Queeres ABC

Coming Out

Coming Out: Was inneres und äußeres Coming Out bedeuten, woher der Begriff kommt und was Studien zu Ängsten und Reaktionen zeigen.

7 Min. LesezeitAktualisiert am 31.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Prozess, sich der eigenen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bewusst zu werden und darüber zu sprechen
Zwei Ebenen
Inneres Coming Out (Bewusstwerdung) und äußeres Coming Out (Mitteilung an andere)
Herkunft
Aus den USA, Ende der 1960er Jahre als politische Strategie der Homosexuellenbewegung
Aktionstag
Coming Out Day am 11. Oktober

Einfach erklärt

Coming Out bezeichnet den Prozess, in dem ein Mensch sich der eigenen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bewusst wird und beginnt, offen darüber zu sprechen. Gemeint ist meist die Abweichung von dem, was die Gesellschaft als Normalfall annimmt: heterosexuell und cisgeschlechtlich zu sein. Wer davon abweicht, muss die Annahme der anderen erst richtigstellen.

Dabei werden zwei Ebenen unterschieden. Das innere Coming Out ist die Bewusstwerdung: Eine Person merkt, dass sie zum Beispiel lesbisch, schwul, bisexuell oder trans ist, und setzt sich damit auseinander. Das äußere Coming Out bedeutet, es anderen zu erzählen, etwa Freund:innen, Eltern oder Kolleg:innen.

Ein Beispiel: Eine Schülerin verliebt sich in eine Mitschülerin und erzählt es zuerst nur ihrer besten Freundin. Später folgt die Familie, nach dem Schulabschluss muss sie sich im neuen Betrieb entscheiden, ob sie davon erzählt. Genau das macht Coming Out zu einem Prozess und nicht zu einem einmaligen Ereignis: In jedem neuen Umfeld stellt sich die Frage erneut.

Relevant ist der Begriff, weil er zeigt, wie unterschiedlich die Ausgangslage ist. Heterosexuelle und cisgeschlechtliche Personen müssen sich nicht erklären. Der Eintrag erläutert außerdem, woher der Begriff stammt, was Studien zu Altersangaben, Ängsten und Reaktionen berichten und worin sich das Coming Out vom Outing unterscheidet. Ein Coming Out ist freiwillig, und niemand schuldet es einer anderen Person.


Ausführlich erklärt

Der Begriff kommt aus der US-Homosexuellenbewegung der späten 1960er Jahre

Nach dem LSBTIQ-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) stammt der Begriff aus den USA. Ende der 1960er Jahre nutzte ihn die Homosexuellenbewegung als politische Strategie: Sichtbarkeit sollte Gemeinschaftsgefühl und Druck gegen Diskriminierung erzeugen. Die Verbreitung des englischen „coming out“ und die Redewendung vom „Schrank“, aus dem man heraustritt, werden in den geprüften Quellen nicht näher belegt. Fest steht die politische Seite: Das Coming Out war von Anfang an mehr als eine private Mitteilung.

Das bpb-Lexikon bezieht den Begriff zunächst auf eine gleichgeschlechtliche oder bisexuelle Orientierung. Für trans Personen kommt in Deutschland nach Arn Sauer (2018) ein drittes, rechtlich erzwungenes Coming Out hinzu: das Begutachtungsverfahren nach dem Transsexuellengesetz, wenn Vorname oder Personenstand geändert werden sollten. Dieses Verfahren gilt seit dem 1. November 2024 nicht mehr, an seine Stelle trat das Selbstbestimmungsgesetz.

Das Deutsche Jugendinstitut beschreibt die Bewusstwerdung als oft langen und schwierigen Prozess

Die bundesweite Studie „Coming-out und dann…?!“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) von Claudia Krell und Kerstin Oldemeier (2015) wertete eine Online-Befragung vom Sommer 2014 mit 5.037 vollständig ausgefüllten Fragebögen aus. Befragt wurden lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren, das Durchschnittsalter lag bei 21 Jahren. Dazu kamen 40 qualitative Interviews.

