Klimagerechtigkeit


Was ist Klimagerechtigkeit – kurz erklärt

Klimagerechtigkeit beschreibt die Forderung, den Klimawandel nicht nur als Umweltproblem zu verstehen, sondern auch als eine Frage der globalen Gerechtigkeit. Denn die Klimakrise trifft nicht alle gleich.

Das Grundproblem: Länder, die historisch am meisten zur Erderwärmung beigetragen haben — vor allem Industrienationen im Globalen Norden (ein politisch-ökonomischer Begriff für wirtschaftlich starke Länder, nicht rein geografisch gemeint) —, sind heute am wenigsten von den schlimmsten Folgen betroffen. Gleichzeitig leiden Bevölkerungsgruppen und Regionen, die kaum zum Klimawandel beigetragen haben, bereits jetzt am härtesten darunter: Inselstaaten, die durch den steigenden Meeresspiegel bedroht werden; Regionen in der Sahelzone, die von Dürren und Hungerkrisen getroffen werden; indigene Gemeinschaften, deren Lebensgrundlagen verschwinden.

Ein konkretes Beispiel: Niger stieß 2022 rund 0,12 Tonnen CO₂ pro Kopf aus — Deutschland zur gleichen Zeit etwa 8 Tonnen. Die Folgen des Klimawandels treffen Niger trotzdem weitaus härter.

Klimagerechtigkeit stellt daher die Frage: Wer trägt Verantwortung, und wer zahlt den Preis?

Wissenschaftliche und politische Einordnung

Der Begriff „Climate Justice“ entstand in der internationalen Umweltbewegung der 1990er Jahre und wurde 2015 erstmals ausdrücklich in die Präambel des Pariser Abkommens aufgenommen. Der IPCC hält im AR6-Synthesebericht (2023) fest, dass diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, unverhältnismäßig stark betroffen sind.

Zentral ist das Konzept der MAPA (Most Affected People and Areas) — ein Begriff aus der internationalen Klimabewegung für besonders vulnerable Gemeinschaften: Frauen, BIPOC, indigene Völker sowie Menschen, die wirtschaftlich von der Land- oder Küstenwirtschaft abhängig sind. Der Klimawandel verstärkt bestehende Ungleichheiten dabei global und lokal: Auch innerhalb reicher Länder tragen Menschen mit geringem Einkommen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen überproportional die Lasten von Hitzewellen, Luftverschmutzung und steigenden Energiepreisen.

Klimagerechtigkeit umfasst drei Dimensionen: Verteilungsgerechtigkeit (wer wie viel emittieren darf und wer Anpassungskosten trägt), prozedurale Gerechtigkeit (wer an Klimaentscheidungen beteiligt wird und mitbestimmen darf) und korrektive Gerechtigkeit — Ausgleich für bereits entstandene Klimaschäden (Loss & Damage). Eine einheitliche wissenschaftliche Definition existiert nicht; unstrittig ist jedoch: Klimaschutz ohne Gerechtigkeitsfrage ist kein vollständiger Klimaschutz.

Quellen

IPCC, AR6-Synthesebericht, März 2023. ipcc.ch

Bundeszentrale für politische Bildung: „Klimagerechtigkeit“, 2023. bpb.de