Klimarassismus


Kompakt erklärt

Klimarassismus beschreibt die Ungleichverteilung der Folgen des Klimawandels entlang rassistischer und kolonialer Machtstrukturen: Die Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, leiden am stärksten unter ihren Folgen.

Die Länder des Globalen Nordens – Regionen, die durch Industrialisierung und koloniale Ressourcenausbeutung den Großteil der historischen Treibhausgasemissionen verursacht haben – sind gleichzeitig am besten vor Klimafolgen geschützt. BIPoC-Gemeinschaften (Black, Indigenous and People of Color – Schwarze, indigene und People of Color) und Länder des Globalen Südens tragen dagegen überproportionale Risiken.

Der Begriff hat zwei Dimensionen: erstens eine strukturelle – die weltweite Ungleichverteilung von Klimafolgen; zweitens eine politisch-ideologische – rechte Akteur*innen, die Klimaleugnung mit nationalistischen Narrativen verbinden, um rassistische Machtverhältnisse zu verteidigen.

Sein englisches Pendant ist „environmental racism” (Umweltrassismus), geprägt 1982 im Widerstand gegen eine Giftmülldeponie in einem mehrheitlich Schwarzen Viertel in Warren County, North Carolina.


Für Neugierige

Die strukturelle Dimension ist empirisch gut belegt: Laut IPCC AR6 sind Länder des Globalen Südens zwei- bis dreifach vulnerabler gegenüber Klimafolgen als Länder des Nordens – bei deutlich geringeren historischen Emissionen. Hurrikanschäden, Dürren, Überschwemmungen und steigende Meeresspiegel treffen besonders stark Gemeinschaften, die durch Kolonialismus und systematische Unterentwicklung ohnehin weniger Ressourcen zur Anpassung haben.

Die politisch-ideologische Dimension analysieren Matthias Quent, Christoph Richter und Axel Salheiser in Klimarassismus: Der Kampf der Rechten gegen die ökologische Wende (Piper, 2022): Sie zeigen, wie rechte Netzwerke Klimaleugnung strategisch einsetzen, weil effektiver Klimaschutz strukturellen Wandel erfordern würde, der bestehende Machtverhältnisse bedroht.

Wichtig: Struktureller Klimarassismus funktioniert auch ohne individuelle diskriminierende Absicht. Wer von bestehenden Verhältnissen profitiert, ohne sie zu hinterfragen, trägt sie mit.

Intersektionalität ist dabei zentral: Innerhalb des Globalen Südens sind es erneut marginalisierte Gruppen – Frauen, Menschen mit geringem Einkommen, queere Menschen – die überproportional betroffen sind.

Klimarassismus ist kein Randthema, sondern eine Grundbedingung jeder ernsthaften Diskussion über Klimagerechtigkeit.

Quellen: Quent, M., Richter, C. & Salheiser, A. (2022). Klimarassismus: Der Kampf der Rechten gegen die ökologische Wende. Piper. · IPCC (2023). Climate Change 2023: Synthesis Report. doi:10.59327/IPCC/AR6-9789291691647 · Nene Opoku / FARN (2022). Von Umweltrassismus zu Klimagerechtigkeit?


Verwandte Begriffe: Klimagerechtigkeit · Environmental Justice · Intersektionalität · Loss and Damage · Ökofeminismus