Kompakt erklärt
Die Folgen des Klimawandels lassen sich nicht vollständig reparieren oder vermeiden. Loss and Damage – auf Deutsch „Verluste und Schäden” – ist der Begriff im internationalen Klimarecht für genau diese unvermeidbaren Folgen: Schäden, die selbst bei konsequenter Emissionsminderung und Anpassungsmaßnahmen nicht mehr abgewendet werden können.
Zwei Arten von Schäden werden unterschieden. Wirtschaftliche Verluste, zum Beispiel durch Ernteausfälle, zerstörte Infrastruktur oder steigende Kosten durch Extremwetterereignisse. Und nicht-wirtschaftliche Verluste, die sich kaum in Geld ausdrücken lassen: der Verlust von Heimat, kulturellen Praktiken und ganzen Inseln, die durch den Meeresspiegelanstieg verschwinden.
Lange galt Loss and Damage in den internationalen Klimaverhandlungen als Tabuthema, weil Industriestaaten eine finanzielle Haftung für ihre historischen Emissionen vermeiden wollten. Die COP27 (Conference of the Parties, die UN-Klimakonferenz) 2022 in Scharm el-Scheich, Ägypten, markierte einen Wendepunkt: Erstmals wurde ein eigener Fonds für Loss and Damage beschlossen – nach jahrzehntelangen Forderungen besonders betroffener Staaten.
Für Neugierige
Loss and Damage ist formal im Rahmen der UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change, Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen) verankert – zunächst durch den Warschauer Mechanismus (WIM, Warsaw International Mechanism) von 2013. Der IPCC AR6 (6. Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe 2, 2022) stellt fest, dass ein erheblicher und wachsender Anteil klimabedingter Schäden – darunter erzwungene Klimamigration und der Verlust von Ökosystemen – nicht mehr durch Anpassungsmaßnahmen abzuwenden ist.
Die Debatte um Loss and Damage ist untrennbar mit Klimagerechtigkeit verbunden: Staaten des Globalen Südens – Länder, die historisch am wenigsten zu den globalen Treibhausgasemissionen beigetragen haben, aber am stärksten von den Folgen betroffen sind – fordern seit Jahrzehnten, dass Industriestaaten Verantwortung übernehmen. Auf der COP28 (2023) in Dubai wurde der Fonds erstmals operationalisiert; kritische Stimmen sehen die bisherigen Zusagen jedoch als weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleibend.
Loss and Damage macht sichtbar, was emissionspolitische Debatten oft ausblenden: Die Klimakrise ist bereits Realität – und wer ihre Folgen am stärksten trägt, hat sie am wenigsten verursacht.
Quellen: IPCC AR6 WGII (2022): „Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability.” Cambridge University Press. · UNFCCC (2022): Decision 2/CP.27 – Funding arrangements for responding to loss and damage. Sharm el-Sheikh. · UNFCCC (2013): Decision 2/CP.19 – Warsaw International Mechanism.
Verwandte Begriffe: Klimagerechtigkeit · Klimamigration · Klimawandel · IPCC · Emissionen



