Klima & Erde

Klimaleugnung

Klimaleugnung einfach erklärt: Definition, Unterschied zu Skepsis und Verzögerung, 97-Prozent-Konsens und Belege zu Desinformation.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 13.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Bestreiten oder Herunterspielen gut belegter Befunde der Klimawissenschaft: Erwärmung, menschliche Ursache oder Folgen
Nicht gemeint
begründete Kritik an Methoden und Einzelergebnissen
Konsens
97,1 Prozent Zustimmung unter Fachartikeln mit Aussage zur Ursache (Cook et al. 2013)
Abgrenzung
Verzögerungsdiskurse akzeptieren die Erwärmung, rechtfertigen aber geringes oder spätes Handeln

Einfach erklärt

Klimaleugnung bezeichnet das Bestreiten gut belegter Befunde der Klimawissenschaft: dass sich die Erde erwärmt, dass Menschen die Ursache sind oder dass die Folgen ernst sind. Die Forschung unterscheidet sie von wissenschaftlicher Skepsis. Skepsis prüft Methoden und Einzelergebnisse und lässt sich von neuen Belegen überzeugen. Der Weltklimarat (IPCC) hält fest, dass der menschliche Einfluss auf die Erwärmung von Atmosphäre, Ozean und Land eindeutig ist.

Wie breit der wissenschaftliche Konsens ist, wurde mehrfach untersucht. Cook et al. (2013) werteten 11.944 Zusammenfassungen von Fachartikeln aus. Unter den Artikeln, die sich zur Ursache der Erwärmung äußerten, stimmten 97,1 Prozent der menschengemachten Erwärmung zu. Die Zahl bezieht sich also auf Artikel mit Aussage, nicht auf alle Artikel.

Merke

Leugnung ist nicht dasselbe wie Kritik. Wer Messreihen, Modelle oder Methoden prüft und Fehler benennt, betreibt Wissenschaft. Von Leugnung ist die Rede, wenn gut belegte Kernbefunde bestritten werden.


Ausführlich erklärt

Drei Formen: Trend, Ursache, Folgen

Eine verbreitete Einteilung stammt von Stefan Rahmstorf (2004): Trendskepsis bestreitet eine Erwärmung, Ursachenskepsis erkennt sie an, sieht aber natürliche Ursachen, Folgenskepsis hält sie für harmlos oder sogar vorteilhaft. Als Kernbefunde, die Forschende allgemein als Tatsachen ansehen, nennt Rahmstorf unter anderem, dass der Anstieg des CO₂ vom Menschen verursacht ist und vor allem auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückgeht. Grundlagen dazu stehen unter Treibhauseffekt und Klimawandel.

Der Stand der Messungen: Die globale Oberflächentemperatur lag 2011 bis 2020 um 1,09 Grad (Spanne 0,95 bis 1,20) über dem Mittel von 1850 bis 1900. Den menschengemachten Anteil an der Erwärmung von 1850 bis 1900 bis 2010 bis 2019 beziffert der IPCC auf 0,8 bis 1,3 Grad, bester Schätzwert 1,07 Grad.

97,1 Prozentder Fachartikel mit Aussage zur Ursache bestätigen die menschengemachte Erwärmung, bei 11.944 untersuchten Zusammenfassungen (Cook et al. 2013)
1,09 GradErwärmung 2011 bis 2020 gegenüber 1850 bis 1900, Spanne 0,95 bis 1,20 (IPCC AR6 WGI)
12 Prozentder bezahlten Zeitungsanzeigen von ExxonMobil erkannten die menschengemachte Erwärmung an, gegenüber 83 Prozent der Fachartikel des Konzerns, jeweils unter Berücksichtigung von Vorbehalten (Supran und Oreskes 2017)

Skepsis, Leugnung und Verzögerung

Die Begriffe werden nicht einheitlich gebraucht. Rahmstorf nennt noch alle drei Formen Skepsis, spätere Arbeiten trennen schärfer. Wissenschaftliche Skepsis ist ein Arbeitsprinzip: Aussagen müssen sich prüfen und widerlegen lassen können (Falsifizierbarkeit). Leugnung bestreitet dagegen den belegten Befund selbst.

