Klima & Erde

Überfischung

Überfischung: Wann Fischbestände als überfischt gelten, was die FAO 2026 meldet und welche Rolle Subventionen, Quoten und Schutzgebiete spielen.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 19.10.2026
Auf einen Blick

Gemessen an
höchstmöglichem nachhaltigem Dauerertrag (maximum sustainable yield, MSY)
Stand weltweit
62,4 % der bewerteten Meeresbestände biologisch nachhaltig befischt (2023, FAO)
Stand Mittelmeer
45,7 % nachhaltig, der niedrigste Wert aller FAO-Fanggebiete (2023)
Rechtlicher Rahmen
WTO-Abkommen über Fischereisubventionen, seit September 2025 in Kraft

Einfach erklärt

Überfischung bedeutet, dass einem Fischbestand mehr Tiere entnommen werden, als er durch Fortpflanzung und Wachstum ausgleichen kann. Fachleute messen das an einem Referenzwert: Der Bestand soll mindestens so groß sein, dass er langfristig den höchsten Dauerertrag liefert (englisch maximum sustainable yield, kurz MSY). Liegt seine Biomasse deutlich darunter, gilt er laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO als biologisch nicht nachhaltig befischt. Das ist die FAO-Entsprechung zu überfischt.

Nach dem aktuellen Bericht der FAO zur Lage der Fischerei (SOFIA 2026, erschienen im Juni 2026) waren 2023 rund 62,4 % der bewerteten Meeresbestände biologisch nachhaltig befischt. Im Umkehrschluss gelten die übrigen 37,6 % als überfischt. Zwei Jahre zuvor lag der nachhaltige Anteil bei 64,5 %. Die FAO führt den Rückgang teils auf geänderte Methoden, teils auf Verschlechterungen in einzelnen Regionen zurück.

Bei der Fangmenge statt der Zahl der Bestände als Maßstab sieht das Bild besser aus: 72,6 % der angelandeten Menge stammten 2023 aus nachhaltig befischten Beständen. Große, ertragreiche Bestände werden also im Schnitt besser bewirtschaftet als kleine.

62,4 %der bewerteten Meeresbestände waren 2023 biologisch nachhaltig befischt (FAO 2026)
72,6 %der angelandeten Menge kamen 2023 aus nachhaltig befischten Beständen
45,7 %nachhaltige Bestände im Mittelmeer und Schwarzen Meer 2023, ein Plus von rund 11 Prozentpunkten seit 2021

Es geht um Lebensgrundlagen: Laut FAO sichert der Sektor weltweit mehr als 600 Millionen Existenzen. Die Fischerei und die Aquakultur sind zugleich eine Nahrungsquelle, deren Verteilung ungleich ist. 2023 standen in Asien im Schnitt 26,3 Kilogramm Fisch und andere Wassertiere pro Person und Jahr zur Verfügung, in Afrika nur 9,1 Kilogramm.

Merke

Überfischung heißt nicht, dass weltweit überall zu viel gefischt wird. Entscheidend sind Region, Art und Management: Die Antarktis liegt bei 100 % nachhaltiger Bestände, das Mittelmeer bei 45,7 %.


Ausführlich erklärt

Wie Überfischung gemessen wird

Die FAO schätzt den Zustand der Bestände nicht durch Zählen, sondern mit Modellen. Sie vergleicht die geschätzte Biomasse mit dem MSY-Referenzwert und ordnet jeden Bestand als unterfischt, maximal nachhaltig befischt oder überfischt ein. Fehlen Daten zur Biomasse, dienen Annäherungen über die Fischereisterblichkeit als Ersatz. Für SOFIA 2026 überarbeitete die FAO die Bewertung grundlegend: In 19 regionalen Workshops und Online-Konsultationen waren rund 650 Fachleute aus etwa 90 Ländern beteiligt, die Liste der Bewertungseinheiten wuchs von weniger als 500 im Jahr 2011 auf 2.665 in der Analyse für 2026.

