Antifaschismus & Demokratie

Queere Flaggen

Queere Flaggen einfach erklärt: Wer Regenbogen-, Trans- und Progress-Flagge wann entwarf, was die Farben bedeuten und warum ihr Hissen umstritten ist.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 30.10.2026
Regenbogenflagge von 1978 mit acht Streifen: Rosa, Rot, Orange, Gelb, Grün, Türkis, Blau und Violett von oben nach unten
Regenbogenflagge von 1978 mit acht Streifen (Nachbildung). Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Regenbogenflagge mit sechs Streifen: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett von oben nach unten
Regenbogenflagge mit sechs Streifen. Wikimedia Commons, frei nutzbar.
Trans-Flagge mit fünf Streifen: Hellblau, Rosa, Weiß, Rosa und Hellblau von oben nach unten
Trans-Flagge (1999). Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Progress-Flagge: sechs Regenbogenstreifen mit einem Winkel an der linken Seite in Schwarz, Braun, Hellblau, Rosa und Weiß
Progress-Flagge (2018). Wikimedia Commons, CC0.
Auf einen Blick

Bedeutung
Erkennungszeichen der LGBTQIA+-Bewegung und ihrer Untergruppen
Regenbogenflagge
Gilbert Baker, 1978 in San Francisco, heute meist sechs Streifen
Trans-Flagge
Monica Helms, 1999, fünf Streifen in Hellblau, Rosa, Weiß, Rosa und Hellblau
Progress-Flagge
Daniel Quasar, 2018, Regenbogenstreifen mit einem Winkel in Schwarz, Braun, Hellblau, Rosa und Weiß
Farben
Bedeutung nicht amtlich festgelegt, sie unterscheidet sich teils zwischen den Quellen

Einfach erklärt

Queere Flaggen sind Erkennungszeichen der LGBTQIA+-Bewegung und ihrer Untergruppen. Die bekanntesten drei sind die Regenbogenflagge, die Trans-Flagge und die Progress-Flagge. Gilbert Baker entwarf die Regenbogenflagge 1978 in San Francisco, heute zeigt sie meist sechs Streifen. Monica Helms entwarf 1999 die Trans-Flagge mit fünf Streifen in Hellblau, Rosa, Weiß, Rosa und Hellblau. Daniel Quasar gestaltete 2018 die Progress-Flagge, die die Regenbogenstreifen beibehält und links einen Winkel mit Streifen in Schwarz, Braun, Hellblau, Rosa und Weiß ergänzt.

Alle drei gehen auf einzelne Gestalter*innen zurück und wurden von der Bewegung übernommen. Die Bedeutung der Farben ist nicht amtlich festgelegt. Sie stammt aus den Angaben der Gestalter*innen und unterscheidet sich teils zwischen den Quellen. Neben den drei Flaggen gibt es viele weitere für einzelne Orientierungen und Identitäten, etwa für intergeschlechtliche, nicht binäre, asexuelle, aromantische, pansexuelle und genderfluide Personen. Sie sind in den jeweiligen Artikeln beschrieben.

Ein Beispiel zeigt, wie das aussieht: Auf einer Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) tragen manche Teilnehmende die Regenbogenflagge, andere die Trans-Flagge oder die Progress-Flagge, und jede Flagge setzt einen eigenen Schwerpunkt. Relevant ist das Thema, weil Flaggen Sichtbarkeit und Zugehörigkeit herstellen und weil schon die Frage, wo sie gezeigt werden dürfen, politisch ausgetragen wird.


Ausführlich erklärt

Die Regenbogenflagge entstand 1978 für eine Parade in San Francisco und hatte zuerst acht Streifen

Die Regenbogenflagge entstand neun Jahre nach dem Aufstand an der Bar Stonewall in New York. Nach Angaben der GLBT Historical Society in San Francisco baten Harvey Milk, damals Mitglied des Stadtparlaments, und andere Aktivist*innen 1978 Gilbert Baker, ein neues Symbol für die queere Gemeinschaft zu schaffen. Baker gehörte zum Vorsitz des Dekorationskomitees für die Gay Freedom Day Parade im Juni. Baker nähte und färbte mit Freiwilligen zwei große Flaggen von Hand, die am 25. Juni 1978 am United Nations Plaza gehisst wurden. Das Komitee hatte dafür 1.000 US-Dollar bewilligt.

