Klima & Erde

Klimastreik

Klimastreik einfach erklärt: Was Fridays for Future ist, wie viele Menschen mitmachten, was Studien zeigen und was rechtlich gilt.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 17.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Protest für mehr Klimaschutz, bei dem vor allem Schülerinnen und Schüler während der Unterrichtszeit demonstrieren
Bekannteste Bewegung
Fridays for Future (FFF), gestartet im August 2018 in Stockholm
Rechtlich
Demonstrieren schützt Artikel 8 Grundgesetz, unentschuldigtes Fehlen in der Schule kann eine Ordnungswidrigkeit sein
Zahlen
Teilnehmendenzahlen sind meist Veranstalterangaben oder Schätzungen und weichen je nach Quelle ab

Einfach erklärt

Ein Klimastreik ist ein organisierter Protest für mehr Klimaschutz, bei dem Menschen Schule, Uni oder Arbeit verlassen, um auf der Straße zu demonstrieren. Die bekannteste Bewegung dahinter ist Fridays for Future (FFF). Am Freitag, dem 20. August 2018, setzte sich Greta Thunberg mit ihrem Schild vor das schwedische Parlament (ipb 2022). Zunächst saß sie dort an jedem Schultag, später jeden Freitag, und Schülerinnen und Schüler weltweit schlossen sich an (Fridays for Future).

Der Name „Streik“ ist ein politisches Bild. Im Rechtssinn ist ein Streik ein Arbeitskampf, mehr dazu steht im Eintrag zum Streikrecht. Beim Schulstreik geht es dagegen um politischen Druck auf Regierungen, nicht um Arbeitsbedingungen. Als Veranstaltung ist ein Klimastreik eine Demonstration und fällt damit unter die Versammlungsfreiheit.

Merke

Zahlen zu Klimastreiks sind fast immer Angaben der Veranstalter oder Schätzungen. Wer sie weitergibt, sollte die Quelle und das Zeitfenster (ein Tag oder eine Woche) dazusagen.


Ausführlich erklärt

Wie viele Menschen mitmachten

Die Größe der Streiks hängt stark davon ab, wer zählt und welchen Zeitraum er meint. Am 15. März 2019 fanden Demonstrationen in 98 Ländern und an 1.325 Orten statt (ipb). Die Forschenden um Wahlström et al. (2019) nennen für diesen Tag mehr als 1,6 Millionen Teilnehmende weltweit, der IPCC schreibt von mehr als einer Million (IPCC (2022), Kapitel 13).

Für die Aktionswoche vom 20. bis 27. September 2019 melden die Veranstalter 7,6 Millionen Teilnehmende in 185 Ländern (de Moor et al. (2020)). Der IPCC nennt für denselben Zeitraum rund sechs Millionen als Schätzung (IPCC (2022), Kapitel 13). Für Deutschland führen de Moor et al. (2020) etwa 300.000 Teilnehmende im März und 1,4 Millionen im September an, letzteres nach Angaben von 350.org, in Berlin schätzten die Veranstalter 270.000. Diese Zahlen sind keine amtlichen Zählungen. Eine häufig genannte Zahl von vier Millionen an einem einzigen Tag lässt sich in diesen Quellen nicht belegen.

7,6 MillionenTeilnehmende meldeten die Veranstalter für die Aktionswoche vom 20. bis 27. September 2019
21 auf 28Jahre stieg das mittlere Alter der Befragten zwischen März und September 2019
66,4 Prozentder befragten Schülerinnen und Schüler im März 2019 waren weiblich

Wer auf die Straße ging

Befragungen von Demonstrierenden liefern ein genaueres Bild als Schätzungen der Menge. Wahlström et al. (2019) befragten am 15. März 2019 Teilnehmende in 13 Städten in neun europäischen Ländern. Die Gruppe der 14- bis 19-Jährigen war mit durchschnittlich 45 Prozent die größte, das mittlere Alter lag bei 21 Jahren. Unter den Schülerinnen und Schülern waren 66,4 Prozent weiblich. Im Schnitt 38 Prozent dieser Gruppe demonstrierten zum ersten Mal, und 45 Prozent stimmten zu, dass Greta Thunberg ihre Entscheidung mitgeprägt habe. Für Berlin und Bremen kommen Sommer et al. (2019) zu einem ähnlichen Bild: junge, gut gebildete Menschen und überraschend viele junge Frauen.

Im September 2019 riefen die Veranstalter ausdrücklich auch Erwachsene auf. de Moor et al. (2020) befragten in 19 Städten weltweit: Das mittlere Alter stieg auf 28 Jahre, der Anteil der 14- bis 19-Jährigen sank auf 31 Prozent, und 59 Prozent der Befragten waren weiblich, unter den unter 19-Jährigen etwa 72 Prozent. Deutschland war mit 47 Prozent Frauen eines von zwei Ländern unter 50 Prozent. Die Befragung ließ auch eine Antwort „anderes Geschlecht“ zu, die je nach Stadt bis zu 5 Prozent wählten. Trans Männer, nichtbinäre und andere geschlechtlich vielfältige Personen werden in den Studien also kaum getrennt ausgewiesen. Mehr zu diesen Begriffen steht im Eintrag zu Geschlechtsidentität.

Die Teilnehmenden waren überwiegend hoch gebildet: In vielen Ländern hatten über 70 Prozent der Erwachsenen einen Hochschulabschluss (de Moor et al. (2020)). Die Studien beruhen zudem auf Städten des Globalen Nordens (de Moor et al. 2022) und sagen über Klimastreiks im Globalen Süden wenig.

