Genderidentität


Einfach erklärt

Genderidentität (auch: Geschlechtsidentität) bezeichnet das tief empfundene innere Gefühl, zu einem Geschlecht zu gehören, zu keinem oder zu mehreren. Sie beschreibt, wie eine Person sich selbst als geschlechtliches Individuum wahrnimmt, und ist von anderen Dimensionen des Geschlechts zu unterscheiden: Das biologische Geschlecht bezieht sich auf Chromosomen, Hormone und Geschlechtsmerkmale. Der Geschlechtsausdruck beschreibt, wie jemand Geschlecht nach außen zeigt: durch Kleidung, Verhalten, Sprache. Der juristische Geschlechtseintrag ist das, was in Dokumenten steht.

Genderidentität ist keiner dieser Faktoren, sondern etwas Eigenes. Sie kann dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht entsprechen (cisgeschlechtlich) oder davon abweichen: trans*, nichtbinär, genderfluid, genderqueer und viele weitere Identitäten.

Neurowissenschaftliche Befunde zeigen, dass relevante Gehirnstrukturen von trans Personen eher denen ihres selbst erlebten Geschlechts entsprechen als dem zugewiesenen. Diese Befunde stützen, was viele trans Menschen beschreiben: Genderidentität ist kein Wille und keine Entscheidung.


Ausführlich erklärt

Die gesellschaftliche Annahme, dass Genderidentität automatisch aus biologischen Merkmalen folgt, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Aktuelle Forschung geht von einer multifaktoriellen Entwicklung aus: biologische, psychologische und soziale Faktoren wirken zusammen, ohne dass einer davon allein bestimmend wäre.

Bis 2022 wurde die Abweichung zwischen Genderidentität und zugewiesenem Geschlecht in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) unter psychischen Störungen geführt. Mit der ICD-11 (gültig ab 1. Januar 2022) verlagerte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kategorie „Geschlechtsinkongruenz“ aus dem Kapitel psychischer Erkrankungen heraus. Eine nicht-cis-geschlechtliche Identität gilt nach aktuellem medizinischen Standard nicht als Erkrankung.

Genderdysphorie und Genderidentität werden oft verwechselt: Genderidentität beschreibt, wer jemand ist. Genderdysphorie beschreibt das Leiden, das entstehen kann, wenn die Umgebung diese Identität nicht anerkennt.

Quellen: Gesundheitsportal Österreich: Geschlechtervielfalt – Trans- und Intergeschlechtlichkeit. / LSVD (2023): Was bedeutet LSBTIQ? Glossar der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt. / WHO: ICD-11, Kapitel HA60 – Geschlechtsinkongruenz.*


Verwandte Begriffe: Genderdysphorie · Genderfluid · Nichtbinär · trans* · Pronomen




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