- Bedeutung
- Höchstmenge an CO₂, die insgesamt noch ausgestoßen werden darf, damit eine Temperaturgrenze mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit gehalten wird
- Grundlage
- Annähernd lineare Beziehung zwischen den insgesamt ausgestoßenen CO₂-Mengen und der Erwärmung
- Maßeinheit
- Gigatonnen CO₂ (GtCO₂), eine Gigatonne sind eine Milliarde Tonnen
- Restbudget für 1,5 Grad
- Rund 500 GtCO₂ ab 2020 laut IPCC, rund 130 GtCO₂ ab 2026 laut Forster et al. (jeweils 50 Prozent Wahrscheinlichkeit)
- Verteilung
- Wird im Paris-Abkommen nicht festgelegt, ist eine Gerechtigkeitsfrage
Einfach erklärt
Das CO₂-Budget ist die Menge an Kohlendioxid, die insgesamt noch ausgestoßen werden darf, damit die globale Erwärmung unter einer bestimmten Grenze bleibt, zum Beispiel unter 1,5 Grad Celsius. Das Bild vom Bankkonto hilft: Jede Tonne CO₂, die in die Luft gelangt, wird davon abgebucht, und ein neues Guthaben gibt es nicht. Ist das Konto leer, bleibt nur noch, die Emissionen auf netto null zu bringen.
Der Grund dafür ist physikalisch: CO₂ bleibt sehr lange in der Atmosphäre. Deshalb zählt nicht, wie viel in einem einzelnen Jahr ausgestoßen wird, sondern wie viel sich über die Jahre ansammelt. Der Weltklimarat IPCC hat das für den Sechsten Sachstandsbericht ausgewertet. Für das 1,5-Grad-Ziel des Paris-Abkommens nennt er ein Restbudget von 500 Milliarden Tonnen CO₂ ab Anfang 2020, bei einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent.
Dieses Budget ist inzwischen deutlich geschrumpft. Eine Aktualisierung von Forster und anderen aus dem Jahr 2026 kommt für den Beginn des Jahres 2026 auf rund 130 Milliarden Tonnen. Bei dem Ausstoß von 2025 (rund 42 Milliarden Tonnen) wäre diese Menge in etwas mehr als drei Jahren verbraucht.
Merke
Das Restbudget hängt davon ab, wie sicher die Grenze gehalten werden soll, und von welchem Datum an gerechnet wird. Jede Zahl braucht deshalb zwei Angaben: Wahrscheinlichkeit und Startjahr.
Ausführlich erklärt
Warum es überhaupt ein Budget gibt
Der IPCC bestätigt mit hoher Sicherheit, dass die Erwärmung annähernd linear mit den insgesamt ausgestoßenen CO₂-Mengen steigt. Je 1.000 GtCO₂ führen wahrscheinlich (englisch „likely“) zu 0,27 bis 0,63 Grad zusätzlicher Erwärmung, der beste Schätzwert liegt bei 0,45 Grad. Fachleute nennen diese Größe TCRE (Transient Climate Response to cumulative CO₂ Emissions). Daraus folgt: Um die Erwärmung auf irgendeinem Niveau zu stoppen, müssen die CO₂-Emissionen netto null erreichen. Eine Temperaturgrenze bedeutet daher eine Obergrenze für die Gesamtmenge, also ein Budget.
Von 1850 bis 2019 hat die Menschheit nach IPCC-Angaben insgesamt 2.390 GtCO₂ ausgestoßen, mit einer Unsicherheit von plus oder minus 240. Das Restbudget wird immer ab einem Stichtag gerechnet und ist die Differenz zwischen der Gesamtgrenze und dem, was schon ausgestoßen wurde.