Nur ein Zehntel (12 Prozent) der trans* und gender*diversen Jugendlichen bewertete die Zeit der inneren Bewusstwerdung als „einfach“, bei den lesbischen, schwulen und bisexuellen Jugendlichen war es ein Viertel. Viele versuchten, ihre Gefühle über einen längeren Zeitraum zu verdrängen. Bei einigen entwickelten sich laut der Studie therapierelevante psychische und psychosomatische Symptome. Als Gründe nennt das DJI unter anderem fehlende Begriffe und Informationen sowie Ängste.

74 %der befragten Jugendlichen fürchteten vor dem Coming Out, von Freund:innen abgelehnt zu werden (DJI 2015)
69 %fürchteten die Ablehnung durch Familienmitglieder
16,9 Jahrealt waren lesbische, schwule, bisexuelle und orientierungsdiverse Jugendliche beim ersten äußeren Coming Out im Durchschnitt

Im Durchschnitt waren die lesbischen, schwulen, bisexuellen und orientierungsdiversen Jugendlichen beim ersten äußeren Coming Out 16,9 Jahre alt. Trans* und gender*diverse Jugendliche waren mit 18,3 Jahren etwas älter. Zwischen innerem und äußerem Coming Out vergingen bei lesbischen und bisexuellen jungen Frauen im Schnitt 1,7 Jahre, bei schwulen und bisexuellen jungen Männern 2,9 Jahre. Bei Trans*-Mädchen und -Frauen waren es 6,8 Jahre, bei Trans*-Jungen und -Männern 4,1 Jahre und bei gender*diversen Jugendlichen 3,5 Jahre. Im Einzelfall verbergen sich hinter diesen Mittelwerten Zeiträume von mehr als zehn Jahren.

Die befürchtete Ablehnung bleibt meist aus, aber die Sorge war real

Vor dem Coming Out fürchteten 74 Prozent der Jugendlichen die Ablehnung durch Freund:innen und 69 Prozent die durch Familienmitglieder. Zwei Drittel (66 Prozent) erwarteten verletzende Bemerkungen oder Blicke, 61 Prozent Probleme in Bildung und Beruf. Das erste äußere Coming Out fand meistens im Freundeskreis statt. Die Reaktionen darauf bewerteten die Jugendlichen überwiegend als sehr gut oder gut. Die Befürchtung vor Freund:innen bestätigte sich für die meisten nicht.

Das DJI betont zugleich, dass die positiven Reaktionen die Ängste nicht ungeschehen machen: Die Sorgen waren real, und Familie wird von den Befragten als schwierigster Bereich bewertet. Auch der Freundeskreis ist kein diskriminierungsfreier Raum. Bei 28 Prozent wurde im Freundeskreis eine Person gegen ihren Willen geoutet. Wer ein Coming Out selbstbestimmt plant und vorbereitet, erlebt es nach der Studie eher positiv. Für einen kleinen Teil der Jugendlichen geschieht es nicht freiwillig, und diese Fälle werden deutlich negativer erlebt.

Merke

Ein Coming Out ist freiwillig. Das Outing, also die Bekanntgabe der Identität einer Person ohne deren Zustimmung, nimmt ihr die Entscheidung über Zeitpunkt und Kreis.

Coming Out bleibt eine Entscheidung, die sich immer wieder neu stellt

Das DJI beschreibt das Coming Out als lebenslangen Prozess, weil sich nicht heterosexuelle und nicht cisgeschlechtliche Personen immer wieder fragen müssen, in welchen Lebensbereichen sie sich zu erkennen geben wollen. Der Hintergrund ist die Heteronormativität, also die Annahme, alle seien heterosexuell und cisgeschlechtlich: Wer sie richtigstellt, outet sich zwangsläufig. Die Studie benennt auch ein Dilemma: Ein Coming Out erleichtert eine offene und selbstbestimmte Lebensführung und kann damit eine Strategie der Emanzipation sein. Es kann aber auch als normativer Bekenntniszwang verstanden und gefordert werden. Jede Person muss das für sich aushandeln.

