- Bedeutung
- Wörter, die für Namen oder Personenbezeichnungen stehen, im Deutschen etwa „er“, „sie“ oder „es“
- Wichtig
- Sie zeigen, als wer jemand angesprochen und wahrgenommen wird
- Herausfinden
- Nur von der Person selbst, nicht an Aussehen, Stimme oder Namen ablesbar
- Neopronomen
- Neu geschaffene Pronomen wie „dey“, „xier“, „hen“ oder „en“
- Aktionstag
- International Pronouns Day, 2026 am 21. Oktober
Einfach erklärt
Pronomen sind Wörter, die für Namen oder Personenbezeichnungen stehen, im Deutschen etwa „er“, „sie“ oder „es“. Für viele Personen sind sie mehr als Grammatik, denn sie zeigen, als wer jemand angesprochen und wahrgenommen wird. trans* Männer verwenden meist „er“, trans Frauen meist „sie“. Nicht binäre Personen wählen sehr unterschiedlich: „sie“, „er“, eine Kombination wie „sie/they“, ausschließlich den Namen ohne Pronomen oder ein Neopronomen. Manche nutzen mehrere Pronomen nebeneinander oder wechseln je nach Situation. Welches Pronomen jemand verwendet, lässt sich nicht an Aussehen, Stimme oder Namen ablesen, sondern nur von der Person selbst erfahren.
Neopronomen sind neu geschaffene Pronomen wie „dey“, „xier“, „hen“ oder „en“. Sie sind eine Möglichkeit, eine Person weder mit „er“ noch mit „sie“ zu bezeichnen, denn das Deutsche kennt dafür keine allgemein etablierte geschlechtsneutrale Form. Im Satz werden sie wie andere Pronomen verwendet und dekliniert, also je nach Satzstellung angepasst: „Dey hat angerufen, ich habe denen zurückgeschrieben.“
Das gewählte Pronomen zu benutzen gehört zur respektvollen Anrede. Wird es wiederholt ignoriert, obwohl es bekannt ist, spricht man von Misgendering, was für Betroffene belastend und verletzend sein kann. Einzelne Fehler passieren: Sie kurz zu korrigieren und es danach richtig zu machen, reicht in der Regel aus. Auf das Thema macht jedes Jahr am dritten Mittwoch im Oktober der International Pronouns Day aufmerksam, 2026 am 21. Oktober.
Ausführlich erklärt
Pronomen im Deutschen und die Frage nach der neutralen Form
Im Deutschen richten sich Pronomen nach dem grammatischen Geschlecht: „er“ steht für männliche, „sie“ für weibliche, „es“ für sächliche Bezeichnungen. Für Personen bedeutet das, dass im Alltag fast immer zwischen „er“ und „sie“ gewählt wird. Das Neutrum „es“ ist zwar gebräuchlich, wird auf Menschen bezogen aber oft als versächlichend empfunden. Die Community-Plattform pronouns.page rät deshalb, es nur zu verwenden, wenn die Person es ausdrücklich wünscht. Entscheidend ist die Selbstbezeichnung: Pronomen lassen sich nicht aus Aussehen, Stimme oder Namen ableiten, sie gehören zur Genderidentität einer Person. Das gilt auch für inter Personen: Intergeschlechtlichkeit beschreibt Körpermerkmale, welches Pronomen jemand nutzt, bestimmt die Person selbst. Bei genderfluiden Personen kann sich das Pronomen zudem mit der Zeit oder je nach Situation ändern.
Pronomen zu klären betrifft nicht nur nicht binäre Personen. Eine US-Befragung des Trevor Project unter 12.174 trans Jugendlichen zwischen 13 und 24 Jahren, zu denen auch nicht binäre Jugendliche zählen, zeigt, wie unterschiedlich die Wege sind: 32 Prozent nutzten ausschließlich „he/him“ oder „she/her“, 26 Prozent eine Kombination aus binären und nicht binären Pronomen wie „he/they“, 15 Prozent „they/them“, 17 Prozent „alle oder beliebige Pronomen“ und 10 Prozent ein anderes Pronomen. Bei den anderen Pronomen wurden am häufigsten „it/its“ sowie Varianten von „xe/xi“ und „ze/zi“ genannt, einzelne Befragte wünschten gar kein Pronomen, sondern nur die Anrede mit dem Namen.
