Formen der Diskriminierung queerer Menschen.

Queerfeindliche Straftaten gelten als Hasskriminalität: Sie treffen nicht nur einzelne Personen, sondern senden eine Botschaft der Bedrohung an die gesamte Community. 2025 registrierte die Polizei in Deutschland 2.377 queerfeindliche Straftaten, ein Anstieg von 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die tatsächliche Zahl liegt erheblich höher. Schätzungen gehen davon aus, dass 80 bis 90 Prozent der Fälle nicht angezeigt werden. Als Gründe nennen Betroffene fehlendes Vertrauen in Polizei und Justiz, Angst vor weiterer Diskriminierung oder die Überzeugung, dass eine Anzeige nichts bewirkt.

Queerfeindlichkeit zeigt sich nicht nur in direkter Gewalt. Sie zeigt sich in institutioneller Diskriminierung, in Alltagsreaktionen wie Blicken, Sprache und Ausgrenzung sowie in einem politischen Klima, das queere Rechte als „Ideologie“ rahmt und damit delegitimiert.


Ausführlich erklärt

Queerfeindliche Hasskriminalität hat sich in Deutschland seit 2010 nahezu verzehnfacht. Besonders betroffen sind trans* und intergeschlechtliche Menschen: Mehr als 50 Prozent von ihnen entwickeln nach erlebter Gewalt psychische Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Bei anderen Betroffenen liegt dieser Anteil bei 38 Prozent.

Rund ein Drittel der registrierten Straftaten wird dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet. Queerfeindlichkeit ist aber kein ausschließlich rechtes Phänomen. Sie findet sich in Familien, Schulen, Arbeitsverhältnissen, auf der Straße und in allen gesellschaftlichen Milieus.

Transfeindlichkeit wird oft als eigenes Thema diskutiert, ist aber strukturell mit Queerfeindlichkeit verbunden: Beide sind Reaktionen auf das Abweichen von geschlechtlichen und sexuellen Normen, die als „natürlich“ gelten. Wer diese Normen in Frage stellt, macht sichtbar, dass sie nicht natürlich, sondern konstruiert sind. Darin liegt ein Teil des Bedrohungsgefühls, das Queerfeindlichkeit antreibt.

Der LSVD+ (Verband Queere Vielfalt) fordert die explizite Benennung queerfeindlicher Tatmotive im Strafgesetzbuch sowie verpflichtende Schulungen für Polizei und Staatsanwaltschaft.

Quellen: LSVD+: Queerfeindliche Gewalt – Daten und Fakten. / Bundeszentrale für politische Bildung: Lagebericht – Queerfeindlichkeit nimmt zu.


Verwandte Begriffe: LGBTQIA+ · Transfeindlichkeit · Hasskriminalität · Diskriminierung · Safe Space




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