Nachhaltigkeit

Unisex-Schnitte

Unisex-Schnitte sollen unabhängig vom Geschlecht passen. Geschichte, Kritik und Studien zu trans und nichtbinären Personen im Überblick.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 16.10.2026
Auf einen Blick

Wortherkunft
Lateinisch unus (einer) und sexus (Geschlecht)
Gemeint
Kleidung, die nicht für ein bestimmtes Geschlecht gestaltet ist
Frühes Beispiel
Rudi Gernreich, Unisex-Kollektion, 1970
Offene Frage
Neutral gedacht, in der Praxis oft männlich geprägt

Einfach erklärt

Unisex-Schnitte sind Kleidungsstücke, die nicht für ein bestimmtes Geschlecht gestaltet sind und unabhängig vom Geschlecht der tragenden Person getragen werden sollen. Das Wort setzt sich aus dem lateinischen unus (einer) und sexus (Geschlecht) zusammen. Im Handel sind es meist gerade, weite Schnitte ohne betonte Taille, etwa Jogginghosen, Jeans, T-Shirts und Pullover. Das beobachtete die Plattform queer.de 2024.

Für nichtbinäre und trans Personen kann das eine Erleichterung sein. Befragte trans Personen wünschten sich in einer Studie von Nelson und Hwang (2021) unter anderem Kleidung, die das eigene Geschlecht bestätigt, nicht einengt und nicht an eine Männer- oder Frauenabteilung gebunden ist. Auch cis Personen, die Kleidung jenseits der Abteilungen suchen, greifen zu Unisex-Schnitten.

Merke

Unisex heißt nicht automatisch geschlechtsneutral. Wenn Unisex im Laden vor allem Männerkleidung in gedeckten Farben bedeutet, bleibt die Trennung in zwei Welten bestehen.


Ausführlich erklärt

Wie Kleidung geschlechtlich wurde

Dass Kleidung in zwei Abteilungen getrennt ist, hat eine Geschichte. Ein eigens für Männer geschnittenes, körpernahes Obergewand, das Wams (englisch doublet), trugen Männer in Europa nach dem Fachbuch von Karen Baclawski vom 14. Jahrhundert bis etwa 1670. Frühe Wämser waren eng, an der Taille eingezogen und sollten die Figur des Mannes betonen. Das beschreibt die Fashion History Timeline des Fashion Institute of Technology (FIT) in New York.

Zeitweise wurde die Trennung sogar polizeilich durchgesetzt. Am 7. November 1800 erließ der Pariser Polizeipräfekt Dubois die Verordnung Nr. 22 über das Verkleiden von Frauen. Eine Frau, die sich wie ein Mann kleiden wollte, brauchte danach die Erlaubnis der Polizeipräfektur. Laut einer Anfrage im französischen Senat lockerten zwei Rundschreiben von 1892 und 1909 die Regel: Hosen waren erlaubt, wenn die Frau einen Fahrradlenker oder Zügel in der Hand hielt. Das zuständige Ministerium für Frauenrechte antwortete am 31. Januar 2013, die Verordnung habe vor allem den Zugang von Frauen zu bestimmten Berufen und Aufgaben begrenzen sollen. Sie widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz und gelte als stillschweigend aufgehoben, sie sei nur noch ein Archivstück der Pariser Polizeipräfektur.

1800Paris verlangt von Frauen in Männerkleidung eine polizeiliche Erlaubnis
1970Rudi Gernreich zeigt seine Unisex-Kollektion auf der Expo 70 in Osaka
2013Frankreichs Frauenministerium erklärt die Verordnung für stillschweigend aufgehoben

Von Gernreich bis Harry Styles

Der Designer Rudi Gernreich führte Anfang 1970 den Unisex-Look ein, Kleidung für den wechselnden Gebrauch durch Männer und Frauen. Seine Unisex-Kollektion zeigte er auf der Weltausstellung Expo 70 in Osaka. Für die Fotos trugen ein Mann und eine Frau identische Stücke und waren am ganzen Körper rasiert, damit Geschlechtsmerkmale nicht ablenkten. Gernreich setzte auf weite Schnitte und auffällige Muster, die den Körper eher abstrahieren als betonen. Das schreibt die FIT-Timeline mit Verweis auf das Museum des Fashion Institute of Design and Merchandising in Los Angeles.

Eine andere Richtung nahm Yves Saint Laurent. Das Musée Yves Saint Laurent Paris führt „Le premier smoking“ für 1966 und „Le premier tailleur-pantalon“ für 1967 in seiner Chronik. Das war Männergarderobe für Frauen, also Aneignung in eine Richtung und noch kein Unisex.

Ein Beispiel der jüngeren Zeit ist die Dezemberausgabe 2020 der amerikanischen Vogue. Harry Styles war dort laut CNN der erste Mann allein auf dem Cover, in einem Kleid von Gucci mit Smokingjacke. Er sagte der Zeitschrift, wenn die Trennung in Männer- und Frauenkleidung wegfalle, öffne sich ein größerer Spielraum. Das sagt aber nichts über seine Geschlechtsidentität. Was jemand trägt, zeigt nicht automatisch, wie die Person sich geschlechtlich versteht.

