Klima & Erde

Loss and Damage / Verluste und Schäden

Loss and Damage einfach erklärt: Was Verluste und Schäden bedeuten, wie der Fonds entstand, wie viel zugesagt ist und warum er keine Haftung begründet.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 15.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Klimaschäden, die Klimaschutz und Anpassung nicht ganz verhindern, wirtschaftlich und nicht wirtschaftlich
Verankerung
Warschauer Mechanismus (2013), Artikel 8 des Paris-Abkommens (2015)
Fonds
Beschlossen 2022 (COP27), in Betrieb genommen 2023 (COP28)
Haftung
Keine Haftung oder Entschädigung, sondern Zusammenarbeit
Nicht gemeint
Ersatz für Klimaschutz oder Anpassung

Einfach erklärt

Die Folgen des Klimawandels lassen sich nicht vollständig vermeiden und auch nicht vollständig durch Anpassung abfangen. Loss and Damage, auf Deutsch „Verluste und Schäden“, ist der Begriff des internationalen Klimarechts für diese Folgen. Gemeint sind eingetretene oder drohende Schäden, für die Schutz und Vorsorge nicht ausreichen.

Zwei Arten werden unterschieden. Wirtschaftliche Verluste lassen sich in Geld ausdrücken, etwa zerstörte Häuser, Straßen und Ernten. Nicht-wirtschaftliche Verluste lassen sich kaum beziffern: erzwungene Vertreibung, Folgen für das Kulturerbe und für das Leben und die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften.

Für diese Folgen gibt es seit Kurzem einen eigenen Geldtopf. Auf der COP27 (der UN-Klimakonferenz) 2022 in Scharm el-Scheich wurde beschlossen, einen Fonds einzurichten, auf der COP28 2023 in Dubai wurde er in Betrieb genommen. Haftung oder Entschädigung sind damit ausdrücklich nicht verbunden, und das macht den Begriff politisch so umkämpft.

Merke

Der Fonds versteht Verluste und Schäden als eigenen Pfeiler des Klimahandelns, neben Klimaschutz (Emissionen senken) und Anpassung (sich auf Folgen einstellen). Er greift dort, wo die ersten beiden nicht reichen.


Ausführlich erklärt

Was alles gemeint ist

Der Weltklimarat IPCC verwendet den Begriff für beobachtete Auswirkungen und prognostizierte Risiken, jeweils wirtschaftlich oder nicht wirtschaftlich. Sein Befund von 2022: Der menschengemachte Klimawandel hat bereits weitverbreitete Schäden und Verluste an Natur und Menschen verursacht, teils unumkehrbar (hohe Konfidenz). Anpassung verhindert nicht alle Verluste, selbst wenn sie wirksam ist. Sie sind ungleich verteilt und werden von den heutigen finanziellen, politischen und institutionellen Vorkehrungen nicht umfassend aufgefangen, besonders in verletzlichen Entwicklungsländern. Mit steigender Erwärmung nehmen sie zu und konzentrieren sich auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen (hohe Konfidenz).

Etwa 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen leben laut Bericht in hoch verwundbaren Verhältnissen. Wo Anpassung an Grenzen stößt, behandelt der Eintrag zur Klimaresilienz.

Artikel 8 Absatz 4 des Paris-Abkommens nennt mögliche Felder: Frühwarnsysteme, Notfallvorsorge, langsam eintretende Veränderungen, unumkehrbare Verluste, Risikoversicherungen und nicht-wirtschaftliche Verluste. Die COP27 nennt erzwungene Vertreibung, Folgen für das Kulturerbe und für lokale Gemeinschaften. Damit hängt die Klimamigration zusammen.

Von Warschau nach Paris

Auf der COP19 in Warschau richtete die Vertragsstaatenkonferenz 2013 den Warschauer Internationalen Mechanismus ein, englisch WIM. Er soll Verluste und Schäden durch extreme Ereignisse und langsam eintretende Veränderungen in besonders verwundbaren Entwicklungsländern angehen. Der Beschluss hält fest, dass Verluste und Schäden das einschließen, was sich durch Anpassung verringern lässt, und in manchen Fällen mehr umfassen als das.