Eine dritte Gruppe beschreiben Lamb et al. (2020) als Verzögerungsdiskurse. Sie akzeptieren, dass der Klimawandel existiert, rechtfertigen aber Untätigkeit oder zu geringe Anstrengungen. Das Forschungsteam ordnet 12 Diskurse vier Gruppen zu: Verantwortung weiterreichen, nicht grundlegende Lösungen vorantreiben, die Nachteile von Klimapolitik betonen und resignieren. Nach der Studie sind sie von Leugnung, Folgenskepsis und persönlichen Angriffen zu unterscheiden, werden aber oft zusammen verwendet.

Die Studie hält außerdem fest, dass solche Aussagen Teilwahrheiten enthalten und in gutem Glauben vorgebracht werden können. Ihr Ziel war, die Merkmale der Diskurse zu beschreiben, nicht, den Sprechenden Motive zuzuschreiben. Das gilt auch hier: Wer einzelne Argumente teilt, ist damit nicht automatisch Teil einer Kampagne.

Wie belastbar ist der Konsens?

Cook et al. (2013) fanden: 66,4 Prozent der Zusammenfassungen äußerten sich nicht zur Ursache, 32,6 Prozent bestätigten die menschengemachte Erwärmung, 0,7 Prozent lehnten sie ab, 0,3 Prozent waren unsicher. Bei einer Befragung der Autorinnen und Autoren selbst äußerten sich weniger Artikel nicht (35,5 Prozent), und unter denen mit Aussage stimmten 97,2 Prozent zu.

Zu der Methode gab es Kritik, unter anderem von Tol (2016). Cook et al. (2016) fassten sechs unabhängige Studien zusammen, die bei publizierenden Klimaforschenden 90 bis 100 Prozent Zustimmung ergaben. Sie zeigen, dass die Zustimmung mit der Fachkenntnis zusammenhängt, und halten das Ergebnis für robust. Mehr zur Einordnung im Lexikon unter Wissenschaftlicher Konsens.

Desinformation und Fossil-Industrie

Naomi Oreskes und Erik Conway beschreiben in Merchants of Doubt (2010), wie ein lose verbundenes Netzwerk hochrangiger Forschender und Beratender mit Verbindungen zu Politik und Industrie über Jahrzehnte Kampagnen betrieb, die gesicherte Erkenntnisse etwa zu Rauchen und Lungenkrebs, saurem Regen und FCKW bestritten. Das Buch behandelt auch die Klimaforschung. Das Prinzip dahinter heißt Denialismus, zum Thema im weiteren Sinn siehe Wissenschaftsleugnung und Desinformation.

Zur Finanzierung wertete Robert Brulle (2014) Steuerdaten aus den USA für 2003 bis 2010 aus. Untersucht wurden 91 Organisationen der Gegenbewegung zur Klimaforschung (Interessenverbände, Think Tanks und Handelsverbände), die von 140 Stiftungen gefördert wurden. Ihr gesamtes Jahreseinkommen lag bei gut 900 Millionen US-Dollar, davon kamen im Schnitt 64 Millionen US-Dollar pro Jahr aus identifizierbarer Stiftungsförderung. Der weit überwiegende Teil stammte von konservativen Stiftungen, und es gab einen Trend zur Verschleierung der Geldgeber über zweckgebundene Spendenfonds. Die Zahl nennt das Gesamteinkommen der Organisationen, nicht nur ihre Ausgaben für Klimathemen.

Für ein einzelnes Unternehmen liegen Dokumentenanalysen vor. Supran und Oreskes (2017) verglichen 187 Mitteilungen von ExxonMobil. Mit Berücksichtigung von Vorbehalten erkannten 83 Prozent der Fachartikel und 80 Prozent der internen Dokumente die Erwärmung als real und menschengemacht an, aber nur 12 Prozent der bezahlten Zeitungsanzeigen. In 81 Prozent der Anzeigen wurde stattdessen Zweifel geäußert. Supran, Rahmstorf und Oreskes (2023) prüften außerdem Erwärmungsprognosen von Exxon aus den Jahren 1977 bis 2003. Die meisten trafen die spätere Entwicklung, und sie waren mindestens so treffsicher wie die unabhängiger Forschungsmodelle. Die öffentlichen Aussagen des Unternehmens widersprachen laut Studie den eigenen wissenschaftlichen Daten. Beide Studien betreffen einen Konzern, nicht die gesamte Branche. Zum Muster der Werbung mit Klimaversprechen siehe Greenwashing und Lobbyismus.

