Unisex-Schnitte


Kompakt erklärt

Unisex-Schnitte sind Kleidungsstücke, die bewusst nicht als „für Männer“ oder „für Frauen“ gestaltet sind, sondern unabhängig vom Geschlecht der tragenden Person passen sollen. Typische Merkmale sind gerade Silhouetten, neutrale Farben und der Verzicht auf stark geschlechtscodierte Details wie Rüschen oder betont breite Schultern.

Bis ins 14. Jahrhundert war Kleidung in Europa kaum geschlechtsspezifisch geschnitten, erst danach setzte sich die Trennung durch, und selbst der Rock wurde erst im 18. Jahrhundert eindeutig als „weiblich“ definiert. Die Frauenbewegung nutzte im 20. Jahrhundert Hosen bewusst als Protest gegen diese Zuschreibungen. Für Nichtbinäre und trans* Menschen bieten Unisex-Schnitte heute die Möglichkeit, Kleidung zu finden, die nicht ständig eine Geschlechtszugehörigkeit einfordert, die nicht zur eigenen Identität passt.


Für Neugierige

Auch wenn Unisex-Mode seit den 1960er-Jahren immer wieder Modewellen erlebt hat, etwa durch Designer*innen wie Jean-Paul Gaultier oder in jüngerer Zeit durch prominente Persönlichkeiten, die geschlechtsneutrale Looks tragen, bleibt der Mainstream oft einseitig: Genderneutral bedeutet in der Praxis meist „maskulin verstärkt feminin“, während bunte, verspielte oder als „feminin“ gelesene Kleidung für Männer weiterhin ein Nischenphänomen ist. Kritiker*innen sehen darin, dass gesellschaftliche Abwertung von Weiblichkeit sich auch in der Modeindustrie fortsetzt.

Für viele queere Menschen ist die Frage nach Unisex-Schnitten deshalb nicht nur ästhetisch, sondern politisch: Passende, bezahlbare Kleidung zu finden, die weder unangenehm eng auf ein zugewiesenes Geschlecht verweist noch ständig erklärungsbedürftig macht, ist ein kleiner, aber alltäglich spürbarer Teil von Genderidentität und Selbstbestimmung.

Quelle: queer.de: Welche Bedeutung hat Unisex-Mode?


Verwandte Begriffe: Genderidentität · Nichtbinär · trans* · Genderneutrale Mode · Adaptive Mode




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