Cissexismus


Kompakt erklärt

Cissexismus bezeichnet die strukturelle Bevorzugung cisgeschlechtlicher Menschen – also Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt – und die damit einhergehende Benachteiligung von trans*, nicht binären und intergeschlechtlichen Menschen. Der Begriff ist präziser als „Transphobie“, weil er nicht auf individuelle Feindseligkeit zielt, sondern auf die gesellschaftliche Struktur: auf Gesetze, Institutionen, Sprache und Normen, die Cisgeschlechtlichkeit als Standard setzen.

Cissexismus zeigt sich zum Beispiel in Formularen, die nur „männlich“ und „weiblich“ kennen, in medizinischen Protokollen, die trans* Körper als Ausnahme behandeln, oder in Alltagssprache, die geschlechtliche Eindeutigkeit voraussetzt. Es geht nicht darum, dass einzelne Personen böse Absichten haben: Systeme sind so gebaut, als ob alle Menschen cisgeschlechtlich wären.


Für Neugierige

Der Begriff wurde maßgeblich durch die Transgender Studies geprägt und ist eng mit Intersektionalität verbunden: Cissexismus verstärkt sich in Kombination mit anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus oder Ableismus. Das soziale Modell, das trans* Menschen als von der Norm abweichend behandelt, basiert auf denselben Mechanismen wie Heteronormativität: Beide setzen eine bestimmte Lebensweise als selbstverständlichen Maßstab und machen andere unsichtbar oder pathologisieren sie.

Rechtlich hat Deutschland mit dem Selbstbestimmungsgesetz (SBGG, 2024) einen Schritt weg vom cissexistischen Modell gemacht, das trans Menschen jahrzehntelang zur psychiatrischen Begutachtung zwang, bevor sie ihren Personenstand ändern durften. Wissenschaftlich ist Cissexismus gut dokumentiert: Trans Menschen berichten in Studien konsistent von strukturellen Barrieren im Gesundheitssystem, auf dem Arbeitsmarkt und im Rechtssystem – mit messbaren Folgen für die psychische und physische Gesundheit.

Quellen: Serano, Julia: Whipping Girl (2007); Bundesverband Trans e.V.: Positionspapiere (2024); Reisner et al. (2016): Structural stigma and daily victimization, Social Science & Medicine; Bundesregierung: Selbstbestimmungsgesetz (2024).*


Verwandte Begriffe: trans* · Heteronormativität · Intersektionalität · Ableismus · Selbstbestimmungsgesetz