Klima & Erde

Entwaldung

Entwaldung einfach erklärt: Was der Begriff meint, wie viel Wald verloren geht, welche Ursachen und Folgen es gibt und was die EU-Verordnung regelt.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 15.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Dauerhafte Umwandlung von Wald in eine andere Landnutzung, etwa Acker, Weide oder Infrastruktur
Menge
Rund 10,9 Millionen Hektar pro Jahr zwischen 2015 und 2025 (FAO)
Hauptursache
Ausweitung der Landwirtschaft, zwischen 2000 und 2018 fast 90 Prozent
Schwerpunkt
Tropische Wälder, vor allem in Südamerika und Afrika
Rechtlicher Rahmen
EU-Verordnung 2023/1115 (EUDR), für große Unternehmen ab 30. Dezember 2026

Einfach erklärt

Entwaldung bezeichnet die dauerhafte Umwandlung von Wald in eine andere Nutzung: in Ackerland, Weideland, Plantagen, Straßen, Bergbaugebiete oder Siedlungen. Entscheidend ist die neue Nutzung. Wird ein Wald abgeholzt und danach wieder bewaldet, gilt die Fläche nach der Definition der Welternährungsorganisation FAO weiter als Wald.

Die FAO schätzt für die Jahre 2015 bis 2025 rund 10,9 Millionen Hektar Entwaldung pro Jahr. Das ist weniger als in den 1990er Jahren, aber immer noch sehr viel. Den größten Anteil hat die Landwirtschaft: Äcker und Weiden verursachten zwischen 2000 und 2018 fast 90 Prozent der weltweiten Entwaldung.

Wälder speichern Kohlenstoff, halten Wasser zurück und beherbergen nach der EU-Verordnung zum Thema den größten Teil der Artenvielfalt an Land. Werden sie gerodet und oft auch verbrannt, gelangt das gespeicherte CO₂ in die Atmosphäre, und Lebensräume verschwinden. Da viele der Flächen für Produkte angelegt werden, die in andere Weltregionen gehen, hängt Entwaldung auch mit dem Konsum in Europa zusammen.

Merke

Entwaldung heißt: Wald wird dauerhaft zu etwas anderem. Nicht jeder Baumverlust ist Entwaldung, und die Nettobilanz zeigt nicht, welcher Wald verloren geht.


Ausführlich erklärt

Was zählt als Wald, was als Entwaldung?

Die FAO versteht unter Wald eine Fläche von mehr als 0,5 Hektar mit Bäumen, die mindestens 5 Meter hoch werden können, und einer Überschirmung von mehr als 10 Prozent. Land, das überwiegend landwirtschaftlich oder städtisch genutzt wird, zählt nicht dazu. Entwaldung ist die Umwandlung von Wald in andere Landnutzungen. Weil die FAO die Landnutzung betrachtet, kann eine Fläche vorübergehend ohne Bäume bleiben und trotzdem Wald sein, etwa nach einem Holzeinschlag mit anschließender Verjüngung.

Davon zu trennen ist der Nettowaldverlust: die Entwaldung abzüglich neuer Waldfläche durch Pflanzung oder natürliche Ausbreitung. Er lag zwischen 2015 und 2025 bei 4,12 Millionen Hektar pro Jahr, nach 10,7 Millionen in den 1990er Jahren. Neu gepflanzte Bestände verbessern diese Bilanz, ersetzen aber nicht automatisch einen Primärwald, den die FAO als unersetzlich bezeichnet.

Die EU nutzt eine engere Definition. In der Verordnung (EU) 2023/1115 ist Entwaldung die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftlich genutzte Flächen, ob vom Menschen herbeigeführt oder nicht. Ölpalmenplantagen zählen dort nicht als Wald. Die Waldschädigung ist ein eigener Begriff.

Wie viel Wald geht verloren?

Wälder bedecken nach der FAO 4,14 Milliarden Hektar, also 32 Prozent der Landfläche. Seit 1990 gingen durch Entwaldung schätzungsweise 489 Millionen Hektar verloren. Die jährliche Rate sank von 17,6 Millionen Hektar zwischen 1990 und 2000 über 13,6 Millionen zwischen 2000 und 2015 auf 10,9 Millionen zwischen 2015 und 2025.