Die Zahlen stammen aus den USA und beziehen sich auf das Englische, sie lassen sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, zeigen aber die Bandbreite. Auch für trans Männer und trans Frauen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass „er“ und „sie“ respektiert werden, wie der Abschnitt zum Respekt im Alltag zeigt.
Von Gendern, also der geschlechtergerechten Schreibweise von Personenbezeichnungen, unterscheiden sich Pronomen: Beim Gendern geht es um Gruppen und allgemeine Bezeichnungen, bei Pronomen um die Anrede einer konkreten Person.
Neopronomen wie dey, xier, hen und en: Formen, Herkunft und Beispiele
Neopronomen sind Pronomen, die bewusst neu geschaffen wurden, weil „er“, „sie“ und „es“ nicht für alle Personen passen. Die Plattform pronouns.page unterscheidet unter anderem Neopronomen, die durch Verschmelzung binärer Pronomen entstehen (zum Beispiel „sier“, „xier“ oder „ersie“), und solche mit neuem Wortstamm (zum Beispiel „hen“ oder „en“). Dazu kommen Anpassungen des englischen „they“ wie „dey“. Vier häufig genannte Beispiele mit ihren Formen in der Reihenfolge Nominativ, Possessiv, Dativ und Akkusativ:
- dey: dey, deren, denen, dey (im Akkusativ ist auch „dem“ oder „demm“ gebräuchlich)
- xier: xier, xies, xiem, xien
- hen: hen, hens, hem, hen
- en: en, enses, en, en
In Sätzen sieht das zum Beispiel so aus: „Xier hat angerufen. Ich habe xiem zurückgeschrieben, und xies Antwort kam sofort.“ Das Verb steht dabei, wie in den Beispielsätzen von pronouns.page, im Singular („dey liest“, „hen liest“).
„Hen“ stammt aus dem Schwedischen: Die Schwedische Akademie nahm das Wort 2015 in die 14. Ausgabe ihrer Wortliste Svenska Akademiens ordlista (SAOL) auf. Sven-Göran Malmgren, in der Redaktion der SAOL 14 federführend, erklärte damals im Sveriges Radio, man müsse es nicht selbst verwenden, das Wort sei aber verbreitet und erfülle einen Bedarf. „En“ wurde laut pronouns.page vom österreichischen LGBTIQA+-Kongress 2018 in St. Pölten vorgeschlagen, „dey“ lehnt sich an das englische „they“ an.
Dieses englische „they“ wird für einzelne Personen seit den späten 1300er Jahren verwendet, laut Merriam-Webster zunächst für Personen, deren Geschlecht unbekannt oder unwichtig ist. Den Gebrauch als Pronomen für Personen, die sich weder als männlich noch als weiblich verstehen, nahm das Wörterbuch im September 2019 auf. Die American Psychological Association (APA) erklärte im Oktober 2019 zur 7. Auflage ihres Publication Manuals, des Regelwerks für wissenschaftliches Schreiben, das Singular-„they“ zur guten Praxis. Das gilt auch für bekannte Personen, die „they“ verwenden. Im Englischen steht das Verb dabei im Plural („they are“).
Respekt im Alltag: Anbieten statt erzwingen, Fehler kurz korrigieren
Die Kampagne zum International Pronouns Day und die Website pronouns.org empfehlen, die eigenen Pronomen anzubieten, etwa in der Vorstellungsrunde oder in der E-Mail-Signatur, damit andere nicht raten müssen. Wer selbst nicht von Misgendering betroffen ist, kann so zeigen, dass das Thema selbstverständlich ist, ein Baustein von Allyship. Gefragt wird nach Pronomen als Einladung, nicht als Pflicht: Niemand muss sie nennen, manche möchten nur mit dem Namen angesprochen werden oder nutzen bestimmte Pronomen nur in bestimmten Situationen. Wichtiger als das Teilen der eigenen Pronomen ist laut der Kampagne, die Pronomen anderer zu respektieren.
Wenn ein Fehler passiert
Passiert ein Fehler, rät pronouns.org, ihn kurz zu korrigieren und weiterzusprechen. Eine lange Entschuldigung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Person, die sich geirrt hat, und kann für die betroffene Person unangenehm sein, sofern sie das nicht ausdrücklich wünscht. Ein späteres kurzes Gespräch kann sinnvoll sein. Absichtliches Falschansprechen, etwa um jemanden herabzusetzen, ist nach pronouns.org etwas anderes als ein Versehen und verlangt andere Reaktionen. Verwandt damit ist Deadnaming, die Verwendung des abgelegten Vornamens einer Person.
