Artensterben


Kompakt erklärt

Artensterben bedeutet: Tier- oder Pflanzenarten verschwinden dauerhaft von der Erde. Ein gewisses Maß daran gab es immer – es gehört zur natürlichen Evolution. Was heute passiert, geht weit darüber hinaus. Wissenschaftler*innen schätzen, dass die aktuelle Aussterberate zehn- bis hundertmal höher ist als der natürliche Hintergrundwert – und dass der Mensch die Hauptursache ist.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) kommt in seinem Bericht von 2019 zu dem Ergebnis: Bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten sind aktuell vom Aussterben bedroht. Die IUCN (Weltnaturschutzunion) hat in ihrer Roten Liste (Stand Oktober 2024) von den erfassten 166.000 Arten mehr als 46.300 als gefährdet eingestuft.

Die Haupttreiber: Lebensräumzerstörung, industrielle Landwirtschaft, Übernutzung natürlicher Ressourcen, Umweltverschmutzung, invasive Arten – und zunehmend der Klimawandel.


Für Neugierige

In der Wissenschaft wird diskutiert, ob das aktuelle Artensterben bereits als „sechstes Massenaussterben” der Erdgeschichte eingestuft werden sollte. Ein Massenaussterben ist wissenschaftlich definiert als Verlust von mindestens 75 Prozent aller Arten in geologisch kurzer Zeit. Diese Schwelle haben wir noch nicht erreicht. Eine 2025 in Trends in Ecology & Evolution veröffentlichte Studie (Wiens & Saban) mahnte deshalb zur begrifflichen Vorsicht. Gleichzeitig betonen viele Forschende, darunter Ko-Autor*innen des IPBES-Berichts, dass die Dringlichkeit der Biodiversitäts-Krise unabhängig davon klar ist: Jede Art, die verschwindet, destabilisiert Ökosysteme und damit die Lebensgrundlagen aller.

Wichtig: Artensterben und Klimawandel sind keine getrennten Krisen. Wärmere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse erhöhen den Druck auf bereits bedrohte Arten. Gleichzeitig schützen intakte Ökosysteme das Klima – Wälder binden CO₂, Moore speichern Wasser. Wer Arten rettet, schützt immer auch das Klima.

Quellen: IPBES, Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services, 2019; IUCN, Rote Liste, Update Oktober 2024; Wiens, J. J. & Saban, K. E. (2025). Questioning the sixth mass extinction. Trends in Ecology & Evolution. DOI: 10.1016/j.tree.2025.01.002


Verwandte Begriffe: Biodiversität · Artenschutz · Renaturierung · Klimawandel · Ökologischer Fußabdruck