Warum glauben Menschen das?

Eine naheliegende Vermutung lautet, Leugnung sei ein Wunschdenken, mit dem Menschen ihr eigenes klimaschädliches Verhalten rechtfertigen. Stoetzer und Zimmermann (2024) prüften das in einem vorab registrierten Experiment mit 4.000 Erwachsenen in den USA. Sie fanden keinen Beleg, dass motivierte Kognition, also eine Form der kognitiven Verzerrung, die verbreitete Leugnung oder umweltschädliches Verhalten erklärt. Die Studie zeigt damit nur, dass diese eine Erklärung nicht trägt, und sie wurde nicht in Deutschland durchgeführt. Ob Mechanismen wie kognitive Dissonanz im Einzelfall eine Rolle spielen, kann sie nicht klären. Pauschale Urteile über Menschen, die Klimaschutz ablehnen oder bezweifeln, sind damit nicht gedeckt.

Warum die Unterscheidung zählt

Wer jede Kritik an Klimapolitik als Leugnung abtut, verliert Gespräche. Wer Leugnung als Meinung unter vielen behandelt, verwischt den Stand der Forschung. Die Abgrenzung hilft, Politikstreit und Faktenstreit zu trennen.

Warum es zählt

Nach dem IPCC (2022) ist die Beleglage eindeutig: Der Klimawandel bedroht das Wohlergehen der Menschen und die Gesundheit des Planeten, und jede weitere Verzögerung gemeinsamer weltweiter Anpassung und Minderung verpasst ein kurzes, sich schnell schließendes Zeitfenster. Welche Marke dahinter steht, erklärt das 1,5-Grad-Ziel, den Ausgleich der Restemissionen beschreibt Netto-Null-Emissionen. Wer die Lasten trägt, behandeln Klimagerechtigkeit und Klimafinanzierung.

Zweifel gehört zur Wissenschaft, doch ein gut belegter Befund wird nicht dadurch unsicher, dass er bestritten wird.

Kerngedanke

Aussagen zum Klima prüfen

  1. Frage, ob die Aussage einen Befund bestreitet (Erwärmung, Ursache, Folgen) oder ein politisches Vorgehen kritisiert. Beides erfordert eine andere Antwort.
  2. Suche die Primärquelle: Fachartikel und die Berichte des IPCC nennen Daten und Methoden, die sich nachprüfen lassen.
  3. Achte auf die Bezugsgröße bei Prozentangaben: Die 97 Prozent beziehen sich auf Artikel mit Aussage zur Ursache, nicht auf alle Artikel.

Quellen: IPCC (2021): Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe I, Summary for Policymakers, A.1 / IPCC (2023): Sechster Sachstandsbericht, Synthesebericht, Summary for Policymakers, A.1 / IPCC (2022): Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe II, Summary for Policymakers, D.5.3 / Cook et al. (2013): Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature, Environmental Research Letters 8 / Cook et al. (2016): Consensus on consensus, Environmental Research Letters 11 / Lamb et al. (2020): Discourses of climate delay, Global Sustainability 3 / Supran und Oreskes (2017): Assessing ExxonMobil’s climate change communications (1977 bis 2014), Environmental Research Letters 12 / Supran, Rahmstorf und Oreskes (2023): Assessing ExxonMobil’s global warming projections, Science 379 / Brulle (2014): Institutionalizing delay, Climatic Change 122 / Stoetzer und Zimmermann (2024): A representative survey experiment of motivated climate change denial, Nature Climate Change / Rahmstorf (2004): The climate sceptics, Munich Re, Weather catastrophes and climate change / Oreskes und Conway (2010): Merchants of Doubt, Bloomsbury


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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