Vergleiche über die Jahre

Wegen der neuen Methode lassen sich die Werte aus SOFIA 2026 nicht ohne Weiteres mit älteren Berichten vergleichen. Die Vorgängerausgabe SOFIA 2024 nannte für 2021 einen nachhaltigen Anteil von 62,3 %, SOFIA 2026 gibt für dasselbe Jahr nach neuer Methode 64,5 % an. Nach der älteren Methode stieg der Anteil nicht nachhaltiger Bestände von 10 % im Jahr 1974 auf 37,7 % im Jahr 2021. Die Richtung ist also klar, die genauen Zahlen sind Schätzungen mit Unsicherheit.

Wo es besonders kritisch ist

Die Unterschiede zwischen den Meeresregionen sind groß. 2023 lag der Anteil nachhaltiger Bestände im Nordostatlantik bei 67,3 %, im östlichen Zentralatlantik bei 47,1 % und im Mittelmeer und Schwarzen Meer bei 45,7 %. Das Mittelmeer hatte damit den niedrigsten Wert aller FAO-Hauptfanggebiete, verbesserte sich aber seit 2021 um etwa 11 Prozentpunkte. Die FAO verweist auf Mehrjahrespläne und Gebiete mit Fangbeschränkungen, die inzwischen 60 % des Mittelmeers und des Schwarzen Meeres abdecken, und beziffert die Verringerung des Fischereidrucks auf 30 %. Trotzdem blieben bis auf einen alle Bestände des Europäischen Seehechts überfischt.

Dass Management wirkt, zeigen auch die Thunfische: 91,3 % der bewerteten Thunfischbestände waren 2023 nachhaltig befischt, und mehr als 99 % der Fänge stammten aus nachhaltigen Beständen. Haie sind dagegen besonders gefährdet. Von den bewerteten Hai-Beständen galten 60 % als nachhaltig, und ein großer Teil der angelandeten Haie wird als Beifang in der Thunfisch- und Schwertfisch-Langleinenfischerei gefangen.

Beifang und Rückwürfe

Beifang sind Tiere, die ungewollt ins Netz geraten. Ein Teil davon wird als Rückwurf tot oder sterbend ins Meer zurückgegeben. Eine Studie von Gilman und weiteren Forschenden (2020) auf Basis von FAO-Daten schätzt die Rückwürfe der marinen Fischerei für 2010 bis 2014 auf 9,1 Millionen Tonnen pro Jahr, also 10,8 % des weltweiten Fangs. Das ist etwa halb so viel wie die Rate, die für die späten 1980er-Jahre geschätzt wurde. Fast 60 % der Rückwürfe stammten aus Schleppnetzfischereien, allein die Grundschleppnetze mit Scherbrettern kamen auf 2,4 Millionen Tonnen. Das ist mehr als ein Viertel der Gesamtmenge. Die Autor:innen empfehlen vor allem hier verstärkte Anstrengungen, Rückwürfe zu verringern.

Subventionen, Quoten und Recht

Staatliche Gelder können Überfischung antreiben. Sumaila und weitere Forschende schätzten die weltweiten Subventionen für die Fischerei für 2018 auf 35,4 Milliarden US-Dollar, davon 22,2 Milliarden für Maßnahmen, die die Fangkapazität erhöhen. Die fünf größten Geber China, Europäische Union, USA, Südkorea und Japan stellten zusammen 58 % bereit.

Ein internationales Gegenstück gibt es seit Kurzem: Das Abkommen der Welthandelsorganisation WTO über Fischereisubventionen trat im September 2025 in Kraft. Es verbietet Subventionen für illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU-Fischerei), für Fischerei auf überfischte Bestände und für Fischerei auf unregulierter Hoher See. Die FAO weist darauf hin, dass die Umsetzung bessere Daten, Kontrollen und Institutionen verlangt.

