Queeres ABC

Sexismus

Sexismus einfach erklärt: Bedeutung, feindselige und wohlwollende Formen, Zahlen zu Lohn und Gewalt, Rechtslage in Deutschland.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 27.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Abwertung und Benachteiligung wegen des Geschlechts, besonders von Frauen
Formen
feindselig (offene Abwertung) und wohlwollend (scheinbar freundlich)
Ebenen
Einstellungen, Sprache, Arbeitswelt, Recht, Gewalt
Betrifft
vor allem Frauen, auf eigene Weise auch trans Männer, trans Frauen und nichtbinäre Personen
Rechtsgrundlage
Artikel 3 Grundgesetz und Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Einfach erklärt

Sexismus ist die Abwertung und Benachteiligung von Menschen wegen ihres Geschlechts. Der Duden beschreibt ihn als Vorstellung, ein Geschlecht sei dem anderen von Natur aus überlegen, samt der daraus abgeleiteten Zurücksetzung von Menschen, besonders von Frauen. Die Autorin Julia Serano fasst den Begriff weiter: Sexismus sei jeder Doppelstandard, der sich auf Geschlecht, Gender oder Sexualität gründet.

Gemeint ist mehr als der anzügliche Spruch. Sexismus steckt in Annahmen darüber, was Frauen und Männer angeblich können oder sollen, in Gehältern, in der Verteilung von Haus- und Pflegearbeit und in Gewalt. Er wirkt als Einstellung einzelner Personen und als Struktur, die auch ohne böse Absicht Ungleichheit erzeugt. Am häufigsten trifft er Frauen. Betroffen sind aber auch trans Männer, trans Frauen und nichtbinäre Personen, jede Gruppe auf eigene Weise.

Merke

Sexismus ist keine einzelne Beleidigung, sondern ein Muster aus Annahmen und Strukturen, das ein Geschlecht abwertet. Auch freundlich gemeinte Rollenbilder gehören dazu.


Ausführlich erklärt

Zwei Formen: feindselig und wohlwollend

Die Psychologen Peter Glick und Susan Fiske entwickelten 1996 das Ambivalent Sexism Inventory, einen Fragebogen zur Messung von Sexismus. Er erfasst zwei Komponenten, die positiv zusammenhängen und doch gegensätzlich wirken: feindseligen Sexismus als offene Abwertung und wohlwollenden Sexismus als scheinbar positive Haltung, die Frauen auf einen Sockel stellt. Als Quellen nennen sie Paternalismus, Geschlechterdifferenzierung und Heterosexualität. Sechs Studien mit 2.250 Befragten stützten das Messinstrument.

Wohlwollender Sexismus klingt wie Fürsorge: Frauen müssten beschützt werden oder seien von Natur aus einfühlsamer. Er legt Menschen trotzdem auf eine Rolle fest. In einer Studie mit rund 15.000 Männern und Frauen aus 19 Ländern (Glick u. a., 2000) hingen beide Formen länderübergreifend zusammen, und die Länderdurchschnitte sagten die Ungleichheit der Geschlechter vorher. Frauen lehnten feindseligen Sexismus eher ab als wohlwollenden, besonders in Ländern mit viel Sexismus. In vier Experimenten verschlechterte wohlwollender Sexismus die kognitive Leistung von Frauen stärker als feindseliger (Dardenne u. a., 2007). Als Mechanismus fanden die Forschenden aufdringliche Gedanken über die eigene Kompetenz.

Auch freundlich gemeinter Sexismus bleibt Sexismus, wenn er Menschen auf eine Rolle festlegt.

Kerngedanke

Traditioneller und oppositioneller Sexismus

Julia Serano unterscheidet zwei Grundformen. Traditioneller Sexismus wertet Weibliches und Weiblichkeit als minderwertig gegenüber Männlichem. Oppositioneller Sexismus geht davon aus, männlich und weiblich seien zwei starre, getrennte Kategorien mit je eigenen Eigenschaften und Wünschen, und wer dem nicht entspricht, gelte als unnormal. Beispiele für die zweite Form sind Heterosexismus und Cissexismus. Wo beide Formen zusammentreffen, spricht Serano von Transmisogynie. Nach dieser Definition trifft Sexismus auch Menschen, deren Geschlecht nicht ins Zweierschema passt, etwa nichtbinäre Personen. Mehr zur Norm dahinter steht im Eintrag Heteronormativität, zur Frauenfeindlichkeit unter Misogynie.

