Just Transition


Kompakt erklärt

Just Transition, auf Deutsch etwa „gerechte Transformation“, bezeichnet den Grundsatz, dass der Wandel hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft sozial gerecht gestaltet werden muss. Wer am meisten von fossilen Industrien abhängt, ob als Beschäftigte in Kohleregionen, als Gemeinschaft im Globalen Süden oder als einkommensschwache Haushalte, soll nicht die Kosten der Energiewende tragen.

Das bedeutet konkret: Umschulungsprogramme für Kohle-Beschäftigte, Investitionen in strukturschwache Regionen, Klimapolitik, die ärmere Bevölkerungsgruppen nicht unverhältnismäßig belastet.

Just Transition ist keine Abschwächung von Klimaschutz, sondern seine soziale Bedingung. Klimapolitik ohne sozialen Ausgleich erzeugt Widerstand und scheitert politisch.


Für Neugierige

Der Begriff stammt aus der nordamerikanischen Gewerkschaftsbewegung der 1990er Jahre. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) veröffentlichte 2015 Leitlinien für eine gerechte Transformation, die Beschäftigung, soziale Sicherung und partizipative Prozesse verknüpfen.

Im Pariser Abkommen (2015) ist Just Transition im Präambel verankert. Die Umsetzung bleibt jedoch national sehr unterschiedlich: Während Deutschland einen „Kohleausstieg mit sozialem Begleitpaket“ beschlossen hat, fehlen vielen Ländern des Globalen Südens (Länder außerhalb der westlichen Industriestaaten, die historisch weniger zu den globalen Treibhausgasen beigetragen haben) die finanziellen Mittel für eine solche Begleitung.

Die Debatte um Just Transition verbindet Klimagerechtigkeit mit Klassenfrage: Wer zahlt für die Transformation? Wer profitiert? Und wessen Stimme zählt in Planungsprozessen? Diese Fragen bleiben politisch ungelöst, und das ist kein Zufall.

Quellen: ILO (2015). Guidelines for a Just Transition. UNFCCC Paris Agreement (2015), Präambel.


Verwandte Begriffe: Klimagerechtigkeit · Dekarbonisierung · Energiewende · Globaler Süden · Degrowth