Einfach erklärt
Artensterben bezeichnet das dauerhafte Verschwinden einer Tier- oder Pflanzenart. Wenn die letzten Individuen gestorben sind, ist die Art für immer verloren, keine Zucht, keine Technologie kann sie zurückbringen.
Aussterben ist zunächst ein natürlicher Prozess: Über die Erdgeschichte hinweg sind schätzungsweise 99 % aller je lebenden Arten verschwunden. Was heute anders ist: Das aktuelle Artensterben geschieht so schnell, dass Wissenschaftler*innen von einem sechsten Massenaussterben sprechen. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) schätzt, dass die aktuelle Aussterberate bis zu 1.000-mal höher liegt als der natürliche Hintergrundwert.
Hauptursachen sind Lebensraumzerstörung durch Abholzung und Flächenversiegelung, der Klimawandel, intensive Landwirtschaft, Umweltverschmutzung und das Einschleppen gebietsfremder Arten. Artensterben ist kein abstraktes Problem: Es betrifft Bienen, Amphibien, Korallenriffe, Ökosysteme, von denen auch Menschen direkt abhängig sind.
Ausführlich erklärt
Das aktuelle Massenaussterben gilt als das sechste seiner Art in der Erdgeschichte. Anders als die fünf früheren, ausgelöst durch Vulkanismus oder Asteroideneinschläge, ist das heutige primär durch menschliche Aktivität verursacht. Wissenschaftler*innen sprechen deshalb vom anthropogenen (durch Menschen verursachten) Massenaussterben.
Der IPBES Global Assessment Report (2019) schätzt, dass rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Das Insektensterben ist besonders alarmierend: Hallmann et al. belegten 2017 in einer Langzeitstudie (PLOS ONE) Rückgänge der Biomasse fliegender Insekten um bis zu 75 % in deutschen Schutzgebieten, innerhalb von 27 Jahren.
Biodiversität ist keine Kür, sondern Grundvoraussetzung: Sie sichert Bestäubung, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und stabile Klimasysteme. Artensterben und Klimagerechtigkeit sind dabei untrennbar verknüpft: Der Globale Süden, Regionen, die durch Kolonialismus und wirtschaftliche Ungleichheit strukturell benachteiligt sind, verliert überproportional viele Arten, obwohl er am wenigsten zu den Ursachen beigetragen hat. Wer Artenvielfalt retten will, muss Landwirtschaft, Wirtschaft und Stadtplanung transformieren, und globale Ungleichheiten dabei mitdenken.
Wie viel wir über bedrohte und noch unentdeckte Arten überhaupt wissen: Geisterhaie, Glasschwämme und 1.000 neue Arten: Was wir gerade im Ozean finden.
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Quellen
- IPBES (2019). Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services. ipbes.net
- Hallmann, C. et al. (2017). More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE.