Wie wirksam Geschlechterhierarchien sind, zeigt eine Interviewstudie mit trans Männern, die zuerst als Frauen arbeiteten (Schilt, 2006). Viele erhielten nach der Transition mehr Autorität, Belohnung und Respekt, auch im selben Beruf. Große weiße trans Männer erlebten mehr Vorteile als kleine und als trans Männer of Color. Die Studie ist qualitativ und nicht repräsentativ. Sie zeigt aber, dass Vorteile und Nachteile an Zuschreibungen hängen und sich mit anderen Merkmalen überlagern, wie es die Intersektionalität beschreibt.

Sexismus in Zahlen: Geld und Zeit

Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 in Deutschland bei 16 Prozent: Frauen verdienten durchschnittlich 22,81 Euro pro Stunde, Männer 27,05 Euro. In Ostdeutschland lag er bei 5, in Westdeutschland bei 17 Prozent. Das Statistische Bundesamt erklärt rund 60 Prozent der Lücke mit Merkmalen wie Teilzeit (19 Prozent der Lücke), Branchen und Berufen (18 Prozent) und dem Anforderungsniveau (13 Prozent). Die verbleibenden 40 Prozent entsprechen dem bereinigten Gender Pay Gap von 6 Prozent. Das Amt versteht ihn als Obergrenze für eine mögliche Verdienstdiskriminierung, weil Angaben etwa zu Erwerbsunterbrechungen fehlen. Der unbereinigte Wert spiegelt laut Amt auch strukturelle Unterschiede und Zugangshürden von Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

16 %geringerer Bruttostundenverdienst von Frauen im Jahr 2025 (unbereinigt)
6 %bleiben bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie (bereinigt)
19Länder in der Studie von Glick u. a. (2000) mit 15.000 Befragten

Ähnlich ungleich ist die Zeit verteilt. Laut Zeitverwendungserhebung 2022 leisteten Frauen ab 18 Jahren pro Woche im Schnitt 29 Stunden und 18 Minuten unbezahlte Arbeit, Männer 20 Stunden und 26 Minuten. Bei der Erwerbsarbeit war es umgekehrt: 16 Stunden und 15 Minuten bei Frauen, 23 Stunden und 57 Minuten bei Männern. Die Gesamtarbeitszeit lag mit 45 Stunden und 33 Minuten gegenüber 44 Stunden und 23 Minuten nah beieinander. Die Erhebung unterscheidet nur männlich und weiblich, nichtbinäre Personen werden darin nicht gesondert sichtbar.

Sexismus im Recht

Artikel 3 des Grundgesetzes erklärt Männer und Frauen für gleichberechtigt, verpflichtet den Staat zur Förderung der tatsächlichen Gleichberechtigung und verbietet in Absatz 3 jede Benachteiligung oder Bevorzugung wegen des Geschlechts. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) will Benachteiligungen wegen des Geschlechts verhindern oder beseitigen (§ 1). Es nennt auch die sexuelle Belästigung: unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, das die Würde verletzt (§ 3 Absatz 4). Arbeitgeber müssen Schutzmaßnahmen treffen (§ 12), Beschäftigte dürfen sich beschweren (§ 13). Ansprüche auf Entschädigung oder Schadensersatz sind innerhalb von zwei Monaten schriftlich geltend zu machen (§ 15 Absatz 4).

Eine Quote gilt für Vorstände: Besteht der Vorstand einer börsennotierten, mitbestimmten Gesellschaft aus mehr als drei Personen, muss mindestens eine Frau und ein Mann dazugehören (§ 76 Absatz 3a Aktiengesetz).

Sexismus und Gewalt

Inhaltshinweis

Der folgende Abschnitt nennt Zahlen zu sexueller und häuslicher Gewalt.

Das Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (BKA) zählte für 2024 in Deutschland 53.451 weibliche Opfer von Sexualstraftaten (plus 2,1 Prozent) und 187.128 weibliche Opfer Häuslicher Gewalt (plus 3,5 Prozent). Von allen Opfern Häuslicher Gewalt waren 70,4 Prozent weiblich, die übrigen also nicht. Als frauenfeindlich motivierte politische Straftaten erfasste das BKA 558 Fälle, nach 322 im Vorjahr. Hier zählt das Motiv, Opfer können jedes Geschlecht haben. Das BKA geht von einem großen Dunkelfeld aus. Der Begriff Femizid ist im deutschen Recht nicht definiert, und die Kriminalstatistik erfasst keine Tatmotive, Tötungsdelikte lassen sich deshalb nicht einfach als Femizide auswerten.

