Klima & Erde

Moore retten: Warum Torfböden mehr CO₂ speichern als alle Wälder zusammen

Moore speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder, geben ihn aber ab, wenn sie trocken liegen. Was Wiedervernässung bringt.

9 Min. Lesezeit12. Juni 2026
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⏱ Lesezeit: ca. 8 Minuten

Das Wichtigste in Kürze
  • Moore bedecken nur 3 bis 4 Prozent der Landfläche, speichern aber etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde.
  • In Deutschland sind rund 95 Prozent der Moore degradiert und geben CO₂ ab. Eine klimafreundliche Wiedervernässung könnte theoretisch bis zu 35 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr einsparen.
  • Moorschutz ist ein Konflikt mit der Landwirtschaft. Die Nationale Moorschutzstrategie setzt auf Freiwilligkeit, beim Kauf torffreier Erde kannst du direkt ansetzen.

Moore bedecken nur 3 bis 4 Prozent der Landfläche der Erde und speichern trotzdem etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Liegen sie trocken, werden sie zur Klimabombe. Was hinter dem Moor-Paradox steckt, was Wiedervernässung wirklich bringt und was du konkret tun kannst.

Was ein Moor eigentlich ist

Moore entstehen dort, wo Wasser den Boden dauerhaft sättigt und abgestorbene Pflanzen sich nicht vollständig zersetzen können. Über Jahrtausende schichten sich die Pflanzenreste zu Torf. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterscheidet Hochmoore, die allein vom Regenwasser leben, Niedermoore, die vom Grundwasser oder von Gewässern gespeist werden, und Übergangsformen dazwischen.[6] Hochmoore sind nährstoffarm und sauer. Torfmoose, die dort den Torf bilden, können mehr als das 30-Fache ihrer Trockenmasse an Wasser speichern. Hochmoore wachsen dabei um bis zu einen Millimeter im Jahr.[6] Bei diesem Tempo braucht ein Meter Torf mindestens 1.000 Jahre.

Das Ergebnis ist ein Ökosystem, das Kohlenstoff nicht nur aufnimmt, sondern über lange Zeit festhält.

Moore halten Kohlenstoff nur fest, solange sie nass bleiben.

Kerngedanke

Warum Moore so viel Kohlenstoff speichern

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) beziffert in seinem Global Peatlands Assessment von 2022 den Flächenanteil der Moore auf etwa 3 bis 4 Prozent der Landoberfläche. Sie enthalten bis zu ein Drittel des weltweiten Bodenkohlenstoffs und damit etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde.[1] Das Umweltbundesamt (UBA) rechnet es pro Fläche vor: Moore binden etwa 700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar, sechsmal so viel wie Wald.[2] Der NABU nennt sie die effektivsten Kohlenstoffspeicher unter den Landökosystemen.[3]

Intakte Moore sind damit eine echte Kohlenstoffsenke. Dieser Speicher ist über Jahrhunderte bis Jahrtausende entstanden und lässt sich nicht kurzfristig neu aufbauen.[2]

Das Paradox: Schützer und Zeitbombe zugleich

Hier liegt das Kernproblem. Werden Moore für Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Torfabbau entwässert, gelangt Sauerstoff in den Torf. Er zersetzt sich, und der gespeicherte Kohlenstoff entweicht als CO₂ in die Luft. Nach UNEP sind rund 12 Prozent der Moore weltweit entwässert und geschädigt. Sie verursachen etwa 4 Prozent der jährlichen menschengemachten Emissionen.[1] Das UBA nennt für entwässerte, vor allem landwirtschaftlich genutzte Moore rund 5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.[2] Die Zahlen weichen leicht ab, weil Stichjahre und Berechnungswege verschieden sind. Die Größenordnung ist dieselbe: Ein winziger Teil der Erdoberfläche trägt einen spürbaren Teil zur Erderhitzung bei.

In Deutschland ist die Lage besonders ernst. Rund 95 Prozent der Moore sind degradiert und geben CO₂ ab.[2] Nach NABU-Angaben gelten nur noch etwa 5 Prozent der ursprünglichen Moore als naturnah.[3] Die Moorböden bedecken rund 5 Prozent der Bundesfläche (rund 18.400 Quadratkilometer) und verursachen laut Bundesumweltministerium rund 53 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr, das sind mehr als ein Drittel der Emissionen der Landwirtschaft.[7] Das UBA beziffert den Anteil an den gesamten deutschen Treibhausgasemissionen für das Jahr 2023 auf etwa 6,9 Prozent.[2]

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) macht den Gegensatz an der Landwirtschaft fest: Moore machen nur 7 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus, verursachen aber 37 Prozent aller Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft.[8] Das ist kein Randthema.

