- Bedeutung
- Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde
- Wortherkunft
- Lateinisch: „cis“ heißt „diesseits“, „trans“ heißt „jenseits“
- Gegenstück
- trans*
- Beispiel
- Eine cis Frau wurde bei der Geburt als Mädchen eingetragen und versteht sich als Frau
- Abgrenzung
- Hängt allein von der Geschlechtsidentität ab, nicht von Aussehen, Rollenverhalten oder sexueller Orientierung
Einfach erklärt
Cisgender, kurz cis, bezeichnet Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Eine cis Frau wurde bei der Geburt als Mädchen eingetragen und versteht sich als Frau. Ein cis Mann wurde als Junge eingetragen und versteht sich als Mann. Das Gegenstück ist trans*: Trans Männer, trans Frauen und nicht binäre Personen haben eine Geschlechtsidentität, die nicht oder nicht vollständig zum Geburtseintrag passt.
Das Wort stammt aus dem Lateinischen. „Cis“ heißt „diesseits“, „trans“ heißt „jenseits“. Nach der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat die trans*-Bewegung die Begriffe „cis“ und „cisgender“ eingeführt, damit trans* nicht immer als Abweichung von der Norm beschrieben wird. Ob eine Person cis ist, hängt allein von der Geschlechtsidentität ab. Aussehen, Rollenverhalten und sexuelle Orientierung sagen darüber nichts.
Ein Beispiel zeigt, wo der Unterschied im Alltag liegt: Ein Formular bietet nur „weiblich“ und „männlich“ an und fragt nach dem Geschlecht aus dem Personenstandsregister. Für cis Personen ist das ohne Nachdenken auszufüllen. Für trans* und nicht binäre Personen kann dieselbe Frage zur Hürde werden.
Keine Wertung
Der Begriff ist keine Beleidigung und keine Wertung. Er benennt, wie Geschlechtsidentität und Geburtseintrag zueinander stehen. Relevant ist er, weil er sichtbar macht, dass auch die Mehrheit eine Geschlechtsidentität hat und nicht einfach „normal“ ist.
Ausführlich erklärt
„Cis“ bedeutet „diesseits“ und wurde als Gegenbegriff zu „trans“ gebildet
Bei der Geburt wird das Geschlecht meist anhand der äußeren Geschlechtsorgane festgestellt und in das Geburten- beziehungsweise Personenstandsregister eingetragen. Das beschreibt das Gender-Glossar der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Die überwiegende Zahl der Personen identifiziert sich mit diesem Eintrag, und für sie steht das Wort „cis“.
Zur Herkunft des Begriffs nennen die Quellen Verschiedenes. Das FES-Glossar schreibt, der Sexualmediziner Volkmar Sigusch habe 1991 den Begriff der „Zissexualität“ geprägt, um der Transsexualität ein Wort entgegenzusetzen. Die bpb schreibt dagegen, die trans*-Bewegung habe „cis“ und „cisgender“ eingeführt. Beide Angaben schließen sich nicht aus, die Originalquelle von 1991 liegt hier aber nicht vor. Wer den englischen Begriff zuerst verwendete, wird in der Literatur mit unterschiedlichen Namen und Jahren angegeben, und das bleibt an dieser Stelle offen.
Der Begriff „Transsexualität“, auf den sich die Wortbildung damals bezog, ist heute weitgehend durch Transidentität ersetzt. „Cis“ blieb als Gegenwort erhalten und wird im Alltag meist in der Form „cis Frau“ und „cis Mann“ verwendet.
Der Begriff benennt die Mehrheit, damit trans* Personen nicht als Abweichung gelten
Anja Kühne beschreibt im Queer-Lexikon des Tagesspiegels (2016), dass die Mehrheit sich selbst als „Normalbevölkerung“ betrachtet, die keine besondere Bezeichnung braucht. Dass es für sie überhaupt ein Wort gibt, überrascht deshalb viele. Das FES-Glossar bestätigt das: Viele cis Personen sind erstaunt, manche lehnen das Label ab.