Die ursprüngliche Flagge hatte acht Streifen, denen Baker jeweils eine Bedeutung zuwies: Rosa stand für Sex, Rot für Leben, Orange für Heilung, Gelb für die Sonne, Grün für die Natur, Türkis für Kunst und Magie, Blau für Gelassenheit und Violett für den Geist. 1979 entfielen Rosa und Türkis.

Laut der GLBT Historical Society war rosafarbener Flaggenstoff nicht erhältlich, außerdem wollte Baker eine gerade Streifenzahl, damit die Flaggen beidseitig der Laternenmasten in der Market Street hängen konnten. Das Victoria and Albert Museum (V&A) in London nennt zusätzlich die Lesbarkeit als Grund. So entstand die sechsstreifige Form, die bis heute am weitesten verbreitet ist. Von den beiden Originalen ist nur ein Teilstück bekannt, das 2021 an die GLBT Historical Society ging.

1978schuf Gilbert Baker die erste Regenbogenflagge für die Gay Freedom Day Parade in San Francisco
1.000 US-Dollarbewilligte das Komitee dafür
1979entfielen Rosa und Türkis, so entstand die sechsstreifige Form

Die Trans-Flagge entwarf Monica Helms 1999 bewusst einfach und symmetrisch

Helms schildert in einem Interview mit dem Radiosender WYSO (2025), wie die Flagge entstand. Bei einem Abendessen sagte Michael Page, der die Bisexuellen-Flagge gestaltet hatte, auch die trans Community könne eine Flagge gebrauchen. Nach Helms gab es damals nur die Regenbogenflagge und die Bisexuellen-Flagge. Page riet zu einem einfachen Entwurf, weil weniger Nähte die Herstellung verbilligen. Etwa zwei Wochen später kam Helms das Bild beim Aufwachen in den Sinn, und Helms zeichnete es auf. Die Hersteller der Bisexuellen-Flagge schickten Stoffmuster und danach die erste Flagge. Den 19. August, den Tag des Entwurfs, nennt Helms Transgender Flag Day.

Die Flagge hat fünf Streifen in Hellblau, Rosa, Weiß, Rosa und Hellblau. Helms zufolge ist Hellblau die traditionelle Farbe für Jungen und Rosa die für Mädchen. Der weiße Mittelstreifen steht in der Erklärung von 2025 für Personen, die nicht binär oder genderfluid sind oder sich keinem Geschlecht zuordnen. In einer anderen Beschreibung, die Point of Pride mit den Worten von Helms wiedergibt, nennt Helms stattdessen intergeschlechtliche Personen, Personen in Transition und solche mit neutralem oder nicht definiertem Geschlecht. Das Muster ist symmetrisch: Gehisst in jeder Richtung, bleibt die Flagge richtig, was Helms als Bild dafür versteht, dass trans Personen in ihrem Leben Richtigkeit finden.

Als Zeichen ist sie für trans Personen insgesamt gedacht, trans Männer eingeschlossen. Nach eigener Angabe schenkte Helms 2014 die erste Flagge dem Smithsonian in Washington und schätzt, dass es heute rund 92 verschiedene Flaggen in der Community gibt.

Die Progress-Flagge ergänzt die Regenbogenflagge seit 2018 um Streifen für trans Personen und People of Color

Vorläufer war die Flagge aus Philadelphia. Das Büro für LGBT-Angelegenheiten der Stadt startete am 8. Juni 2017 die Kampagne #MoreColorMorePride und hisste eine neue Flagge am Rathaus, um ethnische Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion in den queeren Vierteln der Stadt zu unterstützen. Das V&A beschreibt sie als Regenbogenflagge mit zusätzlichen schwarzen und braunen Streifen, die auf die Diskriminierung schwarzer und brauner Mitglieder der Gemeinschaft hinweisen. Kritiker*innen der Flaggen aus Philadelphia und Seattle bemängelten laut V&A die Lesbarkeit, weil Streifen für Identitäten auf die Streifen für Werte gestapelt wurden.