Warum Unisex oft nicht neutral ist

Die Kritik an der Praxis ist alt und bleibt aktuell. Queer.de beschrieb 2024, dass Online-Shops Mode meist nur nach „männlich“ und „weiblich“ filtern, dass Unisex-Ware häufig grau und eher maskulin wirkt und dass bunte Kleider oder Handtaschen in Unisex-Kategorien kaum vorkommen. Frauen könnten zwar maskuline Kleidung tragen, für Männer ändere sich aber wenig. Röcke und Kleider für Männer seien bei den Labels noch nicht angekommen.

Das passt zu Mustern der Misogynie, also der Abwertung von Weiblichkeit: Was als männlich gilt, gilt als neutral, was als weiblich gilt, bleibt Ausnahme. Das ist eine Deutung, kein Messergebnis. Eine systematische Marktuntersuchung zu Unisex-Sortimenten habe ich nicht gefunden. Die Beobachtung stützt sich auf einen journalistischen Beitrag.

Was Studien zu trans und nichtbinären Personen zeigen

Mehrere kleine Studien befragten trans und nichtbinäre Personen zu Kleidung und Einkauf:

  • Nelson und Hwang (2021) untersuchten die Erfahrungen und Bedürfnisse trans Konsumierender. Vier Themen traten hervor: Ladenaufbau und Umgang des Personals, Kleidung, die Rolle und Selbstwert stärkt, nicht einengender Sitz und Kompression sowie das Interesse an androgynen Stilen.
  • Jones, Strübel und Lim (2023) fragten mit Ethnografie und Befragung, wie das Einkaufen die Genderdysphorie verstärken oder lindern kann. Sie fanden vier Themen: geschlechtlich getrennte Kleidung, positive Erfahrungen, Körper, Passform und Größen sowie Zugang zu Kleidung.
  • Carbone (2021) führte in Toronto Interviews, bei denen sie Betroffene beim Einkaufen begleitete. Ihr Fazit: Die Mode beruhe auf dem Geschlechtergegensatz und schließe trans Personen und gender-nonkonforme cis Personen aus.
  • Mumford (2026) wertete in einer Doktorarbeit 24 Interviews mit nichtbinären Erwachsenen und Kleidungstagebücher von 16 Teilnehmenden aus, die vier Wochen lang geführt wurden. Kleidung sei ein zentrales Mittel, um zu steuern, wie der eigene Körper gelesen wird. Sie könne das Gefühl, falsch erkannt zu werden, und die Dysphorie lindern, aber auch verstärken. Teilnehmende setzten Kleidung taktisch ein, um Sicherheit, Komfort und Echtheit abzuwägen.

Grenzen der Studienlage

Alle vier Arbeiten sind qualitativ und arbeiten mit kleinen Gruppen. Sie sagen etwas darüber, wie Betroffene Erfahrungen deuten, aber nichts über Häufigkeiten. Die Zusammenfassungen schlüsseln nicht auf, wie sich Erfahrungen von trans Männern, trans Frauen und nichtbinären Personen unterscheiden. Nur Mumford untersucht ausschließlich nichtbinäre Personen. Die Quellen stammen aus englischsprachigen Ländern, für Deutschland fehlen vergleichbare Studien in dieser Recherche.

Worauf du beim Kauf achten kannst

Das Etikett Unisex sagt wenig über den Sitz. Hilfreich ist ein Blick in die Maßtabelle: Brust-, Taillen- und Hüftweite sowie die Schnittbeschreibung (gerade, tailliert, oversized) zeigen, ob ein Stück zu deinem Körper passt. Wer mit einem Teil nicht sicher ist, bestellt zwei Größen und schickt eine zurück. Für Körper, die wegen einer Behinderung andere Anforderungen an Schnitt und Verschlüsse haben, gibt es adaptive Mode, die Unisex-Schnitte ergänzt, aber nicht ersetzt.

Quellen: queer.de (14.08.2024): Welche Bedeutung hat Unisex-Mode? / FIT Fashion History Timeline: doublet / Sénat: Question écrite n° 00692, Abrogation de l’interdiction du port du pantalon pour les femmes (Antwort vom 31.01.2013) / FIT Fashion History Timeline: 1970, Rudi Gernreich, Caftan / FIDM Museum: Rudi Gernreich / Musée Yves Saint Laurent Paris: Biographie / CNN: Harry Styles becomes Vogue’s first-ever solo male cover star / Variety: Harry Styles Vogue cover / Nelson und Hwang (2021): The queering of the apparel industry, Fashion, Style and Popular Culture / Jones, Strübel und Lim (2023): I just want a shirt that will fit me!, Fashion, Style and Popular Culture / Carbone (2021): Trans inclusivity in fashion retail, Clothing Cultures / Mumford (2026): Dressing non-binary, Doktorarbeit, Kingston University London


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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