Klima & Erde

IPCC

IPCC einfach erklärt: Wer den Weltklimarat trägt, wie Berichte entstehen, wie Regierungen zustimmen und wie es mit dem 7. Bericht weitergeht.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen, im Deutschen oft Weltklimarat genannt
Gegründet
1988 von der WMO und dem UNEP, im selben Jahr von der UN-Generalversammlung gebilligt
Mitglieder
195 Regierungen
Aufgabe
Veröffentlichte Klimaforschung bewerten und für Regierungen zusammenfassen
Aktueller Zyklus
Siebter Bewertungszyklus (AR7), Synthesebericht bis Ende 2029 geplant

Einfach erklärt

Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, auf Deutsch Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) ist das wichtigste wissenschaftliche Gremium zum Klimawandel. Umgangssprachlich heißt er Weltklimarat. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gründeten ihn 1988. In seinem Grundsatzdokument steht als Aufgabe, wissenschaftliche, technische und sozioökonomische Informationen zum Risiko des menschengemachten Klimawandels umfassend, objektiv, offen und transparent zu bewerten (Principles Governing IPCC Work).

Der IPCC wertet dafür tausende veröffentlichte Studien pro Jahr aus. Hunderte Fachleute arbeiten ehrenamtlich an den Berichten, 195 Regierungen sind Mitglied und stimmen den Zusammenfassungen zu. Die großen Sachstandsberichte erscheinen laut IPCC alle 5 bis 7 Jahre. Der letzte, der sechste (AR6, Assessment Report 6), wurde im März 2023 abgeschlossen. Sein Befund: Die globale Oberflächentemperatur lag von 2011 bis 2020 etwa 1,1 °C über dem Niveau von 1850 bis 1900.

Merke

Der IPCC beschreibt, was die Forschung weiß, und schreibt keine politischen Maßnahmen vor. Seine Berichte sollen laut Grundsatzdokument politisch neutral sein. Entscheiden müssen Regierungen.


Ausführlich erklärt

Gründung und Auftrag

Die UN-Generalversammlung billigte die Gründung 1988. Ihre Resolution 43/53 vom 6. Dezember 1988 nannte als erste Aufgabe eine umfassende Überprüfung des Wissensstands zur Klimawissenschaft, zu den sozialen und wirtschaftlichen Folgen und zu möglichen Reaktionsstrategien, auch als Grundlage für ein künftiges internationales Klimaabkommen (IPCC: History).

Die Berichte wirkten in der Folge direkt auf die Klimapolitik. Der erste Sachstandsbericht von 1990 spielte laut IPCC eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der UN-Klimarahmenkonvention. Der zweite (1995) lieferte Material für das Kyoto-Protokoll von 1997, der vierte (2007) bereitete ein Abkommen für die Zeit nach Kyoto vor, und der fünfte (2013 und 2014) lieferte den wissenschaftlichen Beitrag zum Paris-Abkommen. 2007 erhielt der IPCC gemeinsam mit dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis für Bemühungen, Wissen über den menschengemachten Klimawandel aufzubauen und zu verbreiten und Grundlagen für nötige Gegenmaßnahmen zu legen (Nobel Prize).

Aufbau und Mitgliedschaft

Das oberste Organ ist das Plenum (englisch Panel) der 195 Mitgliedsregierungen. Es tagt mindestens einmal im Jahr, entscheidet im Konsens über Haushalt, Arbeitsprogramm sowie Umfang und Gliederung der Berichte, nimmt Berichte an und wählt das Leitungsgremium (Bureau) (IPCC: Structure). Das Bureau zählt derzeit 34 Mitglieder, die der IPCC nicht bezahlt, und wird jeweils für einen Berichtszyklus gewählt.

Die inhaltliche Arbeit teilt sich auf drei Arbeitsgruppen (Working Groups, WG) und eine Task Force auf. WG I behandelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen, WG II Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit, WG III die Minderung von Emissionen. Die Task Force für nationale Treibhausgasinventare entwickelt Methoden, mit denen Staaten ihre Emissionen berechnen und melden (IPCC: About). Das Sekretariat sitzt in Genf im Gebäude der WMO. Der Treuhandfonds des IPCC wird ausschließlich durch freiwillige Beiträge der Mitgliedsregierungen getragen und ermöglicht auch Regierungen und Forschenden aus Entwicklungsländern die Teilnahme (IPCC-Pressemitteilung vom 27.03.2026).