Was der Begriff nicht sagt

Sexismus ist kein Vorwurf an alle Männer. Männer können wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden, und der Schutz des Grundgesetzes und des AGG gilt für alle. Die Zahlen zeigen aber, dass Frauen in Verdienst, Zeit und Gewalterfahrung deutlich häufiger und systematisch betroffen sind. Der unbereinigte Gender Pay Gap misst außerdem keine Diskriminierung im Einzelfall, sondern ein Gesamtbild.

Was du tun kannst

  1. Lobe Fähigkeiten statt Rollenbilder: Sage, was jemand kann, nicht, was er, sie oder dey angeblich besser kann oder braucht.
  2. Lege in Bewerbungen, Beförderungen und Gehaltsrunden feste Kriterien fest und halte sie schriftlich fest.
  3. Mache unbezahlte Arbeit sichtbar und teile sie bewusst auf, im Haushalt wie im Team.
  4. Bei sexueller Belästigung im Job besteht ein Beschwerderecht (§ 13 AGG). Beachte die Frist von zwei Monaten für Ansprüche (§ 15 Absatz 4 AGG).

Quellen: Duden online: Sexismus / Serano, J.: Terminology (Einträge Sexism, Oppositional Sexism, Cissexism) / Glick, P. und Fiske, S. T. (1996): The Ambivalent Sexism Inventory. Journal of Personality and Social Psychology 70(3), S. 491 bis 512 / Glick, P. u. a. (2000): Beyond prejudice as simple antipathy. Journal of Personality and Social Psychology 79(5), S. 763 bis 775 / Dardenne, B., Dumont, M. und Bollier, T. (2007): Insidious dangers of benevolent sexism. Journal of Personality and Social Psychology 93(5), S. 764 bis 779 / Schilt, K. (2006): Just One of the Guys? Gender & Society 20(4), S. 465 bis 490 / Statistisches Bundesamt (16.12.2025): Pressemitteilung Nr. 453, Gender Pay Gap 2025 / Statistisches Bundesamt: Zeitverwendungserhebung 2022, Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit nach Geschlecht (Stand 06.06.2025) / Grundgesetz, Artikel 3 / Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), §§ 1, 3, 12, 13, 15 / Aktiengesetz (AktG), § 76 Absatz 3a / BKA: Bundeslagebild Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024


Wie sich mehrfache Diskriminierung in der Klimakrise konkret zeigt: Doppelt betroffen: Warum die Klimakrise queere Menschen härter trifft.


Das könnte dich auch interessieren

  • Misogynie: Frauenfeindlichkeit als Haltung einzelner Personen und als strukturelles Phänomen
  • Patriarchat: die gesellschaftliche Ordnung, in der Sexismus Macht absichert
  • Cissexismus: die Annahme, cis Geschlechter seien legitimer als trans Geschlechter
  • Heteronormativität: die Norm, mit der Sexismus eng zusammenhängt
  • Intersektionalität: der Rahmen, der zeigt, dass Sexismus nicht für alle gleich wirkt
  • Feminismus: die Bewegung gegen Sexismus und für Gleichberechtigung
  • Ökofeminismus: die Perspektive, die Sexismus mit der Ausbeutung der Natur verbindet
  • Mansplaining: ein Alltagsbeispiel für sexistische Gesprächsmuster
  • AGG-Beschwerde: wie Betroffene Benachteiligung wegen des Geschlechts nach dem AGG melden und welche Fristen dabei gelten

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

Teilen

Weitere Bereiche

Blog, Demonstrationen und Shop auf einen Blick

Aus dem Blog

Vor Ort

Aus dem Shop
"Math Rainbow" Back Print - Organic Zipper

"Math Rainbow" Back Print – Organic Zipper

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Math Rainbow" Front Print - Organic Zipper

"Math Rainbow" Front Print – Organic Zipper

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Math Rainbow" Front Print - Organic Gym-Bag

"Math Rainbow" Front Print – Organic Gym-Bag

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Math Rainbow" Front Print - Organic Tank Top

"Math Rainbow" Front Print – Organic Tank Top

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Front Print - Organic Tank Top

"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Front Print – Organic Tank Top

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

Vertrag widerrufen