Kompakt erklärt
Der Meeresspiegel bezeichnet die durchschnittliche Höhe der Weltmeere – und er steigt. Seit Beginn der industriellen Nutzung fossiler Brennstoffe hat er sich global messbar erhöht: um rund 20 Zentimeter seit 1900, mit steigendem Tempo. Zwei Hauptursachen treiben diesen Anstieg: Erstens dehnt sich Wasser aus, wenn es wärmer wird (thermische Ausdehnung). Zweitens schmelzen Gletscher und Eisschilde – besonders in Grönland und der Antarktis – und das Schmelzwasser fließt in die Ozeane. Ein steigender Meeresspiegel ist keine abstrakte Zahl: Er bedeutet, dass Küstenstädte, Inselstaaten und tiefgelegene Regionen zunehmendem Risiko durch Überflutungen ausgesetzt sind. Dabei trifft es zuerst jene, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben – eine der deutlichsten Ausdrucksformen von Klimaungerechtigkeit.
Für Neugierige
Der Meeresspiegelanstieg wird mit zwei Methoden gemessen: Pegelmessungen an Küsten (seit dem 19. Jahrhundert) und Satellitenmessungen (seit 1993). Letztere ermöglichen eine globale und präzise Beobachtung. Laut IPCC AR6 (2021) ist der Meeresspiegel seit 1901 um ca. 0,20 m gestiegen; die aktuelle Steigerungsrate liegt bei rund 3,7 mm pro Jahr (Zeitraum 2006–2018) – doppelt so hoch wie im 20. Jahrhundert. Für das Ende des 21. Jahrhunderts prognostizieren Klimaforschende je nach Emissionsszenario einen weiteren Anstieg von 0,3 bis über 1 Meter. Besonders gefährdet sind unter anderem Bangladesch, die Malediven, Tuvalu und die Niederlande – aber auch Hamburgs Hafengebiet. Die ungleiche Betroffenheit folgt globalen Machtstrukturen: Länder des Globalen Südens leiden zuerst und am stärksten, obwohl sie historisch einen Bruchteil der kumulierten Emissionen verursacht haben.
Quellen: IPCC AR6 Working Group I (2021); NASA Sea Level Change Portal (2024); Church & White (2011), Geophysical Research Letters.
Verwandte Begriffe: Klimawandel · Klimaerwärmung · Kipp-Punkte · Klimagerechtigkeit · Treibhauseffekt



