Klima & Erde

Kohlenstoffsenke

Kohlenstoffsenke einfach erklärt: Wie viel CO₂ Ozeane und Land aufnehmen, wo Senken schwächeln und was Paris, EU und Klimaschutzgesetz verlangen.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Ein Ökosystem oder Verfahren, das über einen Zeitraum netto mehr CO₂ aufnimmt, als es abgibt
Natürliche Senken
Ozeane und Landökosysteme wie Wälder, Böden und Moore
Größe 2015 bis 2024
Ozean 3,2 und Land 2,4 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr, zusammen etwa die Hälfte der Emissionen
Rechtsrahmen
Pariser Abkommen, Verordnung (EU) 2018/841, Klimaschutzgesetz § 3a

Einfach erklärt

Eine Kohlenstoffsenke ist ein Ökosystem oder ein Verfahren, das über einen Zeitraum netto mehr CO₂ aus der Atmosphäre aufnimmt, als es abgibt. Die großen natürlichen Senken sind die Ozeane und die Landökosysteme, also Wälder, Böden und Moore. Ein Speicher enthält Kohlenstoff, eine Senke nimmt zusätzlichen auf. Moore und Böden sind große Speicher und gelten nur dann als Senke, solange sie mehr aufnehmen als abgeben.

Wie viel das ausmacht, beziffert das Global Carbon Budget 2025 (Friedlingstein et al. (2026)). Im Jahrzehnt 2015 bis 2024 nahm der Ozean 3,2 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr auf, das Land 2,4. Umgerechnet sind das rund 12 und 9 Gigatonnen CO₂, denn eine Gigatonne Kohlenstoff entspricht 3,664 Gigatonnen CO₂. Der Ozean übernahm damit 29 % der Emissionen, das Land 21 %. Die übrigen 50 % blieben in der Atmosphäre.

Diese Puffer sind nicht sicher. Der Klimawandel schwächt sie, und regional haben sie sich bereits ins Gegenteil verkehrt: Der Südosten des Amazonasgebiets wirkte in einer Messreihe als Kohlenstoffquelle, und der deutsche Wald setzte 2024 mehr Treibhausgase frei, als er band.

Merke

Senken nehmen etwa die Hälfte der menschengemachten CO₂-Emissionen auf. Sie sind aber keine feste Größe: Klima, Landnutzung und Schutz entscheiden mit, ob sie wachsen, stagnieren oder zur Quelle werden.


Ausführlich erklärt

Wie viel Senken aufnehmen

Das Global Carbon Budget 2025 (Friedlingstein et al. (2026)) führt fünf Größen zusammen: fossile Emissionen, Emissionen aus Landnutzung, den Anstieg in der Atmosphäre sowie die Ozean- und die Landsenke. Die Landsenke ist dort die gesamte Netto-Aufnahme des Landes ohne Landnutzung. Emissionen aus Rodung stehen auf der Emissionsseite: Die Landnutzung setzte 2015 bis 2024 netto 1,4 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr frei, Entwaldung allein rund 1,9. Aufforstung und nachwachsende Wälder gleichen davon etwa zwei Drittel aus.

Über die gesamte Zeit von 1850 bis 2024 ordnet das Budget 745 Gigatonnen Kohlenstoff (2.730 Gigatonnen CO₂) so zu: 39 % blieben in der Atmosphäre, 27 % gingen in den Ozean, 24 % in die Landsenke. Weil die Landnutzung in dieser Zeit mehr freisetzte als die Landsenke aufnahm, war das Land über den gesamten Zeitraum netto sogar eine Quelle (75 Gigatonnen Kohlenstoff bei einer Unsicherheit von 80). Als Unsicherheiten nennt das Budget unter anderem die Landnutzungsemissionen und die Landsenke der nördlichen Breiten.

