Landnutzungswandel


Kompakt erklärt

Landnutzungswandel bezeichnet, wie Menschen die Nutzung von Flächen verändern, etwa wenn Wald zu Ackerland wird, Grasland zu Viehweide oder Naturfläche zu Siedlungsgebiet. Diese Veränderungen gehören zu den wichtigsten Ursachen für den weltweiten Verlust an Artenvielfalt, noch vor Klimawandel und Umweltverschmutzung. Laut dem Weltbiodiversitätsrat IPBES sind von geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit etwa eine Million vom Aussterben bedroht, in erster Linie weil ihnen durch veränderte Landnutzung der Lebensraum genommen wird. Auch in der EU ist die Lage angespannt: Zwei Drittel der besonders geschützten Arten und drei Viertel der bewerteten Lebensräume befinden sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Landnutzungswandel wirkt sich damit nicht nur auf einzelne bedrohte Arten aus, sondern verändert ganze Ökosysteme und ihre Fähigkeit, weiterhin Nahrung, sauberes Wasser und ein stabiles Klima bereitzustellen.


Für Neugierige

Die Dimension des aktuellen Wandels ist historisch beispiellos: Frühere Massenaussterbeereignisse in der Erdgeschichte löschten zwischen 60 und 95 Prozent aller Arten aus, Ökosysteme brauchten danach Millionen Jahre zur Erholung, und laut IPBES übertrifft das aktuelle Tempo der Veränderung frühere Vergleichszeiträume deutlich. Auch in Deutschland lässt sich der Wandel konkret messen: Seit 2003 ist der Anteil des artenreichen Dauergrünlands an der landwirtschaftlichen Fläche um rund 5 Prozent gesunken, laut Bundesamt für Naturschutz gilt inzwischen fast jede zweite dort vorkommende Art als gefährdet oder bereits verschollen. Landnutzungswandel hat dabei auch eine gesundheitliche Dimension, die oft übersehen wird: Schätzungen zufolge gehen mehr als 30 Prozent aller seit 1960 neu aufgetretenen Infektionskrankheiten auf veränderte Landnutzung zurück, etwa wenn Entwaldung oder ausgeweitete Landwirtschaft Wildtiere und Menschen enger zusammenbringen als zuvor. Das verbindet Landnutzungswandel eng mit dem Konzept Planetary Health, das genau diese Wechselwirkung zwischen Ökosystemgesundheit und menschlicher Gesundheit in den Mittelpunkt stellt. Wer Biodiversität schützen will, kommt deshalb nicht an der Frage vorbei, wie Flächen weltweit genutzt werden, das ist unbequemer als der CO2-Fußabdruck einzelner Produkte, aber am Ende entscheidender.

Quelle: Europäisches Parlament: Verlust der Biodiversität, Ursachen und Auswirkungen / Bundesamt für Naturschutz: Naturschutz in der Landwirtschaft


Verwandte Begriffe: Artensterben · Insektensterben · Planetary Health · Umweltgerechtigkeit




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