Wie groß das Restbudget ist
Die Tabelle SPM.2 des IPCC nennt Restbudgets ab Anfang 2020. Für 1,5 Grad sind es 900, 650, 500, 400 oder 300 GtCO₂, je nachdem, ob die Grenze mit 17, 33, 50, 67 oder 83 Prozent Wahrscheinlichkeit gehalten werden soll. Für 2 Grad lauten die Werte bei 50 und 67 Prozent 1.350 und 1.150 GtCO₂. Wer also eine höhere Sicherheit will, muss mit einem kleineren Budget auskommen.
Forster und andere berechnen jedes Jahr neu, was nach derselben Methode übrig ist. Für 1,5 Grad rechnen sie so: Die menschengemachte Erwärmung lag im Mittel von 2016 bis 2025 bei 1,24 Grad, dazu kommen 0,10 Grad aus künftigen Nicht-CO₂-Emissionen. Es bleiben also rund 0,16 Grad. Geteilt durch 0,45 Grad je 1.000 GtCO₂ sind das etwa 360 GtCO₂ ab der Mitte der Dekade. Davon gehen rund 220 GtCO₂ ab, die schon ausgestoßen wurden oder für Rückkopplungen wie auftauenden Permafrost reserviert sind. Das Ergebnis, gerundet auf 10 GtCO₂: rund 130 GtCO₂ ab 2026.
Dass das Budget um rund 370 GtCO₂ kleiner ist als im IPCC-Bericht, hat vier Gründe, die Forster und andere nennen: Zwischen 2020 und 2025 wurden rund 250 GtCO₂ ausgestoßen. Verbesserte Modelle berücksichtigen, dass die kühlende Wirkung von Luftschadstoffen zurückgeht, was das Budget um etwa 100 GtCO₂ senkt. Ein neuerer Szenariensatz bringt etwa 10 GtCO₂ weniger. Und die jüngste Erwärmung fiel etwas höher aus als erwartet, was weitere Zehner-GtCO₂ kostet.
Warum die Zahlen schwanken
Ein Restbudget ist kein exakter Kontostand, sondern eine Schätzung mit Spannweite. Der IPCC nennt mehrere Unsicherheiten: die bisherige Erwärmung (plus oder minus 550 GtCO₂), die Wirkung anderer Treibhausgase und Schwebstoffe (plus oder minus 220 GtCO₂) und die Erwärmung, die nach dem Erreichen von netto null noch nachläuft (plus oder minus 420 GtCO₂).
Andere Treibhausgase wie Methan sind dabei nicht als CO₂-Äquivalente im Budget enthalten. Das Budget bezieht sich nur auf CO₂, berücksichtigt aber deren Erwärmungswirkung mit einer Annahme: Forster und andere unterstellen, dass Methan bis 2050 um etwa 50 Prozent sinkt, Lachgas um etwa 20 Prozent und Schwefeldioxid um etwa 80 Prozent. Gelingt das nicht, wird das Budget kleiner. Gelingt mehr, wird es größer.
Auch das Ende des Budgets ist unscharf. Wenn die 130 GtCO₂ aufgebraucht sind, ist damit nicht auf den Tag genau das Überschreiten von 1,5 Grad erreicht. Forster und andere schätzen, dass die menschengemachte Erwärmung bei gleichbleibendem Ausstoß um das Jahr 2030 die 1,5 Grad erreicht. 2025 lag sie bei 1,37 Grad und stieg mit 0,27 Grad je Jahrzehnt.
Netto null und Kohlenstoffentnahme
Netto null heißt: Ausstoß und Entnahme gleichen sich aus. Der IPCC beschreibt, dass Entnahme von CO₂ aus der Luft Restemissionen ausgleichen und, im größeren Maßstab, die Temperatur sogar senken könnte. Er warnt zugleich, dass solche Verfahren je nach Art und Ort Auswirkungen auf Artenvielfalt, Wasser und Ernährung haben können. Natürliche Kohlenstoffsenken sind in den Rechnungen bereits enthalten. Wer das Budget überzieht, müsste später netto Kohlenstoff entnehmen. Forster und andere weisen darauf hin, dass dies bei größeren Überschreitungen weniger verlässlich ist, weil einzelne Modellstudien keine spiegelbildliche Reaktion des Klimas zeigen. Auch Rückkopplungen wie auftauender Permafrost stecken im Median nur mit rund 7 GtCO₂ in der Rechnung und gelten als Unsicherheit. Wie sich Kipppunkte darauf auswirken, ist eine eigene Frage.