95Prozent der Moore in Deutschland sind degradiert und geben CO₂ ab
37Prozent der Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft verursachen Moore, die nur 7 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen
700Tonnen Kohlenstoff pro Hektar binden Moore, etwa sechsmal so viel wie Wald

Was Wiedervernässung wirklich bringt

Die gute Nachricht: Das Gegenmittel ist bekannt. Laut BfN ist die Wiedervernässung der wichtigste Schritt der Revitalisierung. Der Sauerstoffabschluss lässt die Torfzersetzung nahezu zum Erliegen kommen, und die CO₂-Emissionen sinken drastisch. Das BfN verweist auf Schätzungen, nach denen eine klimafreundlich durchgeführte Wiedervernässung aller entwässerten Moore Deutschlands theoretisch bis zu 35 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr einsparen könnte.[5] Wachsen auf den nassen Flächen wieder torfbildende Pflanzen, kann sogar die Senkenwirkung zurückkehren.[5]

Ganz ohne Fallstricke geht es nicht. Das BfN warnt, dass ein flächiger Überstau die Gefahr hoher Ausgasungen von Methan birgt, einem weiteren Treibhausgas. Der Wasserstand sollte sich deshalb am jahreszeitlich schwankenden Pegel natürlicher Moore orientieren. Eine falsch geplante Wiedervernässung kann außerdem seltene Arten vernichten, die noch auf den Flächen leben.[5] Auch die Grenzen sollten klar sein: Zu stark veränderte Moore lassen sich nicht in den Urzustand zurückversetzen, und abgetorfte Flächen brauchen tausende Jahre, bis die frühere Torfschicht wieder da ist. Trotzdem senken Wiedervernässung und extensivere Nutzung auch dort die Emissionen.[5]

Politisch hat die Bundesregierung am 9. November 2022 die Nationale Moorschutzstrategie beschlossen. Sie soll dazu beitragen, dass die jährlichen Emissionen aus Moorböden bis 2030 um mindestens 5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente sinken, und unterstützt das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045. Sie umfasst zehn Handlungsfelder mit 49 Zielen und 117 Maßnahmen. Grundlage ist dabei das Prinzip der Freiwilligkeit mit finanziellen Anreizen, Zwang für Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümer ist nicht vorgesehen.[7] Bereits im Oktober 2021 hatten Bund und Länder eine gemeinsame Zielvereinbarung zum Moorbodenschutz unterzeichnet.[7]

Mehr als Klimaschutz: Moore als Lebensraum und Wasserspeicher

Die Renaturierung von Mooren hilft nicht nur dem Klima. Moore sind Heimat hochspezialisierter Arten. Das BfN führt unter den gefährdeten Pflanzen etwa den Langblättrigen Sonnentau (stark gefährdet) und das Zierliche Wollgras (vom Aussterben bedroht). Bei den Tieren stehen unter anderem der Hochmoor-Gelbling und die Kleine Moosjungfer auf der Liste, beide stark gefährdet.[6] Wer Moore schützt, schützt also auch die Artenvielfalt.

Hinzu kommt der Wasserhaushalt. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums erfüllen nasse Moore durch ihre Wasserspeicherkapazität wichtige Funktionen als Temperatur- und Feuchtigkeitsregulatoren.[7] Das hilft in Zeiten, in denen Starkregen und Trockenperioden häufiger werden.

Wie viel Wissen dazu vorhanden ist, zeigt das Greifswald Moor Centrum. Es ist ein Verbund aus der Universität Greifswald, der Michael Succow Stiftung, dem Institut DUENE und der Stiftung Moorbibliothek. Am Centrum wird die Global Peatland Database betrieben, die Daten zu Lage, Ausdehnung und Entwässerungszustand von Mooren in 268 Ländern und Regionen sammelt.[10]

Landwirtschaft und Klimaschutz: ein echter Konflikt

Moorschutz ist kein konfliktfreies Thema. Nach DBU-Angaben werden von den 18.250 Quadratkilometern Moor in Deutschland 95 Prozent genutzt, für Ackerbau, Grünland, Forst oder Torfabbau.[8] Viele Betriebe sind wirtschaftlich auf diese Flächen angewiesen. Wer Moorschutz will, muss deshalb Antworten für die Menschen haben, die dort arbeiten.

Eine mögliche Antwort ist die Paludikultur, die nasse Bewirtschaftung von Mooren. Die Torfschicht bleibt erhalten oder wächst sogar nach, die Fläche wird aber weiter genutzt. Die DBU nennt eine Bilanz: Auf Ackerböden werden 37 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Hektar und Jahr frei, bei Paludikulturen sind es nur 5 bis 8 Tonnen.[8] Rund 200 Pflanzenarten kommen in Deutschland dafür infrage:

  • Rohrkolben: Er wird als Dämmmaterial erprobt. Laut DBU-Beitrag ist der Anbau noch in der Testphase und nicht als landwirtschaftliche Kultur anerkannt, also nicht förderfähig.[8]
  • Schilf: Er dient traditionell als Reet zum Dachdecken oder als Dämmung und eignet sich als Brennstoff. In Malchin am Kummerower See eröffnete 2014 ein Biomasseheizwerk, das Großseggen und Rohrglanzgras nutzt.[8]
  • Torfmoos: Es kann auf wiedervernässten Hochmooren angebaut und alle drei bis fünf Jahre geerntet werden. Als Torfersatz in Gartensubstraten ist es in der Erprobung. In einem Pilotversuch bei Ramsloh im Kreis Cloppenburg wächst es auf 17 Hektar, bei passendem Wasserstand deckt der Ertrag die Kosten.[8]