Wer die Berichte schreibt

Autorinnen und Autoren werden von Regierungen und Beobachterorganisationen vorgeschlagen. Das Bureau der jeweiligen Arbeitsgruppe wählt sie nach Fachwissen aus und achtet dabei auf eine Mischung aus Regionen, Geschlechtern sowie Personen mit und ohne IPCC-Erfahrung. In der Regel leiten pro Kapitel zwei Koordinierende Leitautorinnen oder -autoren die Arbeit, eine Person aus einem Entwicklungsland und eine aus einem Industrieland (IPCC: Structure). Mindestens zwei Review Editors pro Kapitel prüfen, ob alle Kommentare der Begutachtung angemessen berücksichtigt werden.

Für den sechsten Bericht ernannte der IPCC 721 Personen aus mehr als 90 Ländern, 33 % davon Frauen und 44 % aus Entwicklungsländern und Schwellenländern mit Übergangswirtschaft. Für den siebten Bericht wurden 664 Fachleute aus 111 Ländern ausgewählt, aus 3.771 Nominierten. 46 % sind Frauen, 51 % kommen aus Entwicklungsländern und Übergangswirtschaften (IPCC-Pressemitteilung vom 18.08.2025). Zu Machtunterschieden in der Klimakrise: Klimagerechtigkeit.

195Regierungen sind Mitglied im IPCC
78.007Begutachtungskommentare gingen zum Bericht der Arbeitsgruppe I im sechsten Zyklus ein
664Fachleute aus 111 Ländern wurden für den siebten Bericht ausgewählt

Begutachtung und Regierungsabstimmung

Jeder Bericht durchläuft laut IPCC zwei Begutachtungsrunden: eine Expertenbegutachtung des ersten Entwurfs und eine Begutachtung des zweiten Entwurfs durch Regierungen und Fachleute. Alle Kommentare müssen die Autorenteams beim nächsten Entwurf berücksichtigen. Die Expertenbegutachtung dauert normalerweise acht Wochen, mindestens aber sechs. Beim Bericht der Arbeitsgruppe I kamen so 78.007 Kommentare zusammen, bei Arbeitsgruppe II 62.418 und bei Arbeitsgruppe III 59.212 (Pressemitteilung WG I, WG II, WG III).

Besonders ist die Zusammenfassung für politische Entscheidungstragende (Summary for Policymakers, SPM). Sie wird in einer Sitzung der Arbeitsgruppe Zeile für Zeile besprochen und genehmigt (englisch approved). Das Verfahren steht allen Regierungen offen. Die Genehmigung bedeutet laut Verfahrensregeln, dass die Zusammenfassung mit dem Hauptbericht übereinstimmt, die Koordinierenden Leitautoren müssen dazu angehört werden. Der Hauptbericht selbst wird nur angenommen (accepted), also nicht Zeile für Zeile verhandelt. Bei Meinungsunterschieden sollen abweichende Ansichten erläutert und auf Antrag festgehalten werden.

Was die Regierungsabstimmung bedeutet

Regierungen verhandeln den Wortlaut der Zusammenfassung, nicht die Daten im Hauptbericht. Kritik daran gibt es trotzdem. Die Gruppe Scientist Rebellion veröffentlichte im August 2021 einen Entwurf der Arbeitsgruppe III und warf dem IPCC im April 2022 vor, die Endfassung der Zusammenfassung sei durch den politischen Prozess abgeschwächt worden (Leak, Vergleich). Das ist die Bewertung einer Aktivistengruppe, die für diesen Eintrag nicht unabhängig geprüft wurde.

