Antifaschismus & Demokratie

IDAHOBIT

IDAHOBIT einfach erklärt: Warum der 17. Mai der Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit ist und wie Beteiligung aussieht.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 30.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Internationaler Tag gegen Homo-, Trans- und Biphobie
Datum
Jedes Jahr am 17. Mai
Anlass
Entscheidung der WHO von 1990, Homosexualität aus dem Krankheitenkatalog ICD zu streichen
Form
Dezentrale Mobilisierung ohne Träger, jede Gruppe gestaltet den Tag selbst
Verbreitung
Nach Angaben des Komitees in 155 Ländern und Gebieten

Einfach erklärt

IDAHOBIT steht für „International Day Against Homophobia, Transphobia and Biphobia“, auf Deutsch Internationaler Tag gegen Homo-, Trans- und Biphobie. Gemeint ist die Abwertung und Feindlichkeit gegenüber homosexuellen, trans und bisexuellen Personen. Der Aktionstag findet jedes Jahr am 17. Mai statt und soll auf Diskriminierung und Gewalt aufmerksam machen, die queere Personen erleben. Im deutschsprachigen Raum ist zudem die längere Form IDAHOBITA* verbreitet, die auch Inter* (intergeschlechtliche Personen) und Asexuelle (Ace*) ausdrücklich nennt.

Der 17. Mai erinnert an eine Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1990: Sie nahm Homosexualität aus ihrem internationalen Katalog für Krankheiten, der International Classification of Diseases (ICD), heraus. Damit endete die offizielle Einordnung als Krankheit. Der Tag wurde danach von einem Komitee aus der Zivilgesellschaft aufgebaut und wird heute nach Angaben des Komitees in 155 Ländern und Gebieten begangen, darunter in 35, in denen einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen noch unter Strafe stehen.

1990nahm die WHO Homosexualität aus ihrem internationalen Katalog für Krankheiten (ICD) heraus
155Länder und Gebiete begehen den Tag nach Angaben des Komitees
35davon, in denen einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen noch unter Strafe stehen

Ein Beispiel zeigt, wie das aussehen kann: Eine Schule hängt die Regenbogenflagge auf, ein Sportverein veranstaltet ein offenes Training, eine Bibliothek stellt Bücher von queeren Autor*innen aus, eine Einzelperson spendet an eine Beratungsstelle. Es gibt keine zentrale Veranstaltung, jede Gruppe gestaltet den Tag selbst und entscheidet, wie sichtbar sie dabei sein möchte. Relevant ist der Tag, weil Queerfeindlichkeit weiterhin Gewalt, Ausgrenzung und rechtliche Benachteiligung bedeutet und der Aktionstag diese Realität jedes Jahr an einem festen Datum sichtbar macht.


Ausführlich erklärt

Der 17. Mai erinnert an eine Entscheidung der WHO und nicht an eine Demonstration

Das Komitee, das den Tag betreut, nennt als Grund für das Datum die Entscheidung der WHO von 1990, Homosexualität aus der ICD zu streichen. Die ICD ist die weltweit verwendete Klassifikation, nach der Ärzt*innen Diagnosen verschlüsseln und Staaten Gesundheitsdaten erfassen. Eine Lernseite des Universitätsspitals Zürich zur ICD-Codierung gibt zur zehnten Fassung der ICD an, sie sei im Mai 1990 von der 43. Weltgesundheitsversammlung angenommen worden und seit 1994 in den Mitgliedstaaten in Gebrauch. Den genauen Tag, den 17. Mai, nennen das Komitee und eine hessische Hochschule. Einen Beschlusstext der WHO mit diesem Datum konnte diese Recherche nicht einsehen.

Wendepunkt, nicht das Ende der Diskriminierung

Die Streichung betraf die offizielle Haltung einer Weltorganisation, nicht die Lebenswirklichkeit. Das Komitee widmete 2011 einen Themenschwerpunkt dem Zusammenhang von Religion, Homophobie und Transphobie, verbunden mit der Aktion „Cures That Kill“ (Heilungen, die töten) gegen Behandlungsversuche, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität verändern sollen. Was solche Versuche bedeuten, beschreibt der Artikel zur Konversionstherapie. Das Datum markiert deshalb einen Wendepunkt in der Klassifikation, nicht das Ende der Diskriminierung.

Der Name wuchs mit den Gruppen, die sich darin wiederfinden wollten

Das Komitee wurde 2004 gegründet. Im folgenden Jahr begingen Gemeinschaften in mehreren Dutzend Ländern den ersten Internationalen Tag gegen Homophobie, damals noch unter dem Kürzel IDAHO. Die Themen der folgenden Jahre zeigen, wie sich der Blick erweiterte: 2006 stand die weltweite Entkriminalisierung von Homosexualität im Mittelpunkt, 2008 die Sichtbarkeit lesbischer Frauen, 2009 der Kampf gegen Transphobie und für die Achtung der Geschlechtsidentität. Weitere Jahresthemen waren Bildung, psychische Gesundheit, Familie und Meinungsfreiheit.

Der heutige Name nennt Homo-, Trans- und Biphobie. Das Komitee betont, dass das Kürzel nicht alle Gemeinschaften abbildet, und hat deshalb den Zusatz „eine weltweite Feier der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt“ ergänzt. Je nach Region kommen weitere Begriffe hinzu: In Lateinamerika wird häufig „Lesbophobie“ genannt, in Brasilien heißt der Tag Nationaler Tag gegen LGBTQIA+-Phobie, asexuelle Bewegungen ergänzen „Acephobie“. Für die Feindlichkeit gegenüber intergeschlechtlichen Personen gibt es keinen weltweiten Konsens der Betroffenengruppen, ob sie im Namen stehen soll. Das Komitee bittet nach Rücksprache mit Inter*-Organisationen darum, nicht „Intersexismus“ zu schreiben, weil der Begriff als vage und irreführend gilt. Empfohlen wird „Intersexphobie“. Mehr zur Lebensrealität dieser Gruppe steht im Artikel zur Intergeschlechtlichkeit.

