- Bedeutung
- Sexuelle Orientierung: Anziehung zu Menschen, ohne dass ihr Geschlecht eine Grenze setzt
- Wortherkunft
- Griechisch „pan“ für „alles“
- Flagge
- Rosa, Gelb und Hellblau, 2010 auf Tumblr erklärt
- Nachbarbegriffe
- Bisexualität und Omnisexualität
- Rechtlich
- In Deutschland als sexuelle Identität im AGG geschützt
Einfach erklärt
Pansexualität ist eine sexuelle Orientierung. Pansexuell nennen sich Menschen, deren Anziehung nicht vom Geschlecht der anderen Person abhängt oder die sich zu Menschen aller Geschlechter hingezogen fühlen (Queer Lexikon). „Pan“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „alles“. Gemeint ist aber nicht jeder Mensch, sondern jedes Geschlecht: Wie bei allen Orientierungen bleibt die Anziehung individuell. Pansexuell zu sein heißt nicht, sich zu jeder Person hingezogen zu fühlen.
Das schließt trans Männer, trans Frauen, nichtbinäre, cis Männer und cis Frauen ein. Entscheidend ist hier die Geschlechtsidentität, also das erlebte Geschlecht. Davon zu trennen ist das körperliche Geschlecht, das sich auf körperliche Merkmale bezieht. Ein trans Mann ist ein Mann, unabhängig von seinem Körper, und für pansexuelle Menschen ist er genauso möglich als Gegenüber wie jede andere Person. Pansexuell können auch trans Männer selbst sein: Orientierung und Geschlechtsidentität sind zwei getrennte Eigenschaften.
Merke
Ob jemand pansexuell ist, entscheidet er, sie oder dey selbst. Pansexualität ist eine Selbstbeschreibung. Wer sie als Phase oder Verwirrung abtut, schreibt von außen etwas zu, das nur die Person selbst sagen kann. Sie lässt sich weder an der aktuellen Beziehung noch am Aussehen ablesen: Wer mit einem Mann zusammen ist, ist deshalb nicht automatisch heterosexuell oder schwul.
Wie unterscheidet sich Pansexualität von Bisexualität?
Nach dem Queer Lexikon heißt bisexuell: Anziehung zu Menschen zweier oder mehrerer Geschlechter. Das schließt nichtbinäre Menschen ausdrücklich nicht aus, und teils wird Bisexualität auch als Anziehung unabhängig vom Geschlecht definiert. Der Unterschied liegt also oft eher in der Wortwahl. Stonewall fasst Pan unter den Überbegriff „bi“. In einer Befragung von 60 bisexuellen und pansexuellen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren erklärten beide Gruppen Bisexualität im Großen und Ganzen ähnlich (Flanders et al. 2017). Und bei einer Online-Befragung mit 2.220 nichtheterosexuellen Menschen lagen die meisten der 146 pansexuell Antwortenden auf den Messwerten im bisexuellen Bereich, mit ähnlichen Mustern bei Anziehung, Verhalten und Geschlecht der Partnerpersonen (Morandini et al. 2017).
Und Omnisexualität?
Laut Queer Lexikon spielt bei Omnisexualität das Geschlecht bei der Anziehung meist eine Rolle, etwa als Vorliebe oder weil es wahrgenommen und anerkannt wird. Pansexualität und Omnisexualität gelten dort als eng verwandt, je nach Definition als dasselbe. Der Tumblr-Blog der Flagge nennt „omnisexuality“ in der archivierten Fassung als Alternative. Eine einheitliche Definition gibt es nicht, deshalb zählt die Selbstbeschreibung. Wilhelm et al. (2025) fanden bei 191 Befragten große Vielfalt innerhalb jeder Bezeichnung. Ausführlich zu den Nuancen: Pansexualität vs. Omnisexualität: Worin sich die Begriffe wirklich unterscheiden.
Ausführlich erklärt
Wie Sexualwissenschaft Orientierung beschreibt
Die Kinsey-Skala erschien 1948 im Buch „Sexual Behavior in the Human Male“. Sie hat sieben Stufen von 0 (ausschließlich heterosexuell) bis 6 (ausschließlich homosexuell) und bildet Verhalten, Gedanken und Gefühle auf einer Linie ab (Kinsey Institute). Klein, Sepekoff und Wolf entwickelten 1985 das Klein Sexual Orientation Grid mit sieben Variablen, die jeweils für Gegenwart, Vergangenheit und Wunschzustand bewertet werden. Orientierung ist dort also mehrdimensional und veränderlich.
Die Philosophin Arina Pismenny (2023) argumentiert am Beispiel der Pansexualität, dass Kategorien wie hetero, homo und bi auf einem Zweiersystem von Geschlecht beruhen und überarbeitet werden sollten. Das ist eine begründete Position, kein Konsens.
Die Flagge
Die Farbbedeutung der Pansexualitäts-Flagge wurde am 11. August 2010 auf dem Tumblr-Blog „pansexualflag“ erklärt. Laut dem Beitrag steht Rosa für das „weibliche Spektrum“ und Hellblau für das „männliche Spektrum“ des üblichen Geschlechtersystems. Gelb steht für nichtbinäre Anziehung sowie für Leben und Glück. Das Gelb soll die Flagge von der Bi-Flagge unterscheiden, mit der die Gemeinschaft zuvor lange eine Flagge geteilt hatte. Den Namen der Gestaltenden nennt der archivierte Beitrag nicht. Die Vektordatei auf Wikimedia Commons ist gemeinfrei. Weitere Flaggen: queere Flaggen.