88 Prozent der Entwaldung zwischen 1990 und 2025 fanden in den Tropen statt. Südamerika hatte zwischen 2015 und 2025 mit 4,22 Millionen Hektar pro Jahr die höchste Rate, gefolgt von Afrika mit 3,45 Millionen.

Das sind Schätzungen: Viele Länder erfassen Entwaldung nicht, die FAO mahnt zur Vorsicht. Ihre Fernerkundungsstudie für 2000 bis 2018 ergab rund ein Drittel niedrigere Werte als die Länderberichte.

Ursachen: Wofür der Wald weichen muss

Nach der FAO-Fernerkundungsstudie entfielen fast 90 Prozent der Entwaldung zwischen 2000 und 2018 auf die Ausweitung der Landwirtschaft. Ackerbau hatte fast 50 Prozent, davon allein Ölpalmen 7 Prozent, Weidehaltung 38,5 Prozent. In Asien und Afrika dominierte der Ackerbau (79 und 78 Prozent), in Amerika und Ozeanien die Weidehaltung. Nach dem Globalen Assessment des Weltbiodiversitätsrats IPBES gingen zwischen 1980 und 2000 rund 100 Millionen Hektar tropischer Wald verloren.

Das Bild ist vielschichtiger als der Blick auf Großkonzerne. Eine FAO-Folgestudie mit etwa 35.500 Stichproben ordnet 68 Prozent der landwirtschaftlich bedingten Entwaldung kleinbäuerlicher Landwirtschaft zu. In Südamerika entfallen dagegen 30 Prozent auf großflächige Viehhaltung, in Asien 38 Prozent auf großflächigen Anbau, vor allem Ölpalmen.

Eine Studie in Science fand für 2011 bis 2015 in den Tropen 90 bis 99 Prozent landwirtschaftlich getriebene Entwaldung. Aber nur 45 bis 65 Prozent der gerodeten Fläche wurden innerhalb weniger Jahre zu produktiver Landwirtschaft. Lieferkettenregeln allein reichen deshalb wohl nicht.

10,9 Mio. haEntwaldung pro Jahr zwischen 2015 und 2025, nach der FAO
489 Mio. haseit 1990 durch Entwaldung verlorene Waldfläche
5.731 km²Entwaldung in der brasilianischen Amazônia Legal 2025, 12,07 Prozent weniger als 2024

Folgen für Klima, Artenvielfalt und Menschen

Die FAO beziffert den Kohlenstoffvorrat der Wälder auf 714 Gigatonnen, davon 46 Prozent im Boden. Land- und Forstwirtschaft einschließlich Landnutzungsänderungen verursachten nach dem IPCC zwischen 2010 und 2019 etwa 13 bis 21 Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen, je nach Berechnung. Das technische Minderungspotenzial durch weniger Entwaldung und Waldschädigung beziffert der IPCC auf 4,5 Gigatonnen CO₂ pro Jahr bis 2050, davon 3,4 unter 100 US-Dollar pro Tonne (mittleres Vertrauen).

Die IPBES stellt Veränderungen der Land- und Meeresnutzung an die erste Stelle der direkten Treiber des Naturverlusts. Mehr dazu in den Einträgen zu Biodiversität, zum Artensterben und zum Ökosystem.

Beim Amazonas schätzt eine Analyse in Nature, dass bis 2050 zwischen 10 und 47 Prozent der Wälder mehreren Belastungen zugleich ausgesetzt sein könnten, etwa Erwärmung, Dürre, Entwaldung und Feuer. Das könnte unerwartete Ökosystemveränderungen auslösen. In Brasilien zählt das Institut INPE die Entwaldung in der Amazônia Legal, den neun Bundesstaaten der Region, jährlich nach: 5.731 Quadratkilometer von August 2024 bis Juli 2025, 12,07 Prozent weniger als im Vorjahr mit 6.518. Erfasst werden Flächen ab 6,25 Hektar, und die Zahl gilt nicht für das gesamte Amazonasbecken.

