Brain Fog


Einfach erklärt

Brain Fog (deutsch: Gehirnnebel) bezeichnet ein Symptom neurokognitiver Beeinträchtigung: verlangsamte Informationsverarbeitung, eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Wortfindungsstörungen und Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. Brain Fog ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das bei verschiedenen Erkrankungen auftreten kann: bei ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), Long COVID, Fibromyalgie, Lupus, multipler Sklerose und anderen chronischen Erkrankungen.

Betroffene beschreiben das Gefühl als „verklebt denken“: Gedanken kommen nicht dort an, wo sie sollen. Einfache Aufgaben erscheinen plötzlich unüberwindlich. Brain Fog verschlimmert sich häufig nach körperlicher oder geistiger Anstrengung. Dieses Phänomen heißt Post-Exertional Malaise (PEM): eine Verschlechterung aller Symptome nach Belastung, auch wenn diese Belastung im Vergleich zu vor der Erkrankung minimal ist.

Brain Fog ist keine rein subjektive Erfahrung ohne körperliche Grundlage. Bildgebende Verfahren zeigen bei ME/CFS und Long COVID messbare Veränderungen: eine reduzierte zerebrale Durchblutung, veränderte neurovaskuläre Kopplung und einen reduzierten Hirnstoffwechsel. Das Gehirn erhält in bestimmten Regionen zu wenig Blut. Das beeinträchtigt das Denken messbar.


Ausführlich erklärt

Brain Fog ist eines der am häufigsten missverstandenen Symptome chronischer Erkrankungen. Wer „verschleiert“ denkt, sieht von außen nicht krank aus. Das führt zu Medical Gaslighting: Betroffene werden aufgefordert, sich mehr anzustrengen, als psychosomatisch abgetan oder in ihrer Selbstwahrnehmung nicht ernst genommen. Dabei trifft Medical Gaslighting bei chronischen Erkrankungen marginalisierte Gruppen überproportional: Menschen aus einkommensarmen Verhältnissen und People of Color erhalten ME/CFS- und Long-COVID-Diagnosen seltener, später und mit mehr Widerstand.

Besonders bei Long COVID hat Brain Fog neue öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. In Studien gehörte er zu den fünf häufigsten anhaltenden Symptomen: 58,4 Prozent der Betroffenen berichteten nach sechs Monaten noch von kognitiven Einschränkungen. Die Erkenntnisse aus der Long-COVID-Forschung kommen auch der ME/CFS-Forschung zugute, einer Erkrankung, die über Jahrzehnte systematisch nicht ernst genommen wurde.

Die Behandlung folgt denselben Prinzipien wie das Management von ME/CFS: konsequentes Pacing (die eigene Energiemenge kennen und nicht überschreiten), Stressreduktion und gezielte Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung, wo das möglich ist. Eine zugelassene medikamentöse Behandlung für Brain Fog selbst gibt es bislang nicht.

Quellen: Deutsche Gesellschaft für ME/CFS: Brain Fog. / Robert Koch Institut: Long COVID – Häufig gestellte Fragen.


Verwandte Begriffe: ME/CFS · Chronische Erkrankung · Medical Gaslighting · Pacing · Fibromyalgie




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