Im deutschsprachigen Raum ist IDAHOBITA* verbreitet. Eine hessische Hochschule führt den Tag unter dieser Bezeichnung seit 2009 und schreibt ihn als Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit aus. Zu den gemeinten Formen zählen damit die Feindlichkeit gegenüber lesbischen und schwulen Personen, gegenüber bisexuellen Personen, gegenüber trans Frauen, trans Männern und nicht-binären Personen, gegenüber intergeschlechtlichen und asexuellen Personen. Die Begriffe Transfeindlichkeit und Bi-Erasure (das Unsichtbarmachen bisexueller Personen) sind eigene Themen, die hier nur genannt werden.

Der Tag unterscheidet sich vom CSD durch seine offene Form

Der Christopher Street Day (CSD) geht auf den Aufstand an der Bar Stonewall in New York 1969 zurück und ist in Deutschland eine Demonstrationstradition mit lokalen Veranstaltenden, Routen und Terminen im Sommer. IDAHOBIT hat dagegen keinen Träger. Das Komitee beschreibt den Tag als dezentrale Mobilisierung, die keiner einzelnen Organisation gehört. Wer eine Veranstaltung anmeldet, trägt sie in eine weltweite Karte ein. Die Veranstaltung selbst plant und verantwortet die anmeldende Gruppe. Ein Budget für Förderungen hat das Komitee nach eigener Auskunft nicht und stellt stattdessen kostenlose Vorlagen und Grafiken bereit.

Zugleich lässt sich der Tag nicht auf einen festen Veranstaltungstyp festlegen. Das Komitee nennt als Möglichkeiten Gemeinschaftstreffen, Proteste, Ausstellungen, Filmvorführungen, Buchvorstellungen und Online-Kampagnen. Jedes Jahr gibt es ein Leitthema: 2025 „Die Kraft der Gemeinschaften“, 2026 „Im Herzen der Demokratie“. Das Komitee begründet das Thema 2026 damit, dass demokratische Gesellschaften auf Gerechtigkeit und Freiheit für alle gründen müssen, und verweist auf Regierungen, die mit autoritärer Politik und ausgrenzenden Gesetzen dagegen arbeiten.

Beteiligung reicht von der Veranstaltung bis zum stillen Moment

Das Komitee sagt ausdrücklich, dass es keinen einzigen richtigen Weg zur Beteiligung gibt. Organisationen können Veranstaltungen planen, Stellungnahmen abgeben und für rechtliche Änderungen werben. Schulen und Hochschulen können Workshops, Filmabende oder Ausstellungen anbieten. Unternehmen können Richtlinien prüfen, Schulungen anbieten und Beratungsstellen finanziell unterstützen, statt nur Symbole zu zeigen. Medien können die Perspektive von queeren Personen selbst in den Mittelpunkt stellen, korrekte Pronomen verwenden und auf Misgendering verzichten.

Für LGBTQIA+-Personen selbst gilt, dass Beteiligung nicht öffentliche Sichtbarkeit bedeuten muss. Das Komitee nennt als gleichwertig, einen privaten Beitrag zu teilen, ein kleines Treffen zu besuchen, eine Veranstaltung anonym anzumelden oder den Tag still für sich zu begehen. Wer nicht queer ist, soll sich nach dem Komitee selbst informieren, statt die Aufklärung den Betroffenen zu überlassen, und Diskriminierung im eigenen Umfeld ansprechen. Eine Regenbogenflagge zeigt der Aufruf als mögliche Geste, aber nur dort, wo das sicher ist.

Der IDAHOBIT bleibt ein Tag, der erinnert und zugleich fordert: Er hält fest, was 1990 geändert wurde, und fragt jedes Jahr, was für Sicherheit und Gleichberechtigung noch fehlt.

Kerngedanke

Quelle: IDAHOBIT-Komitee: IDAHOBIT, Geschichte und Name / IDAHOBIT-Komitee: FAQ / IDAHOBIT-Komitee: Get involved / IDAHOBIT-Komitee (2025): „At the heart of democracy“, Thema 2026 / Universitätsspital Zürich, Lernseite zur ICD-Codierung / Frankfurt University of Applied Sciences: IDAHOBITA*


Termine zu Demonstrationen und Kundgebungen führt der Demo-Kalender mit Datum, Uhrzeit und Treffpunkt. Weltweite Veranstaltungen zum 17. Mai zeigt das Komitee auf seiner Seite zu Veranstaltungen weltweit.


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  • Queerfeindlichkeit: Abwertung, Ausgrenzung und Gewalt gegenüber queeren Personen
  • LGBTQIA+: Sammelbegriff für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, queere, intergeschlechtliche und asexuelle Personen
  • Konversionstherapie: Versuche, sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu verändern
  • Misgendering: das Ansprechen mit falschem Pronomen oder falscher Geschlechtsbezeichnung
  • Intergeschlechtlichkeit: angeborene körperliche Merkmale, die nicht in die Einteilung männlich oder weiblich passen
  • Christopher Street Day (CSD): die jährlichen Demonstrationen für Rechte und Sichtbarkeit queerer Personen
  • Stonewall: der Aufstand von 1969 in New York, der als Ausgangspunkt der modernen queeren Bewegung gilt
  • Queere Flaggen: Regenbogen-, Trans- und Progress-Flagge mit Entstehung und Bedeutung
  • Bisexualität: Anziehung zu mehr als einem Geschlecht, mit Bifeindlichkeit und dem Bi Visibility Day

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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