29 %der CO₂-Emissionen von 2015 bis 2024 nahm der Ozean auf
21 %nahm das Land auf, ohne Landnutzung gerechnet
2,2 GtCO₂ pro Jahr werden derzeit durch menschliche Entnahme der Atmosphäre entzogen

Wälder, Moore und Küstenökosysteme

Für Wälder kommen Harris et al. (2021) auf eine Netto-Senke von 7,6 Gigatonnen CO₂-Äquivalent pro Jahr (2001 bis 2019, mit großer Unsicherheit). Sie ergibt sich aus 15,6 Gigatonnen Aufnahme minus 8,1 Gigatonnen Emissionen aus Entwaldung und anderen Störungen. Die Abgrenzung unterscheidet sich vom Global Carbon Budget, die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar.

Bei Mooren liegt die Last auf der Entwässerung: Leifeld und Menichetti (2018) schätzen, dass entwässerte Moore jährlich 1,91 Gigatonnen CO₂-Äquivalent freisetzen (Spanne 0,31 bis 3,38), die sich durch Wiedervernässung einsparen ließen. Warum Torfböden so viel Kohlenstoff halten, steht im Blogartikel Moore retten, wie Boden als Senke funktioniert, im Beitrag zum Bodenmikrobiom.

Mangroven, Seegraswiesen und Salzmarschen speichern laut Macreadie et al. (2021) mehr als 30 Milliarden Tonnen Kohlenstoff auf rund 185 Millionen Hektar. Ihre Wiederherstellung könnte bis 2030 zusätzlich 841 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent pro Jahr binden, etwa 3 % der globalen Emissionen.

Natürliche und technische Senken

Der Bericht State of Carbon Dioxide Removal, 3. Ausgabe (2026) unterscheidet konventionelle Entnahme (CO₂-Entnahme, englisch CDR), die vor allem Wälder und Böden nutzt, von neuartigen Verfahren wie Biochar, beschleunigter Verwitterung und Abscheidung aus der Luft. Derzeit werden durch menschliche Entnahme 2,2 Gigatonnen CO₂ pro Jahr entzogen, das sind 5 % der CO₂-Bruttoemissionen. Konventionelle Verfahren stellen davon 99,9 %. Neuartige Verfahren erreichen erst 0,002 Gigatonnen pro Jahr, wachsen aber um 40 % jährlich. Fast alles davon sind Biochar und Bioenergie mit CO₂-Abscheidung (CCS). Diese Zahlen und die des Global Carbon Budget beruhen auf unterschiedlichen Abgrenzungen.

In kosteneffizienten Szenarien, die mit dem Pariser Abkommen vereinbar sind, tragen Emissionsminderungen laut diesem Bericht mindestens 80 % der Anstrengung zu Netto-Null beim CO₂, die Entnahme den Rest.

Wenn Senken schwächer werden

Laut Global Carbon Budget verringern Klimawandel und Klimaschwankungen die Landsenke im Mittel von 2015 bis 2024 um 25 % und die Ozeansenke um 7,1 %. Die Landsenke stagniert seit etwa 2000, die Ozeansenke seit 2016. 2024 fiel die Landsenke im El Niño auf 1,9 Gigatonnen Kohlenstoff, vorläufig erholte sie sich 2025 auf 3,1.

Besonders gut belegt ist das für tropische Wälder. Hubau et al. (2020) zeigen, dass intakte tropische Wälder in den 1990er und frühen 2000er Jahren etwa 15 % der menschengemachten Emissionen aufnahmen. Die Aufnahme erreichte in den 1990er Jahren ihren Höhepunkt. In Afrika blieb sie bis 2015 stabil, in Amazonien nimmt sie langfristig ab. Gatti et al. (2021) flogen von 2010 bis 2018 an vier Orten 590 Messprofile und fanden im Südosten Amazoniens eine Netto-Quelle, verbunden mit Trockenzeit, Abholzung und Feuer. Flores et al. (2024) schätzen, dass 2050 zwischen 10 und 47 % der Wälder des Amazonasgebiets mehreren Belastungen zugleich ausgesetzt sind, die unerwartete Umbrüche auslösen könnten. Wie solche Schwellen funktionieren, erklärt der Eintrag zu Kipppunkten; die Folgen der Entwaldung liegen auf der Emissionsseite.