Ein Wunderrezept ist das nicht. Das Bundesumweltministerium schreibt zu seinen Pilotvorhaben, dass für die Nutzung wiedervernässter Moorböden bisher keine ökonomisch tragfähigen Konzepte vorliegen und genau das erprobt werden soll.[7] Paludikultur ist aufwendiger und noch nicht überall rentabel. Sie zeigt aber, dass Schutz und Nutzung kein Entweder-oder sein müssen.

Torf im Garten: Wo du direkt ansetzen kannst

Ein Teil des Torfs wird im Gartenbau verbraucht. Handelsübliche Garten- und Blumenerden bestehen laut UBA bis zu 90 Prozent aus Torf. Im Durchschnitt ist der Torfanteil in Hobbyerden zuletzt deutlich gesunken und liegt bei etwa einem Drittel, vor allem weil mehr Grüngutkompost verwendet wird.[2]

Die Torfminderungsstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom Juli 2022 sieht vor, dass die Torfverwendung im Hobbybereich bis 2026 endet und im Erwerbsgartenbau bis 2030 weitgehend ersetzt wird. Sie setzt dabei ausdrücklich auf Freiwilligkeit statt Ordnungsrecht.[9] Dieses Jahr 2026 ist fast vorbei. Mit etwa einem Drittel Torfanteil ist das Ziel offenbar nicht erreicht, auch wenn die Zahl nur ein Durchschnitt ist.[2] Umso mehr zählt, was im Einkaufswagen landet.

Was du jetzt tun kannst

Torffreie Erde kaufen. Das UBA rät, nur Blumenerde ohne Torf zu kaufen oder eigene Komposterde zu nutzen. Als Alternativen nennt es Erden aus Holzfasern, Rinde oder Kompost. Wichtig ist der Blick auf die Inhaltsliste: Bezeichnungen wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ sind laut UBA irreführend, solche Produkte enthalten oft noch bis zu 70 Prozent Torf. Das Siegel „Grünstempel“ garantiert Torffreiheit.[2]

Projekte unterstützen. Der Deutsche Moorschutzfonds im NABU wurde 2011 gemeinsam mit der Volkswagen Leasing GmbH gegründet und ist anfangs mit 1,6 Millionen Euro ausgestattet worden. Er hat über 12 Moorschutzprojekte unterstützt und wird von Unternehmenspartnern getragen.[4] Als Privatperson kannst du beim NABU Moorpatin oder Moorpate werden, und der NABU ist mit über 1.500 Gruppen vor Ort aktiv, die sich an vielen Orten für Moore einsetzen.[4]

Politisch nachfragen. Die Moorschutzstrategie beruht auf Freiwilligkeit. Wer ein Torfverbot für Hobbyerden oder verbindlichere Regeln möchte, kann das in der Kommunalpolitik, bei Abgeordneten oder im Baumarkt ansprechen, etwa mit der Frage, welche torffreien Erden im Sortiment sind.

Fazit

Moore sind keine romantischen Ödländer. Sie sind riesige Kohlenstoffspeicher, die wir über Jahrzehnte trockengelegt haben und die deshalb heute Treibhausgase abgeben. Wiedervernässung kann das stoppen, braucht aber gute Planung, Geld und Antworten für die Landwirtschaft. Der Weg ist vorgezeichnet, die Umsetzung ist freiwillig und deshalb zäh. Jede Tüte torffreie Erde und jedes unterstützte Moorprojekt hilft, dass daraus mehr wird als ein Plan.

Quellen

[1] UNEP (17.11.2022): Global Peatlands Assessment: The State of the World’s Peatlands. unep.org

[2] Umweltbundesamt (Stand 13.04.2026): Mit torffreier Blumenerde klimafreundlich gärtnern. umweltbundesamt.de

[3] NABU: Moorschutz (Seite abgerufen am 09.10.2026). nabu.de

[4] NABU: Deutscher Moorschutzfonds. nabu.de

[5] Bundesamt für Naturschutz: Handlungsbedarf zum Moorschutz. bfn.de

[6] Bundesamt für Naturschutz: Moortypen und gefährdete Arten. bfn.de

[7] Bundesumweltministerium (Stand 27.05.2026): Moorschutz. bundesumweltministerium.de

[8] Deutsche Bundesstiftung Umwelt: Paludikulturen, Landwirtschaft auf Moorböden. dbu.de

[9] Bundeslandwirtschaftsministerium (Juli 2022): Torfminderungsstrategie. bmleh.de (PDF)

[10] Greifswald Moor Centrum: Global Peatland Database. greifswaldmoor.de

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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