2015 nahm das Paris-Abkommen das Thema mit Artikel 8 auf. Die Vertragsparteien erkennen darin an, wie wichtig es ist, Verluste und Schäden zu vermeiden, zu verringern und zu bewältigen. Der Warschauer Mechanismus untersteht seitdem auch dem Paris-Abkommen, die Zusammenarbeit soll kooperativ und unterstützend sein. Zugleich enthält der Beschluss zur Annahme des Abkommens eine Klarstellung: Artikel 8 begründet keine Haftung oder Entschädigung (Beschluss 1/CP.21, Absatz 51).

2013richtet die COP19 den Warschauer Mechanismus für Verluste und Schäden ein
2022beschließt die COP27 neue Finanzierungsvereinbarungen und einen Fonds
822,06 Mio. US-DollarZusagen an den Fonds laut Fondsseite, Stand 15. März 2026

COP27 und COP28: Der Fonds entsteht

Bei der COP27 in Scharm el-Scheich (6. bis 20. November 2022) standen Finanzierungsvereinbarungen für Verluste und Schäden erstmals auf der Tagesordnung von Vertragsstaatenkonferenz und Paris-Konferenz. Die Staaten stellten fest, dass bestehende Vereinbarungen nicht ausreichen, beschlossen neue Vereinbarungen und einen Fonds und setzten einen Übergangsausschuss für Empfehlungen an die COP28 ein (Beschluss 2/CP.27 und 2/CMA.4).

Auf der COP28 in Dubai (30. November bis 13. Dezember 2023) folgte der Beschluss zur Inbetriebnahme. Er billigte die Satzung des Fonds. Der Fonds bekommt ein eigenes, unabhängiges Sekretariat und einen Verwaltungsrat mit 26 Mitgliedern: zwölf aus Industrieländern und vierzehn aus Entwicklungsländern. Entscheidungen fallen im Konsens, notfalls mit Vierfünftelmehrheit. Für eine Übergangszeit von vier Jahren beherbergt die Weltbank das Sekretariat und verwaltet die Gelder, unter Bedingungen, die den Fonds eigenständig halten sollen. Die Satzung sieht Zuschüsse und hoch vergünstigte Kredite vor und alle vier Jahre eine Wiederauffüllung. Bei der Verteilung der Mittel soll unter anderem ein Mindestanteil für die am wenigsten entwickelten Länder und die kleinen Inselstaaten berücksichtigt werden.

Der Beschluss hält auch fest, dass die Finanzierungsvereinbarungen auf Zusammenarbeit und Unterstützung beruhen und keine Haftung oder Entschädigung beinhalten. Er nennt außerdem erste Angebote von 20 Staaten und der Europäischen Kommission in Höhe von umgerechnet 792 Millionen US-Dollar für die Finanzierungsvereinbarungen insgesamt, davon 661 Millionen für den Fonds. Deutschland gehört zu diesen Staaten.

Der Fonds heute (Stand Oktober 2026)

Der Fonds heißt Fund for responding to Loss and Damage, kurz FRLD. Laut seiner Website wurden 2024 die Philippinen als Sitzland des Verwaltungsrats gewählt, die Weltbank beherbergt das Sekretariat und ist Treuhänderin. Das unabhängige Sekretariat wurde im November 2024 eingerichtet.

Zugesagt waren laut Fondsseite (Stand 15. März 2026) 822,06 Millionen US-Dollar von 27 Partnern. 25 haben Beitragsvereinbarungen unterzeichnet und begonnen, Geld zu überweisen. Das ist eine Summe an Zusagen, nicht an ausgezahlten Mitteln. Zum Vergleich: Im Beschluss von 2023 waren 661 Millionen US-Dollar für den Fonds genannt.

Für die erste Förderphase hat der Verwaltungsrat die Barbados Implementation Modalities (BIM) beschlossen. Sie sehen für die Jahre 2025 und 2026 insgesamt 250 Millionen US-Dollar vor, mindestens die Hälfte davon für die am wenigsten entwickelten Länder und kleine Inselstaaten. Der erste Aufruf für Förderanträge startete im November 2025 auf der COP30 in Belém, Anträge waren vom 15. Dezember 2025 bis 15. Juni 2026 möglich. Zur neunten Sitzung des Verwaltungsrats (8. bis 10. Juli 2026, Manila) lagen vier Förderanträge mit Bewertungen des Sekretariats vor. Die Mitteilung dazu spricht davon, den Weg für die ersten Förderentscheidungen zu bereiten. Ob inzwischen Mittel bewilligt oder ausgezahlt wurden, ließ sich nicht prüfen.