Ohne ein Wort für die Mehrheit bleibt nur ein Wort für die Minderheit, und „trans“ steht dann neben einem unbenannten „normal“. Mit „cis“ stehen zwei Beschreibungen nebeneinander. Trans Männer sind Männer, trans Frauen sind Frauen, und nicht binäre Personen gehören zu den trans* Personen. „Cis“ ist ein Merkmal der Geschlechtsidentität und sagt nichts darüber, wer ein „richtiger“ Mann oder eine „richtige“ Frau ist.
In der Definition steckt keine Abwertung. „Cis“ beschreibt ein Verhältnis zwischen Identität und Geburtseintrag, so wie „trans“ es für die andere Gruppe tut. Dass manche das Label ablehnen, ändert daran nichts: Eine Wertung steckt in der Definition nicht.
Im Alltag macht das Wort Aussagen genauer. Wer von Frauen allgemein spricht, meint alle Frauen, also cis und trans Frauen. Geht es um eine Erfahrung, die nur cis Frauen oder nur trans Frauen betrifft, lässt sich das mit dem Wort benennen, ohne eine der Gruppen als „eigentliche“ oder „normale“ Frauen zu setzen. Dasselbe gilt für Männer.
Cisnormativität und Cissexismus machen „cis“ zur unausgesprochenen Norm
Mit Cisnormativität ist die Annahme gemeint, alle Personen seien cis oder sollten es sein. Sie zeigt sich in Formularen, in Anreden und in Erwartungen im Alltag. Heteronormativität beschreibt die entsprechende Erwartung bei der sexuellen Orientierung, und beide wirken oft zusammen.
Cissexismus nennt die bpb die Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung von trans* Personen durch Personen, die cis sind oder ihre Geschlechtsidentität nie hinterfragt haben. Dazu gehören das Misgendering, also die Anrede mit dem falschen Geschlecht, und das Deadnaming, das Nennen des abgelegten Namens. Beides gehört zu den Formen von Queerfeindlichkeit, die trans* Personen im Alltag treffen.
Cis zu sein bedeutet nicht, vor Diskriminierung geschützt zu sein. Eine cis Person kann etwa wegen der sexuellen Orientierung ausgegrenzt werden. „Cis“ beantwortet nur eine Frage, nämlich die nach der Geschlechtsidentität.
Auch in queeren Zusammenhängen ist umstritten, wie nützlich die Einteilung in cis und trans ist
Das FES-Glossar verweist auf Kritik aus der lesbischen, schwulen und bisexuellen Community, die Anja Kühne im Tagesspiegel aufgreift. Durch die Einteilung in cis und trans zählten Lesben, Schwule und Bisexuelle plötzlich zur Masse der genderkonformen Heterosexuellen. Ihre Lebensrealität sehe anders aus, weil ihre Orientierung und oft auch ihr Auftreten von der Norm abweichen und von der Mehrheit sanktioniert werden.
Die Kritik trifft einen wahren Punkt: Cis zu sein heißt nicht, in allen Lebensbereichen unbelastet zu sein. Sie lässt sich zugleich mit der Definition beantworten, denn „cis“ sagt nichts über sexuelle Orientierung oder Auftreten aus. Eine lesbische cis Frau ist cis und trotzdem von Queerfeindlichkeit betroffen. Der Begriff ersetzt also keine Aussage über Diskriminierungserfahrungen, er beschreibt nur einen Teil davon, wie Geschlecht erlebt wird.
„Cis“ beschreibt, wie eine Geschlechtsidentität zum Geburtseintrag steht, und macht damit die Annahme sichtbar, die Mehrheit sei einfach normal.
Kerngedanke
Quelle: bpb (Sauer 2018): LSBTIQ-Lexikon, Cisgender / bpb: LSBTIQ-Lexikon, Cissexismus / Friedrich-Ebert-Stiftung: Gender Glossar, Cis / Tagesspiegel (2016): Das Queer-Lexikon, Was bedeutet Cisgender?
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