Eine Kohlenstoffsenke ist kein Naturgesetz, sondern ein Zustand, den Klima, Landnutzung und Schutz mitbestimmen.

Kerngedanke

Was Recht und Politik verlangen

Das Pariser Abkommen nennt in Artikel 4 Absatz 1 das Ziel, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen Emissionen aus Quellen und dem Abbau durch Senken herzustellen. Artikel 5 Absatz 1 sieht vor, Senken und Speicher, darunter Wälder, zu erhalten und gegebenenfalls zu verbessern (Quelle).

Die EU-Verordnung 2018/841 (LULUCF, in der Fassung der Verordnung 2023/839) verlangt für 2021 bis 2025, dass die Emissionen den Abbau nicht übersteigen (Artikel 4 Absatz 1). Für 2030 setzt sie ein Unionsziel von 310 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent Nettoabbau (Artikel 4 Absatz 2). Für Deutschland weist Anhang IIa einen Nettoabbau von 30,8 Millionen Tonnen aus, nach dem Datenstand von 2020.

Das Klimaschutzgesetz verlangt in § 3a, dass der Mittelwert der Emissionsbilanzen des Sektors Landnutzung im Zieljahr und den drei Vorjahren auf mindestens minus 25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent bis 2030, minus 35 bis 2040 und minus 40 bis 2045 verbessert wird. Nach § 3 Absatz 2 sollen nach 2050 negative Emissionen erreicht werden. Der aktuelle Stand sieht anders aus: Laut Umweltbundesamt war der Sektor 2024 mit netto 58 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent eine Quelle, 1990 waren es 36. Der Wald band zwischen 1991 und 2017 im Mittel rund 54 Millionen Tonnen CO₂ netto pro Jahr, setzte 2024 aber 2,1 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent frei, nachdem Trockenheit seit 2018 viele Bäume absterben ließ. Das verbleibende Budget erklärt der Eintrag zum CO₂-Budget.

Wer schützt, wer emittierte

Nach dem Global Carbon Budget stammen 57 % der weltweiten Netto-Landnutzungsemissionen von 2015 bis 2024 aus Brasilien, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo. Die höchsten historischen fossilen Emissionen von 1850 bis 2024 gehen dagegen auf die USA (24 %), die EU (16 %) und China (15 %) zurück. Die größten Nettoabbau-Mengen durch Aufforstung meldeten China, die USA und die EU. Ob und wie Lasten und Schutzaufgaben fair verteilt werden, behandelt der Eintrag zu Klimagerechtigkeit.

Was der Begriff nicht sagt

Eine Senke ist kein Freibrief für weitere Emissionen: Der Bericht zur Entnahme sieht die Minderung als größten Teil der Arbeit. Gebundener Kohlenstoff kann durch Feuer, Dürre oder Nutzungsänderung wieder entweichen, wie die Daten aus Amazonien und Deutschland zeigen. Globale Zahlen beschreiben Mittelwerte mit Unsicherheit, keine einzelne Fläche.

Quellen: Friedlingstein et al. (2026), Global Carbon Budget 2025, Earth System Science Data 18 / Harris et al. (2021), Nature Climate Change 11 / Hubau et al. (2020), Nature 579 / Gatti et al. (2021), Nature 595 / Flores et al. (2024), Nature 626 / Leifeld und Menichetti (2018), Nature Communications 9 / Macreadie et al. (2021), Nature Reviews Earth & Environment 2 / The State of Carbon Dioxide Removal, 3. Ausgabe (2026), Executive Summary / Übereinkommen von Paris, Artikel 4 und 5 (EUR-Lex) / Verordnung (EU) 2018/841, konsolidierte Fassung mit Änderung durch Verordnung (EU) 2023/839 (EUR-Lex, Stand 11.05.2023) / Bundes-Klimaschutzgesetz § 3 / Bundes-Klimaschutzgesetz § 3a / Umweltbundesamt: Emissionen der Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft (abgerufen 16.10.2026)


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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