In der EU legen die Fischereiminister:innen jedes Jahr Fangquoten fest, die sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen (englisch total allowable catches, TACs). Im Dezember 2025 beschlossen sie die Quoten für 2026: Im Atlantik und im Skagerrak-Kattegat entsprachen 81 % der Fangmöglichkeiten der wissenschaftlichen MSY-Empfehlung, wie sie die EU-Kommission vorgeschlagen hatte. Für angeschlagene Bestände senkte der Rat die Quoten deutlich, etwa bei der Seezunge im Skagerrak-Kattegat um 44 %. Für Makrelen wurde keine Gesamtfangmenge festgelegt, die EU setzte nur eine vorläufige Quote für die ersten sechs Monate 2026. Im Mittelmeer trug die Kommission den Kompromiss der Minister:innen nicht mit, weil er ihrer Einschätzung nach nicht mit dem Mehrjahresplan für das westliche Mittelmeer vereinbar war. Quoten sind demnach ein Verhandlungsergebnis und kein reines Abbild der Wissenschaft.

Aquakultur und Schutzgebiete

Aquakultur wird oft als Ausweg gesehen. 2024 lieferte sie erstmals mehr als 100 Millionen Tonnen Wassertiere und stellte 53 % der gesamten Produktion. Der Verdacht, Zuchtfisch verschärfe die Überfischung durch den Futterbedarf, ist nach FAO-Angaben global nicht belegt: Zwar gehen mehr als 90 % des Fischmehls in die Aquakultur. Die Menge ganzer Fische, die dafür verarbeitet wird, ist aber gesunken, und der Fischmehlanteil im Futter nimmt seit Langem ab. 2024 stammten 34 % des Fischmehls und 54 % des Fischöls aus Nebenprodukten. Die Nachfrage bleibt hoch und hält die Preise oben, deshalb bleibt die Fütterung eine offene Frage.

Meeresschutzgebiete ohne Fischerei können Bestände erholen. Eine Auswertung von Lester und weiteren Forschenden (2009) fand im Mittel positive Effekte auf Biomasse, Dichte, Artenzahl und Größe der Tiere innerhalb der Gebiete. Nicht jede Art profitiert, und die Ergebnisse schwanken stark. Gut geplante und durchgesetzte Schutzgebiete gelten den Autor:innen dennoch als wichtiges Instrument. Das verbindet das Thema mit Biodiversität und Artenschutz.

Eine Frage von Macht und Gerechtigkeit

Überfischung ist auch ein Machtproblem: Wer darf fischen, wer entscheidet über Quoten und wer trägt die Folgen?

Kerngedanke

Die Kleinfischerei spielt dabei eine Schlüsselrolle. Laut FAO beschäftigt sie direkt etwa 60 Millionen Menschen, sichert 490 Millionen Menschen die Lebensgrundlage, meist in Entwicklungsländern, und liefert mindestens 40 % der weltweiten Fänge von Wassertieren. Ihr Beitrag bleibt in Statistiken und Politik oft unterbewertet. Wie stark industrielle Flotten die Küstengewässer anderer Länder befischen, belegt dieser Eintrag nicht mit eigenen Zahlen. Er beruht überwiegend auf Quellen internationaler Gremien und der Wissenschaft aus Europa und Nordamerika, Stimmen aus Küstengemeinden im Globalen Süden kommen nur vermittelt vor. Weiterführend zu den Folgen für die Meere: Artensterben und planetare Grenzen.

Quellen: FAO (2026): The State of World Fisheries and Aquaculture 2026 (SOFIA), Teil 1 und Box 1.4, 3.3 / FAO-Pressemitteilung zu SOFIA 2026, 16.06.2026 / FAO (2024): The State of World Fisheries and Aquaculture 2024 / Gilman et al. (2020): Benchmarking global fisheries discards, Scientific Reports / Sumaila et al. (2019): Updated estimates and analysis of global fisheries subsidies, Marine Policy / WTO (2025): Agreement on Fisheries Subsidies enters into force / Europäische Kommission, GD MARE (13.12.2025): Fisheries ministers agree on fishing opportunities for 2026 / Lester et al. (2009): Biological effects within no-take marine reserves, Marine Ecology Progress Series


Wie sehr menschliches Handeln auch unter der Meeresoberfläche ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen kann: Wenn Wale stranden: Was dahintersteckt und wie du helfen kannst.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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