Allyship


Kompakt erklärt

Allyship bezeichnet die aktive Solidarität von Menschen mit gesellschaftlichen Privilegien gegenüber marginalisierten Gruppen. Eine Person, die Allyship praktiziert, nutzt ihren gesellschaftlichen Vorteil, um anderen Zugang, Sichtbarkeit oder Schutz zu verschaffen, auch wenn sie selbst nicht betroffen ist.

Konkret bedeutet das zum Beispiel: Eine weiße Person, die rassistische Aussagen in ihrem Umfeld aktiv anspricht. Eine cis-Person, die trans* Personen in Räumen unterstützt, in denen Anfeindungen möglich sind. Eine nicht-behinderte Person, die für barrierefreie Veranstaltungen eintritt.

Allyship ist keine Eigenschaft, sondern ein Verhalten. Es geht nicht darum, sich als Verbündete zu bezeichnen, sondern so zu handeln.


Für Neugierige

In der wissenschaftlichen Literatur wird zwischen passiver Sympathie und aktivem Allyship unterschieden. Passives Allyship bedeutet, Diskriminierung grundsätzlich abzulehnen. Aktives Allyship bedeutet, bei konkreten Vorfällen einzugreifen, auch wenn das soziale Kosten hat.

Forschungen zu Intergruppen-Allyship zeigen, dass wirksame Solidarität drei Elemente braucht: das Bewusstsein für eigene Privilegien, die Bereitschaft zuzuhören statt zu erklären und konkrete Handlungsschritte. Wer nur dann aktiv wird, wenn er oder sie dafür Anerkennung erhält, praktiziert performatives Allyship und nicht echte Solidarität.

Eine häufige Kritik aus aktivistischen Communities: Allyship wird oft auf den Verbündeten zentriert, nicht auf die betroffene Gruppe. Die Frage, die dabei verloren geht, ist: Was brauchen die Betroffenen tatsächlich?

Sich öffentlich als „Ally“ zu bezeichnen, gilt in vielen aktivistischen Kontexten als Warnsignal. Es ist kein Vertrauensbeweis. Die Parallele ist treffend: Wer von sich behauptet, vertrauenswürdig zu sein, löst eher Skepsis aus als Vertrauen. Vertrauenswürdigkeit zeigt sich über Zeit, durch konsistentes Verhalten, nicht durch Selbstbeschreibung. Wer das Ally-Label beansprucht, bevor betroffene Communities es vergeben haben, stellt die eigene Außenwirkung vor die eigentliche Praxis.

Quellen: Droogendyk et al. (2016). Journal of Social Issues, 72(2), 223–242.


Verwandte Begriffe: Intersektionalität · Tokenismus · Weißes Privileg · Empowerment · Mikroaggressionen