Daniel Quasar veröffentlichte die Progress-Flagge am 6. Juni 2018 in sozialen Medien. Das Design behält die sechs Regenbogenstreifen und setzt die Streifen in Schwarz, Braun, Hellblau, Rosa und Weiß als Winkel an die Mastseite, die Seite an der Fahnenstange. Der Pfeil zeigt von der Mastseite weg nach vorn für Fortschritt und soll zugleich zeigen, dass noch Fortschritt nötig ist. Hellblau, Rosa und Weiß stehen für trans Personen, Schwarz und Braun für marginalisierte People of Color. Der schwarze Streifen steht zudem für Personen, die mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) oder AIDS (erworbenes Immunschwächesyndrom) leben, für die an AIDS Verstorbenen und für das Stigma.

Quasar versteht die Flagge als eine unter vielen und empfiehlt, jeweils die Flagge zu verwenden, die am stärksten anspricht. Zunächst galt eine nicht kommerzielle Creative-Commons-Lizenz, inzwischen ist die Flagge laut Quasars Website unter CC0 freigegeben, einer Lizenz, die jede Nutzung ohne Auflagen erlaubt, auch kommerziell. 2021 schuf Valentino Vecchietti eine intersexinklusive Variante.

Ob Behörden die Regenbogenflagge hissen dürfen, ist in Deutschland politisch umstritten

Beflaggung an Bundesgebäuden

Das Bundesinnenministerium (BMI) genehmigte im April 2022 erstmals, die Regenbogenflagge an Dienstgebäuden des Bundes zu setzen, etwa zum Christopher Street Day. Der Termin muss konkret sein, und an regelmäßigen Beflaggungstagen wie dem 27. Januar, dem 1. Mai, dem 3. Oktober und an Tagen von Bundestags- und Europawahlen bleibt die Regenbogenflagge untersagt. Das BMI verwies dabei auf den Verfassungsrang der Bundesflagge und auf die staatliche Neutralität, die für die Akzeptanz staatlicher Symbole nötig sei.

Schon im Juli 2022 kritisierte das BMI laut Evangelischem Pressedienst (epd), dass Lisa Paus als Bundesfamilienministerin die Progress-Flagge am Ministerium gesetzt hatte: Der Erlass erfasse nur die genau definierte Regenbogenflagge mit sechs Streifen. Das Familienministerium berief sich auf eine Vorreiterrolle für die Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Ein BMI-Schreiben vom 28. April 2025 beschränkt das Setzen der Regenbogenflagge durch Bundesbehörden auf einen einzigen Tag im Kalenderjahr, wie eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag (Drucksache 21/932) wörtlich zitiert.

Die Handhabung fällt unterschiedlich aus. Nach Berichten des juristischen Nachrichtenportals Legal Tribune Online (LTO) vom Juli 2025 ließ Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) die Flagge am Reichstagsgebäude nur zum IDAHOBIT am 17. Mai setzen, nicht zum Berliner CSD, und verwies auf die Neutralität der Bundestagsverwaltung. Die damalige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) hatte die Flagge 2022 erstmals zum Berliner CSD setzen lassen. Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ließ sie 2025 zum CSD vor dem Bundesratsgebäude hissen und sah darin keinen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot. LTO weist außerdem darauf hin, dass der Erlass von 2022 keine Höchstzahl an Terminen nennt.

Queere Flaggen sind keine festgelegten Zeichen, sondern Entwürfe Einzelner, die eine Gemeinschaft übernommen und weiterentwickelt hat, und über ihre Verwendung wird bis heute gestritten.

Kerngedanke

Quelle: GLBT Historical Society: The Rainbow Flag / GLBT Historical Society: Gilbert Baker / Victoria and Albert Museum: The Progress Pride flag / WYSO (2025): The story behind the Transgender flag, Interview mit Monica Helms / Point of Pride: The History of the Transgender Flag / Daniel Quasar: Progress Pride Flag / Stadt Philadelphia (2017): More Color, More Pride / BMI (2022): Pressemitteilung zur Regenbogenflagge / epd (2022): Regenbogenflagge sorgt wieder für Streit in der Regierung / Deutscher Bundestag (2025): Drucksache 21/932 / Legal Tribune Online (2025): Bundesrat hisst zum CSD die Regenbogenflagge


Termine zu Demonstrationen wie dem CSD führt der Demo-Kalender mit Datum, Uhrzeit und Treffpunkt.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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