Der sechste Bericht (AR6)

Der sechste Zyklus brachte drei Sonderberichte (zu 1,5 °C Erwärmung im Oktober 2018, zu Landsystemen im August 2019, zu Ozean und Kryosphäre, den Eis- und Schneegebieten, im September 2019) und den Sachstandsbericht selbst: Arbeitsgruppe I am 9. August 2021, Arbeitsgruppe II am 28. Februar 2022, Arbeitsgruppe III am 4. April 2022 und den Synthesebericht am 20. März 2023. Er wurde in einer einwöchigen Sitzung im schweizerischen Interlaken genehmigt, 93 Autorinnen und Autoren schrieben ihn (IPCC-Pressemitteilung vom 20.03.2023). Der Bericht diente laut IPCC als direkte wissenschaftliche Grundlage für die erste globale Bestandsaufnahme (Global Stocktake) unter der Klimarahmenkonvention bei der COP28 in Dubai (IPCC-Pressemitteilung vom 27.03.2026).

Zu den Kernaussagen der Zusammenfassung zählt, dass menschliche Aktivitäten die Erwärmung eindeutig verursacht haben und die Emissionen weiter gestiegen sind. Für das verbleibende CO₂-Budget nennt der Bericht ab Anfang 2020 als beste Schätzung 500 Gigatonnen CO₂ für eine Wahrscheinlichkeit von 50 %, die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen (Synthesebericht, Zusammenfassung, DOI). Die Daten und Befunde sind zugleich Grundlage, um die Klimakrise politisch einzuordnen. Ein Beispiel für deutsche Politik ist der Beitrag 67 Maßnahmen, große Lücken: Was das Klimaschutzprogramm 2026 verspricht und was es schuldig bleibt.

Der siebte Zyklus (AR7) und der offene Zeitplan

Der siebte Zyklus begann formell im Juli 2023 mit der Wahl der neuen Leitungsgremien in Nairobi. Im Januar 2024 beschloss das Plenum in Istanbul das Arbeitsprogramm, im Februar 2025 billigte es in Hangzhou die Gliederung der drei Arbeitsgruppenberichte (IPCC: AR7). Der Synthesebericht soll nach den Arbeitsgruppenberichten bis Ende 2029 erscheinen.

Offen ist der Zeitplan der drei Arbeitsgruppenberichte. Im August 2025 erwartete der IPCC sie ab Mitte 2028. Auf der 64. Sitzung in Bangkok im März 2026 gab es dazu keinen formalen Beschluss, die Regierungen wollten den Zeitplan aber bei der nächsten Sitzung festlegen (IPCC-Pressemitteilung vom 27.03.2026). Die 65. Sitzung tagt vom 12. bis 16. Oktober 2026 in Addis Abeba, die Zeitplanfrage steht ganz oben auf der Tagesordnung (IPCC-Pressemitteilung vom 12.10.2026). Ein Ergebnis lag beim Schreiben dieses Eintrags nicht vor.

Der IPCC bewertet, was die Forschung bereits veröffentlicht hat, und macht den Stand des Wissens für Regierungen nutzbar.

Kerngedanke

Grenzen des Verfahrens

Jeder Bericht deckt nur Studien bis zu einem festen Stichtag ab. Für den sechsten Zyklus galt für Arbeitsgruppe I der 31. Januar 2021, für Arbeitsgruppe II der 1. September 2021 und für Arbeitsgruppe III der 11. Oktober 2021 (Synthesebericht, Zusammenfassung). Neuere Erkenntnisse fließen erst im nächsten Zyklus ein. Das mehrstufige Verfahren soll Aussagen belastbar machen. Es braucht Zeit und die Einigung der Regierungen, wie der offene Zeitplan zeigt. Grundlage ist begutachtete Literatur, Hintergrund dazu bieten die Einträge zu Peer Review und zum wissenschaftlichen Konsens.


Das könnte dich auch interessieren

  • Wissenschaftlicher Konsens: das, was der IPCC bündelt und öffentlich zugänglich macht
  • Peer Review: die Qualitätskontrolle, auf der IPCC-Berichte aufbauen
  • Paris-Abkommen: das Abkommen, dem der fünfte Bericht wissenschaftlich vorarbeitete
  • CO₂-Budget: die Restmenge an Emissionen, die der IPCC für Temperaturgrenzen angibt
  • Klimaleugnung: der Umgang mit Befunden, die der IPCC zusammenfasst

Quellen8

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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