Konsum, Handel und Gerechtigkeit

Eine Studie in Global Environmental Change führt für 2010 bis 2014 Emissionen von etwa 2,6 Gigatonnen CO₂ pro Jahr auf die Ausweitung von Landwirtschaft und Plantagen in tropische Wälder zurück. Rinder und Ölsaatenprodukte verursachten mehr als die Hälfte. Je nach Handelsmodell waren 29 bis 39 Prozent dieser Emissionen durch internationalen Handel bedingt. Rund 15 Prozent des CO₂-Fußabdrucks der Ernährung in EU-Ländern entfallen auf Entwaldung.

Damit berührt das Thema die Klimagerechtigkeit: Wer profitiert von den Produkten, und wer trägt die Folgen? Die EU-Verordnung verweist auf Berichte von 2020, wonach Menschen, die Umweltrechte verteidigen, oft verfolgt und tödlich angegriffen werden, überproportional häufig indigene Völker, und über zwei Drittel der Opfer sich für den Schutz der Wälder eingesetzt hatten.

Wo Wälder weichen, geht es selten nur um Bäume: Es geht um Land, Nachfrage und die Frage, wer die Kosten der Rodung trägt.

Kerngedanke

Was die EU dagegen tut

Die EUDR gilt für Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja und Holz sowie daraus hergestellte Erzeugnisse. Sie verlangt, dass diese Produkte entwaldungsfrei sind, im Erzeugerland rechtmäßig erzeugt wurden und eine Sorgfaltserklärung vorliegt. Entwaldungsfrei heißt: Die Flächen dürfen nach dem 31. Dezember 2020 nicht entwaldet worden sein, bei Holz darf es nach diesem Stichtag keine Waldschädigung gegeben haben.

Die EU änderte die Verordnung im Dezember 2024 und im Dezember 2025 und führte dabei Vereinfachungen ein. Nach der Europäischen Kommission gilt sie für große und mittlere Unternehmen ab dem 30. Dezember 2026, für Kleinst- und Kleinunternehmen ab dem 30. Juni 2027. Verwandt ist die Lieferkettensorgfaltspflicht.

Grenzen und was der Begriff nicht sagt

Die EUDR erfasst nur bestimmte Rohstoffe und nur die Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen, nicht etwa für Bergbau oder Siedlungen. Entwaldung beschreibt eine Veränderung der Landnutzung, keine Aussage darüber, wer schuld ist. Auch ein Rückgang der Rate heißt nicht, dass das Problem gelöst ist. Zwischen 2015 und 2025 gingen noch immer 10,9 Millionen Hektar pro Jahr verloren. Zur Wiederherstellung siehe Renaturierung.

Was du tun kannst

  1. Prüfe bei Produkten mit Rind, Soja, Palmöl, Kakao, Kaffee, Kautschuk oder Holz, ob Hersteller Angaben zur Herkunft machen.
  2. Frage bei Einkäufen für Verein, Betrieb oder Verwaltung nach entwaldungsfreien Lieferketten.
  3. Informiere dich über die Anwendungstermine der EUDR und frage bei politischen Entscheidungen nach, wie kleine Erzeuger beteiligt werden.

Quellen: FAO (2025): Global Forest Resources Assessment 2025 (PDF gelesen) / FAO (2022): FRA 2020 Remote Sensing Survey (PDF gelesen) / Branthomme et al. (2023): Large-scale and small-scale farming and deforestation, FAO (PDF gelesen) / Pendrill et al. (2022), Science 377 (Zusammenfassung) / Pendrill et al. (2019), Global Environmental Change 56 (Zusammenfassung) / Flores et al. (2024), Nature 626 (Zusammenfassung) / IPCC (2022): AR6 WG III, Kapitel 7 (PDF gelesen) / IPBES (2019): Medienmitteilung zum Globalen Assessment / INPE: PRODES-Rate 2025 / INPE (2025): Nota técnica PRODES / Verordnung (EU) 2023/1115 (EUDR), Artikel 1 bis 3, Erwägungsgründe 1, 2, 7 und 8 / Europäische Kommission: EUDR, Anwendungstermine (abgerufen 15.10.2026)

Wie viel CO₂ intakte Ökosysteme binden können, zeigt sich nicht nur bei Wäldern: Moore retten: Warum Torfböden mehr CO₂ speichern als alle Wälder zusammen.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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