Kompakt erklärt
Klimaleugnung bezeichnet die systematische Ablehnung des wissenschaftlichen Konsenses zum menschengemachten Klimawandel – nicht aus echtem Zweifel, sondern aus politischem oder wirtschaftlichem Kalkül. Der Begriff grenzt sich bewusst von echter wissenschaftlicher Skepsis ab: Skepsis hinterfragt Erkenntnisse konstruktiv und gehört zur Wissenschaft dazu. Klimaleugnung hingegen ignoriert überwältigende Evidenz oder versucht, sie aktiv zu untergraben.
Die Erscheinungsformen sind vielfältig: Trendleugnung bestreitet, dass sich das Klima überhaupt erwärmt; Ursachenleugnung erkennt die Erwärmung an, leugnet aber den menschlichen Einfluss; Folgenleugnung spielt die Auswirkungen herunter. Besonders wirkungsvoll ist eine vierte Form: die Konsensleugnung – die Behauptung, die Forschung sei gespalten, obwohl über 97 % der Klimawissenschaftler*innen die menschengemachte Erwärmung bestätigen. Ein Muster verbindet alle Varianten: Sie erzeugen den Eindruck wissenschaftlicher Kontroverse, wo keine ist.
Klimaleugnung ist kein Randphänomen – sie hat politische Konsequenzen und wurde durch milliardenschwere Kampagnen der Fossil-Industrie gezielt gefördert.
Für Neugierige
Die organisierte Klimaleugnung hat tiefe historische Wurzeln. Naomi Oreskes und Erik M. Conway zeigen in ihrem Standardwerk Merchants of Doubt (2010), dass dieselben Akteur*innen und Strategien, die zuvor den Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs bestritten hatten, später die Klimaforschung attackierten. Ziel war nicht Erkenntnis, sondern Verzögerung.
Dass der Wissenschaftliche Konsens eindeutig ist, belegen unter anderem Cook et al. (2013) in Environmental Research Letters: Von rund 11.000 peer-reviewed Studien mit einem klaren Statement stimmten 97,1 % der menschengemachten Erwärmung zu. Trotzdem verfügte die Klimaleugnung über eine gut finanzierte politische Infrastruktur aus Think Tanks und Lobbyorganisationen, die gezielt Zweifel säten.
Ein neuerer Befund macht nachdenklich: Stoetzer & Zimmermann (Nature Climate Change, 2024) fanden in einer repräsentativen Studie keine Hinweise darauf, dass Klimaleugner*innen die Fakten schlicht nicht kennen. Stattdessen scheint die Leugnung bei manchen Menschen Teil einer Gruppenidentität zu sein – was bedeutet: reine Wissensvermittlung reicht selten aus. Das ist kein Grund zur Resignation, sondern ein Argument für andere Kommunikationsstrategien.
Quellen: Oreskes & Conway, Merchants of Doubt (2010, Bloomsbury); Cook et al. (2013), Environmental Research Letters; Stoetzer & Zimmermann (2024), Nature Climate Change, DOI: 10.1038/s41558-023-01910-2.
Verwandte Begriffe: Klimawandel · Wissenschaftlicher Konsens · Denialismus · IPCC · Klimagerechtigkeit