Ein Budget ist die physikalische Grenze, aber über die Verteilung entscheidet keine Messung.
Kerngedanke
Wem das Budget gehört
Das Paris-Abkommen nennt in Artikel 2 Absatz 2 das Prinzip der Gerechtigkeit und der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung. Einen Verteilungsschlüssel für das Budget enthält der Vertrag nicht. Artikel 4 Absatz 1 sieht vor, dass der globale Höchststand der Emissionen in Entwicklungsländern später erreicht wird. Konkretes legen die national festgelegten Beiträge fest.
Wie groß ein Land beim Budget bereits „überzogen“ hat, hängt vom gewählten Maßstab ab. Jason Hickel (2020) rechnet mit gleichen Pro-Kopf-Anteilen an der Atmosphäre als gemeinsamem Gut und der Planetengrenze von 350 ppm CO₂. Nach seiner Berechnung ist der Globale Norden für 92 Prozent der Emissionen über dieser Grenze verantwortlich. Die meisten Länder des Globalen Südens liegen demnach innerhalb ihres fairen Anteils. Das ist ein Ansatz unter mehreren, zeigt aber, wie stark die Antwort vom Gerechtigkeitsprinzip abhängt. Diese Fragen behandelt die Klimagerechtigkeit.
In Deutschland hat das Bundesverfassungsgericht das Budget 2021 zur rechtlichen Größe gemacht. Es stützte sich auf eine Berechnung des Sachverständigenrats für Umweltfragen aus den IPCC-Schätzungen und entschied am 24. März 2021 (1 BvR 2656/18 u. a.), dass im Klimaschutzgesetz hinreichende Vorgaben für die Emissionsminderung ab 2031 fehlen. Eine Generation dürfe nicht große Teile des Budgets verbrauchen, wenn sie der nächsten eine radikale Reduktionslast überlässt. Die Zahl selbst sei wegen ihrer Unsicherheiten kein zahlengenaues Maß für die gerichtliche Prüfung. Mehr zu solchen Verfahren im Eintrag Klimaklage.
Was das CO₂-Budget nicht sagt
Das Budget sagt nichts darüber, wer die Emissionen verursacht hat oder wer die Folgen trägt. Es beschreibt die Summe, nicht die Verantwortung. Auch ist ein verbrauchtes Budget kein Schalter, der Schäden erst danach auslöst: Die Risiken steigen mit der Erwärmung, wie der Eintrag zum 1,5-Grad-Ziel zeigt.
Quellen: IPCC (2021): AR6 Working Group I, Summary for Policymakers, Abschnitt D.1 und Tabelle SPM.2 (PDF gelesen) / Forster, P. M. et al. (2026): Indicators of Global Climate Change 2025. Earth System Science Data 18, S. 3889 bis 3933, Abschnitt 9 (Volltext gelesen) / Paris-Abkommen (2015), Artikel 2 Absatz 2 und Artikel 4 Absatz 1 (UN-Vertragsdatenbank, PDF gelesen) / Bundesverfassungsgericht (2021): Beschluss vom 24. März 2021, 1 BvR 2656/18 u. a., Pressemitteilung Nr. 31/2021 vom 29. April 2021 / Hickel, J. (2020): Quantifying national responsibility for climate breakdown. The Lancet Planetary Health 4 (9), S. e399 bis e404 (nur Abstract, über OpenAlex gelesen)
Wie extreme Vermögensungleichheit die Klimakrise zusätzlich antreibt: Wessen Planet brennt? Wie extreme Vermögensungleichheit die Klimakrise antreibt.
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