Wie weit Offenheit verbreitet ist, zeigt die dritte Erhebung der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) von 2023 mit 100.577 Befragten, veröffentlicht im Mai 2024. Danach sind 52 Prozent der befragten LGBTI-Personen offen in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder -ausdruck und Geschlechtsmerkmale, 2019 waren es 46 Prozent. Die Zahl sagt nichts darüber, ob sich jemand in allen Lebensbereichen zu erkennen gibt. Zugleich vermeiden 54 Prozent in der Öffentlichkeit, mit einer gleichgeschlechtlichen Partnerin oder einem Partner Händchen zu halten, weil sie Angriffe fürchten. Offenheit hat also auch mit Sicherheit zu tun, und die Entscheidung bleibt individuell.

Der Coming Out Day am 11. Oktober und der Umgang als Umfeld

Seit 1988 wird in den USA am 11. Oktober der National Coming Out Day begangen. Er wurde laut den geprüften Berichten von Robert Eichberg und Jean O’Leary ins Leben gerufen und knüpft an den Marsch auf Washington für die Rechte von Lesben und Schwulen von 1987 an. Der Ablauf im Einzelnen konnte hier nicht an einer Primärquelle belegt werden. In Deutschland wird der Tag ebenfalls am 11. Oktober genannt.

Für das Umfeld folgt aus den Befunden: Wer ein Coming Out erlebt, kann Vertrauen zeigen, zuhören und die Information nicht weitergeben. Ob und wem etwas erzählt wird, entscheidet die Person selbst. Bei trans Personen gehört dazu, den gewählten Namen und die Pronomen zu verwenden und Deadnaming sowie Misgendering zu vermeiden. Unterstützung zeigt sich in Allyship und in Räumen, die sich wie ein Safe Space anfühlen.

Coming Out ist kein einmaliges Ereignis, sondern eine Entscheidung, die jede Person in jedem neuen Umfeld selbst trifft.

Kerngedanke

Quelle: bpb (Sauer 2018): LSBTIQ-Lexikon, Coming-out / Deutsches Jugendinstitut (Krell/Oldemeier 2015): Coming-out und dann…?! / FRA (2024): LGBTIQ equality at a crossroads: progress and challenges (abgerufen 31.10.2026) / Queer-Lexikon: Coming Out (abgerufen 31.10.2026) / Ohio History Connection: The Ohio Origins of National Coming Out Day

Wer über die eigene Orientierung sprechen möchte, findet im Blog Hinweise dazu, was Coming Out von Outing unterscheidet: Deine Geschichte, dein Tempo: Was Coming out von Outing unterscheidet.


Das könnte dich auch interessieren

  • Queer: der Oberbegriff, unter dem sich viele Personen mit abweichender Orientierung oder Identität verorten
  • Heteronormativität: die Annahme, alle Personen seien heterosexuell und cisgeschlechtlich
  • Queerfeindlichkeit: Ablehnung und Abwertung queerer Personen
  • Deadnaming: die Nennung des früheren Namens einer trans Person
  • Allyship: solidarische Unterstützung durch Personen, die selbst nicht betroffen sind
  • Bisexualität: Anziehung zu mehreren Geschlechtern

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

Teilen

Weitere Bereiche

Blog, Demonstrationen und Shop auf einen Blick

Aus dem Blog

Vor Ort

Aus dem Shop
"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Front Print - Organic Oversize Hoodie

"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Front Print – Organic Oversize Hoodie

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Back Print - Organic Basic Hoodie

"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Back Print – Organic Basic Hoodie

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Front Print - Organic Shirt

"Destroy The Patriarchy Not The Planet" Front Print – Organic Shirt

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Math Rainbow" Front Print - Organic Oversize Shirt

"Math Rainbow" Front Print – Organic Oversize Shirt

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

"Math Rainbow" Front Print - Organic Basic Hoodie

"Math Rainbow" Front Print – Organic Basic Hoodie

Aktuell nicht bestellbar
Zum Produkt →

Vertrag widerrufen