Was die Demonstrierenden wollten

Fridays for Future fordert global, die Erwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen und Klimagerechtigkeit zu sichern (Fridays for Future). Die deutsche Gruppe nennt Netto-Null-Emissionen bis 2035 und den Kohleausstieg bis 2030 (FFF Deutschland). Die Befragten selbst waren laut Wahlström et al. (2019) eher besorgt und wütend als hoffnungslos, Schülerinnen und Schüler häufiger ängstlich als Erwachsene. Das passt zum Thema Klimaangst. 98 Prozent stimmten zu, dass Politikerinnen und Politiker ihr Versprechen zum Stopp der Erderwärmung einlösen müssen, aber nur etwa 8 Prozent der Erwachsenen und 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler glaubten stark, dass Regierungen die Umweltprobleme lösen werden.

Fridays for Future spricht in Aktionsaufrufen seit 2020 von den „Most Affected People and Areas“ (MAPA), also den am stärksten betroffenen Menschen und Regionen, und fordert, an ihrer Seite zu kämpfen statt für sie (Fridays for Future). Dort geht es um Klimagerechtigkeit und Klimarassismus, aber auch um Rassismus und andere Machtverhältnisse im Sinne der Intersektionalität.

Ein Klimastreik erzeugt Aufmerksamkeit, ob daraus Politik wird, entscheidet sich an anderen Stellen.

Kerngedanke

Was Klimastreiks bewirkt haben

Belegt ist vor allem Aufmerksamkeit. Sisco et al. (2021) werteten Internetsuchen zum Klima in 46 Ländern von 2015 bis 2019 aus und fanden, dass Klimamärsche die Suche nach Informationen stärker steigerten als UN-Klimakonferenzen oder Temperaturabweichungen, vermittelt auch über die Berichterstattung. Der IPCC hält fest, dass Klimastreiks Jugendlichen in mehr als 180 Ländern eine Stimme gegeben haben und dass kollektives Handeln den Spielraum für Klimapolitik verschieben kann (hohe Sicherheit, IPCC (2022), Kapitel 5). Zugleich schreibt er, politische Folgen und Wirkungen auf Emissionen seien noch nicht vollständig verstanden (IPCC (2022), Kapitel 13). Ein Beleg, dass Klimastreiks einzelne Gesetze ausgelöst haben, ist das nicht.

Was die Belege nicht sagen

Befragungen beschreiben Teilnehmende, keine Wirkung. Suchanfragen zeigen Interesse, keine Politikänderung. Auch die Veranstalterzahlen belegen Mobilisierung, nicht Zustimmung der Bevölkerung.

Was rechtlich gilt

Artikel 8 Grundgesetz sichert allen Deutschen das Recht zu, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln; für Versammlungen unter freiem Himmel kann es durch Gesetz beschränkt werden (GG Art. 8). Der Artikel nennt ausdrücklich Deutsche. Wie Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit geschützt sind, wurde hier nicht geprüft. Streik im engeren Sinn betrifft Artikel 9 Absatz 3, der Vereinigungen zur Wahrung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen schützt (GG Art. 9). Ein Schulstreik für das Klima fällt nicht darunter.

Ob Schülerinnen und Schüler dafür den Unterricht verlassen dürfen, regeln die Länder. In Nordrhein-Westfalen sind die Eltern verantwortlich, dass ihr Kind am Unterricht und an verbindlichen Veranstaltungen regelmäßig teilnimmt (§ 41 Absatz 1 Schulgesetz NRW). Nach § 126 Absatz 1 handelt ordnungswidrig, wer als Elternteil nicht dafür sorgt, ebenso Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren, die ihre Schulpflicht nicht erfüllen; verfolgt wird das von den Schulaufsichtsbehörden (Schulgesetz NRW). Eine Ausnahme für Demonstrationen steht in diesen Paragrafen nicht. Das Gesetz legt für diese Fälle keinen eigenen Höchstbetrag fest, damit gilt der Rahmen von fünf bis tausend Euro nach § 17 Ordnungswidrigkeitengesetz. Schülerinnen und Schüler dürfen ihre Meinung in der Schule frei äußern (§ 45 Schulgesetz NRW), dieses Recht regelt aber nicht das Fernbleiben vom Unterricht. Andere Länder haben eigene Schulgesetze, die hier nicht geprüft wurden. Mehr zur Abgrenzung steht im Eintrag zu zivilem Ungehorsam.

Quellen: Wahlström et al. (2019), Protest for a future (Befragung 15. März 2019) / de Moor et al. (2020), Protest for a future II (Befragung 20. bis 27. September 2019) / Sommer et al. (2019), ipb working paper II.2019 / ipb (2022), Ein Jahr Fridays for Future / ipb, Befragung Fridays for Future 2019 / IPCC (2022), AR6 WGIII, Kapitel 13, Box 13.7 / IPCC (2022), AR6 WGIII, Kapitel 5 / Sisco et al. (2021), Journal of Environmental Psychology 75 / de Moor et al. (2022), Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change 27 / Fridays for Future, Who we are / Fridays for Future Deutschland, Forderungen / Fridays for Future, Aktionsaufrufe mit MAPA / Grundgesetz, Artikel 8 / Grundgesetz, Artikel 9 / Schulgesetz NRW, §§ 34, 41, 45, 126 / Ordnungswidrigkeitengesetz, § 17


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Wer die Folgen der Klimakrise am stärksten spürt, ist selten Zufall: Hitze trifft nicht alle gleich: Warum chronisch Kranke, Ältere und Menschen in Armut besonders leiden.

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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