Wie verbreitet Respekt für Pronomen ist und was er bedeuten kann, untersucht eine Auswertung des Trevor Project vom 10.12.2025: Nur 46 Prozent der befragten trans Jugendlichen gaben an, dass ihre Pronomen von vielen, den meisten oder allen Personen in ihrem Umfeld respektiert werden. Wer ausschließlich binäre Pronomen nutzte, erlebte das häufiger (62 Prozent) als Jugendliche mit einer Kombination aus binären und nicht binären, ausschließlich nicht binären oder anderen Pronomen (38 Prozent). Nach Gruppen waren es bei trans Jungen und Männern 52 Prozent, bei trans Mädchen und Frauen 48 Prozent und bei nicht binären Jugendlichen 37 Prozent. Als mögliche Erklärung nennt die Auswertung, dass Umfeld und Fachpersonen weniger bekannte Pronomen oft nicht kennen und deshalb unabsichtlich falsch ansprechen.
Wer respektierte Pronomen hatte, berichtete zudem seltener von einem Suizidversuch im vergangenen Jahr (11 Prozent gegenüber 17 Prozent). Nach Berücksichtigung demografischer und weiterer Faktoren entspricht das um 31 Prozent niedrigeren Odds (Chancenverhältnissen) für einen Suizidversuch. Die Teilnehmenden wurden über Anzeigen in sozialen Medien gewonnen, die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang, keine nachgewiesene Ursache.
Recht und Einordnung in Deutschland
Der verfassungsrechtliche Ausgangspunkt für nicht binäre Personen im deutschen Recht ist ein Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017 (1 BvR 2019/16): Das allgemeine Persönlichkeitsrecht schützt danach auch die geschlechtliche Identität von Personen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen, und das Grundgesetz verlangt keine ausschließlich binäre Regelung des Personenstands.
Das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG), das seit dem 1. November 2024 gilt, regelt den Geschlechtseintrag und die Vornamen, nicht aber Pronomen oder die Anrede im Alltag: In den §§ 1 bis 15 kommen sie nicht vor. Als Ziel nennt § 1 das Recht jeder Person auf Achtung und respektvolle Behandlung in Bezug auf die Geschlechtsidentität.
Nach § 6 Absatz 1 sind der aktuelle Geschlechtseintrag und die aktuellen Vornamen im Rechtsverkehr maßgeblich, soweit darauf Bezug genommen wird, Vertragsfreiheit und Hausrecht bleiben nach § 6 Absatz 2 unberührt. Wurden Geschlechtseintrag und Vornamen nach dem Gesetz geändert, dürfen die früheren Angaben nach § 13 grundsätzlich nicht ohne Zustimmung offenbart werden, mit gesetzlichen Ausnahmen. Eine absichtlich schädigende Offenbarung kann nach § 14 mit einer Geldbuße von bis zu 10.000 Euro geahndet werden.
Neopronomen sind Sprachpraxis aus queeren Communities und keine amtlich festgelegte Norm. Laut pronouns.page stehen sie (noch) nicht in offiziellen Wörterbüchern, was nach Darstellung der Plattform nichts darüber aussagt, ob sie „falsch“ sind. Wie ein neues Wort in ein Wörterbuch gelangt, beschrieb die SAOL-Redaktion am Beispiel „hen“: Es muss im allgemeinen Gebrauch sein und eine Funktion erfüllen. Ob einzelne Neopronomen im Deutschen langfristig verbreitet bleiben, lässt sich nicht vorhersagen.
Im Alltag genügt eine einfache Regel: Ein Pronomen wird so verwendet, wie die Person es angibt, auch wenn es neu oder ungewohnt ist.
Kerngedanke
Quelle: International Pronouns Day / Pronouns.org: Mistakes / Pronouns.org: Asking / Pronomen.net (pronouns.page) / Merriam-Webster: Singular They / APA Style (2019): Welcome, singular they / Sveriges Radio (2015): Hen in i Svenska Akademiens ordlista / The Trevor Project (2025): Pronoun Usage and Mental Health Impacts of Pronoun Respect in TGNB Young People / Bundesverfassungsgericht (2017): Pressemitteilung Nr. 95/2017 / SBGG §§ 1 bis 15
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