Geoengineering


Einfach erklärt

Geoengineering bezeichnet großskalige technische Eingriffe in das Erdsystem, die gezielt die Folgen des Klimawandels abschwächen sollen. Zwei Hauptansätze stehen im Fokus: das Solar Radiation Management (SRM, Steuerung der Sonneneinstrahlung), etwa durch das Einbringen von reflektierenden Partikeln in die Stratosphäre, und das Carbon Dioxide Removal (CDR, CO₂-Entnahme), bei dem Treibhausgase aktiv aus der Atmosphäre entzogen und gespeichert werden.

Geoengineering ist kein Ersatz für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Es wird aber als mögliches Ergänzungsinstrument diskutiert, falls andere Klimamaßnahmen nicht ausreichen, um die 1,5-Grad-Grenze zu halten. Einige CDR-Methoden wie Aufforstung sind erprobt. Andere, wie das Einbringen von Schwefeldioxid in die Stratosphäre, sind hochriskant: Sie könnten Monsunregen verschieben und Ernten in Teilen des Globalen Südens gefährden. Wer diese Eingriffe entscheidet, für wen und auf wessen Kosten: Das ist der eigentliche Kern der Debatte.


Ausführlich erklärt

Der IPCC (Weltklimarat) unterscheidet im Sechsten Sachstandsbericht (AR6) ausdrücklich zwischen CDR-Methoden, die als Teil des Klimaschutzpfads notwendig sein könnten, und SRM-Methoden, die zwar Temperaturen schnell senken, aber keine CO₂-Konzentration reduzieren. Stratosphärische Aerosolinjektion (SAI), das Einbringen von Schwefeldioxid in ca. 20 km Höhe, könnte die Sonneneinstrahlung innerhalb von Monaten verringern. Doch endet das Programm abrupt („Termination Shock“), steigen Temperaturen rapide an.

Die geopolitische Dimension ist entscheidend: Ein einzelner Staat oder ein Technologiekonzern könnte SRM-Maßnahmen unilateral einleiten und damit Niederschlagsmuster im Globalen Süden (Länder mit begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen infolge kolonialer Geschichte und globaler Machtstrukturen) massiv verändern, ohne Zustimmung der Betroffenen. Climate Justice-Bewegungen warnen, dass Geoengineering ein Freifahrtschein für das Fortführen fossiler Strukturen werden könnte.

Das IPCC hält CDR für unvermeidbar, wenn die 1,5-Grad-Grenze gehalten werden soll, aber nur als Ergänzung zu sofortigen Emissionsreduktionen, nicht als Ersatz. Wo die Grenzen dieser Technologien liegen und wer über ihren Einsatz entscheiden darf, braucht globale demokratische Antworten.

Quelle: IPCC AR6 Working Group I (2021): The Physical Science Basis / Umweltbundesamt: Geoengineering (2023)


Wie viel CO₂ intakte, natürliche Ökosysteme binden können, statt auf riskante Technologie zu setzen: Moore retten: Warum Torfböden mehr CO₂ speichern als alle Wälder zusammen.


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