Der Fonds ist beschlossen, aufgebaut und mit Zusagen ausgestattet. Ob er die Menschen erreicht, die ihn brauchen, zeigen erst die Förderentscheidungen.

Kerngedanke

Wer trägt die Verantwortung?

Der Streit um Haftung ist der Kern der Debatte. Dass die Beschlüsse von 2015 und 2023 Haftung und Entschädigung ausdrücklich ausschließen, zeigt, wie umstritten sie war. Dahinter steht die Frage der Klimagerechtigkeit: Wer hat das Problem durch Emissionen verursacht, und wer trägt die Last? Eine Rechnung dazu steht im Eintrag zum CO₂-Budget.

Der IPCC nennt als Treiber hoher Verwundbarkeit Marginalisierung entlang von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und Einkommen sowie historische Ungleichheit wie den Kolonialismus (hohe Konfidenz). Die Satzung des Fonds verlangt einen geschlechtergerechten Ansatz, nennt Frauen, Jugend und indigene Völker als Gruppen, die an den Aktivitäten des Fonds beteiligt werden sollen, und sieht kleine Zuschüsse für Gemeinschaften vor. Queere Menschen werden in den Beschlusstexten nicht ausdrücklich genannt. Wie sich Benachteiligungen überlagern, beschreibt die Intersektionalität.

Die Zusammenhänge mit anderen Klimabegriffen sind eng. Je höher die Erwärmung, desto größer die Verluste. Das 1,5-Grad-Ziel und die national festgelegten Beiträge bestimmen, wie viel Spielraum bleibt. Die Klimafinanzierung für Minderung und Anpassung ist ein eigenes Thema, für den Fonds verlangen die Beschlüsse neue und zusätzliche Mittel.

Was der Begriff nicht sagt

Loss and Damage bedeutet nicht, dass Klimaschutz und Anpassung aufgegeben werden. Je weniger die Erde sich erwärmt, desto weniger Verluste und Schäden entstehen, wie auch die Beschlusstexte betonen. Er begründet keinen Entschädigungsanspruch und ersetzt keine humanitäre Hilfe, zu der der Fonds ergänzend wirken soll. Und der Fonds deckt nicht automatisch alle Schäden. Wie groß der Bedarf ist, hängt stark von den Annahmen ab: Eine Übersichtsarbeit zu ökonomischen Modellen nennt die Unsicherheiten sehr groß, und die Beschlüsse nennen keinen Bedarf in Dollar.

Was du tun kannst

  1. Achte bei Berichten über Fluten oder Dürren darauf, ob von Katastrophenhilfe, Anpassung oder Verlusten und Schäden die Rede ist.
  2. Frage bei Hilfsangeboten nach, wer sie erreicht und ob marginalisierte Gruppen mitgedacht sind.
  3. Verfolge die Meldungen des Fonds, um zu sehen, wann und wohin erste Mittel fließen.

Quellen: UNFCCC (2013): Beschluss 2/CP.19, Warschauer Mechanismus / Paris-Abkommen (2015), Artikel 8 / UNFCCC (2015): Beschluss 1/CP.21, Absatz 51 / UNFCCC (2022): Beschlüsse 2/CP.27 und 2/CMA.4, FCCC/PA/CMA/2022/10/Add.1 / UNFCCC (2023): Beschluss 1/CP.28 und Satzung des Fonds, FCCC/CP/2023/11/Add.1 / IPCC (2022): AR6 Arbeitsgruppe II, Zusammenfassung für politische Entscheidungstragende, B.1, B.2, C.3 / Markandya, A. und González-Eguino, M. (2019): Integrated Assessment for Identifying Climate Finance Needs for Loss and Damage. In: Mechler, R. et al. (Hrsg.): Loss and Damage from Climate Change, Springer / FRLD: Funding (Stand 15. März 2026, Internet-Archiv-Sicherung vom 20.09.2026) / FRLD: About (Sicherung 23.09.2026) / FRLD: Barbados Implementation Modalities (Sicherung 20.09.2026) / FRLD: Ninth Meeting of the Board (Sicherung 14.08.2026)

Wer den Preis der Klimakrise heute schon zahlt, beschreibt der Blogartikel Wer den Preis der Klimakrise zahlt: Der Ethikrat gibt eine klare Antwort.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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