Kompakt erklärt
Queer war ursprünglich ein englisches Schimpfwort, das Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung oder nicht binärer Geschlechtsidentität abwertend belegen sollte. Seit den 1990er-Jahren haben queere Aktivistinnen und Aktivisten den Begriff zurückerobert und positiv umgedeutet: als Selbstbezeichnung für alle, die sich außerhalb heteronormativer und cisnormativer Normen verorten.
Heute steht Queer als Sammelbezeichnung für Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, nicht binär, intergeschlechtlich oder auf andere Weise nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Gleichzeitig ist Queer ein politischer Begriff: Queer-Politik kritisiert nicht nur Diskriminierung, sondern hinterfragt die zugrundeliegenden Normen selbst. Der Begriff schließt bewusst Offenheit ein, statt Identitäten in starre Kategorien zu pressen. Als Fremdbezeichnung sollte Queer nur verwendet werden, wenn eine Person das für sich selbst so benennt.
Für Neugierige
Die Rückeroberung des Begriffs geht vor allem auf die ACT-UP-Bewegung und die Gruppe „Queer Nation“ in den USA zurück, die Ende der 1980er und frühen 1990er Jahre im Kontext der AIDS-Krise entstanden. In der Wissenschaft begründete Judith Butler mit „Gender Trouble“ (1990) die Queer Theory, die Geschlecht und Sexualität als soziale Konstrukte analysiert, die durch ständige Wiederholung (sogenannte Performativität) hergestellt werden.
Queer Theory fragt nicht nur, wer diskriminiert wird, sondern warum bestimmte Identitäten überhaupt als „normal“ gelten und andere als abweichend. In Deutschland hat sich Queer als Selbstbezeichnung und politischer Begriff seit den 2000er Jahren durchgesetzt. In der Öffentlichkeitsarbeit wird es zunehmend neben LGBTQIA+ (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans*, Queer/Questioning, Intersex, Asexual und weitere) verwendet. Die Debatte darüber, wer den Begriff verwenden darf und was er umfasst, bleibt innerhalb queerer Communities lebendig.
Quellen: Butler, „Gender Trouble“, Routledge, 1990; Jagose, „Queer Theory: An Introduction“, NYU Press, 1996; Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Glossar queerer Begriffe, 2023.
Verwandte Begriffe: LGBTQIA+ · trans* · Intersektionalität · Heteronormativität · Cissexismus