Wie viele Menschen sich so nennen
Verlässliche Zahlen sind knapp. Die Volkszählung 2021 in England und Wales fragte erstmals nach der sexuellen Orientierung, bot aber kein eigenes Feld für Pansexualität an. Im Freitext gaben 48.000 Menschen ab 16 Jahren „pansexual“ an, das sind 0,10 Prozent (Office for National Statistics). Zum Vergleich: Als bisexuell bezeichneten sich in England 1,29 Prozent. Weil Pansexualität nur frei eingetippt werden konnte, ist die Zahl mit Vorsicht zu lesen. Eine Auswertung für Deutschland war in den geprüften Quellen nicht zu finden.
In der US-Befragung von 27.715 trans Personen von 2015, darunter trans Männer, trans Frauen und nichtbinäre Menschen, nannten sich 18 Prozent pansexuell, 14 Prozent bisexuell und 21 Prozent queer (James et al. 2016). Beide Datensätze sind nicht vergleichbar. Zum Eindruck passt aber der Befund von Morandini et al. (2017): Wer sich pansexuell oder queer nannte, war häufiger nicht cis und unter den cis Personen häufiger eine Frau als ein Mann, und pansexuell Antwortende waren jünger als lesbische, schwule und bisexuelle. Es war eine Gelegenheitsstichprobe, sie ist nicht repräsentativ.
Sichtbarkeit und Belastung
Wer in einer Beziehung mit einem Mann lebt, gilt oft als heterosexuell, wer mit einer Frau lebt, als lesbisch: Die eigene Orientierung verschwindet im Blick anderer. In der Forschung heißt das Bi-Erasure. Eine Auswertung von 52 Studien zeigte, dass bisexuelle Menschen mindestens so oft von Depressionen und Angst betroffen sind wie lesbische und schwule und häufiger als heterosexuelle. Die Autor:innen vermuten als Gründe Diskriminierung, Unsichtbarkeit und fehlende Unterstützung (Ross et al. 2018). Das ist eine Vermutung, kein Beweis. Die Daten betreffen bisexuelle Menschen, pansexuelle werden oft nicht getrennt ausgewiesen.
Studien, die Bi, Pan und Queer vergleichen, zeigen kein einheitliches Bild. In einer Befragung von 235 Erwachsenen berichteten Bisexuelle mehr Vorurteile von lesbischen und schwulen Menschen als pansexuell, queer oder fluid Antwortende (Mitchell et al. 2015). Bei 669 Bi+-Erwachsenen berichteten pansexuelle Teilnehmende mehr Diskriminierung durch heterosexuelle Menschen und mehr Depression als bisexuelle, bei Angst verschwand der Unterschied nach Kontrolle demografischer Merkmale (Feinstein et al. 2023). Beides sind Querschnittsstudien ohne Ursachenbeleg.
Pansexualität sagt nichts darüber, wen jemand begehrt, sondern darüber, dass das Geschlecht des Gegenübers keine Grenze setzt.
Kerngedanke
Rechtlich in Deutschland
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz will Benachteiligungen unter anderem wegen der sexuellen Identität verhindern (§ 1 AGG). Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zählt ausdrücklich auch pansexuelle Personen dazu. Trans und intergeschlechtliche Menschen sind laut der Stelle nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs über das Merkmal Geschlecht geschützt, weil es um Geschlechtsidentität geht und nicht um sexuelle Orientierung. Auch rechtlich sind Orientierung und Geschlechtsidentität also getrennte Fragen.
Begriffe und Datenlage
In diesem Text meint „Geschlecht“ die Geschlechtsidentität, wenn nichts anderes dasteht. Intergeschlechtlichkeit beschreibt körperliche Merkmale, die Geschlechtsidentität ist davon eine eigene Frage.
Die meisten genannten Studien sind Online-Befragungen, in denen sich Menschen selbst einordnen. Für Deutschland liegen in den geprüften Quellen keine Zahlen zu Pansexualität vor.
Was du tun kannst
- Übernimm die Selbstbeschreibung. Wenn jemand pansexuell sagt, ist das keine Einladung zu Fragen nach dem Körper.
- Schließe von der Beziehung nicht auf die Orientierung. Wer einen Partner oder eine Partnerin hat, kann pansexuell sein.
- Behandle trans Männer und trans Frauen als Männer und Frauen, auch als mögliches Gegenüber.
Quellen: Queer Lexikon: Pansexuell / Queer Lexikon: Omnisexuell / Queer Lexikon: Bisexuell / Stonewall: Glossary of terms / Flanders et al. (2017): Defining Bisexuality, Journal of Bisexuality 17(1) / Morandini et al. (2017): Who Adopts Queer and Pansexual Sexual Identities?, Journal of Sex Research 54(7) / Mitchell et al. (2015): Perceived experiences of prejudice among plurisexual individuals, Psychology and Sexuality 6(3) / Feinstein et al. (2023): Bisexual, pansexual, and queer (Bi+) adults, Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity 10(2) / Ross et al. (2018): Depression and Anxiety Among Bisexual People, Journal of Sex Research 55(4-5) / Wilhelm et al. (2025): Visualizing plurisexuality, Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity / Pismenny (2023): Pansexuality, Philosophies 8(4) / Klein et al. (1985): Sexual Orientation, Journal of Homosexuality 11(1-2) / Kinsey Institute: The Kinsey Scale / Tumblr-Blog pansexualflag, Beitrag vom 11. August 2010 (Webarchiv) / Wikimedia Commons: Pansexuality Pride Flag / Office for National Statistics (2023): Sexual orientation, England and Wales, Census 2021 / James et al. (2016): 2015 U.S. Transgender Survey Report / Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Sexuelle Identität / Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), § 1
Wie sich Pansexualität von dem oft verwechselten Nachbarbegriff unterscheidet: Pansexualität vs. Omnisexualität: Worin sich die Begriffe wirklich unterscheiden.
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