Patriarchat


Kompakt erklärt

Patriarchat bezeichnet eine Gesellschaftsstruktur, in der Männer systematisch mehr Macht, Ressourcen und Privilegien haben als Frauen und andere Geschlechter – und in der diese Ungleichheit durch Normen, Institutionen und Gesetze aufrechterhalten wird. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und Griechischen: „Pater“ (Vater) und „archein“ (herrschen).

Patriarchat zeigt sich nicht nur in offensichtlicher Diskriminierung, sondern in alltäglichen Strukturen: dem Gender Pay Gap (Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen), der ungleichen Verteilung von Care-Arbeit, der Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen, sexualisierter Gewalt oder der gesellschaftlichen Abwertung von als „weiblich“ geltenden Eigenschaften und Tätigkeiten. Patriarchat betrifft nicht nur Frauen: Es schadet auch Männern, indem es rigide Geschlechterrollen und Emotionsverbote produziert. Und es unterdrückt aktiv alle, die außerhalb der zweigeschlechtlichen Norm leben.


Für Neugierige

In der feministischen Theorie wird Patriarchat als System analysiert, nicht als Ansammlung böser Individuen. Kate Millett prägte 1970 in „Sexual Politics“ den Begriff als Konzept für politische Herrschaft entlang von Geschlecht. Spätere Feministinnen wie bell hooks und Kimberlé Crenshaw erweiterten die Analyse durch Intersektionalität: Patriarchat ist untrennbar mit Rassismus und Klassismus verwoben – eine weiße Frau der Mittelschicht erfährt Patriarchat anders als eine Schwarze Frau in Armut.

Für queere und trans* Perspektiven ist entscheidend: Patriarchat produziert nicht nur Geschlechterungleichheit, sondern auch die Norm, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Genderidentität und nicht binär werden im Patriarchat aktiv unterdrückt. Speziesismus-Kritiker:innen wie Carol J. Adams zeigen, wie Patriarchat und die Ausbeutung von Tieren dieselbe Herrschaftslogik teilen – beide beruhen auf der Entmündigung und Instrumentalisierung des als schwächer definierten Anderen. Patriarchat zu benennen ist keine Schuldfrage, sondern die Bedingung für Veränderung.

Quellen: Millett, K. (1970): Sexual Politics. Doubleday. hooks, b. (1984): Feminist Theory: From Margin to Center. South End Press. Crenshaw, K. (1989): Intersektionalität.


Verwandte Begriffe: Feminismus · Intersektionalität · Sexismus · Genderidentität · Misogynie