- Auch bekannt als
- Korallenbleichen, englisch coral bleaching
- Hauptursache
- zu warmes Meerwasser über mehrere Wochen
- Schwelle
- 1 °C über dem Sommerhöchstwert eines Ortes (NOAA)
- Jüngstes Großereignis
- vierte globale Bleiche, 2023 bis Mitte 2025
Einfach erklärt
Korallen sind Tiere. Riffbildende Korallen bestehen aus winzigen Polypen, die ein Skelett aus Kalk bauen. In ihrem Gewebe leben einzellige Algen, die Zooxanthellen (heute ordnen Fachleute sie der Familie Symbiodiniaceae zu). Beide Seiten profitieren: Die Algen betreiben Fotosynthese, und laut der US-Behörde NOAA gehen bis zu 90 Prozent des so erzeugten organischen Materials an die Koralle. Die Algen sind außerdem für die Farben vieler Steinkorallen verantwortlich.
Wird das Wasser zu warm, stoßen die Polypen die Algen aus. Die Kolonie wirkt dann strahlend weiß, das ist die Korallenbleiche. Nach NOAA beginnt der Hitzestress, wenn die Wassertemperatur 1 °C über dem höchsten Monatsmittel des Sommers liegt. Dauert die Hitze an, fehlt den Korallen ihre wichtigste Nährstoffquelle, und sie sterben.
Die Korallenbleiche ist deshalb ein sichtbares Warnsignal der Klimakrise. Je mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, desto wärmer werden die Meere, und desto öfter bleichen Riffe.
Merke
Gebleichte Korallen sind nicht automatisch tot. Lässt der Stress rechtzeitig nach, können sie sich erholen. Hält er an, sterben sie.
Ausführlich erklärt
Wie es zur Bleiche kommt
Auslöser ist meist Hitze, oft verstärkt durch starkes Sonnenlicht. Nach einer Übersichtsarbeit von Weis (2008) spielen reaktive Sauerstoffverbindungen eine zentrale Rolle: Sie entstehen bei Stress in den Zellmembranen und schädigen Alge und Koralle. Auch kaltes Wasser kann Korallen bleichen, wie im Januar 2010 in den Florida Keys. Für die Klimakrise zählt jedoch vor allem die Wärme.
Wie viel Hitze eine Koralle aushält, hängt von Stärke und Dauer ab. NOAA addiert dafür den Hitzestress der letzten zwölf Wochen zu den Degree Heating Weeks (Hitzestress-Wochen). Bei 4 °C-Wochen ist Bleiche auf ganzen Riffen zu erwarten, bei 8 °C-Wochen und mehr auch das Absterben hitzeempfindlicher Korallen.
Der Weltklimarat IPCC fasst zusammen: Schon 1 °C über dem Sommerhöchstwert über vier bis sechs Wochen reicht für Massenbleiche und Korallensterben. Eine Erholung kann lange dauern. Das Netzwerk GCRMN berichtet, dass sich die weltweite Korallenbedeckung nach der Bleiche von 1998 innerhalb eines Jahrzehnts wieder erholte, sofern keine neuen Störungen kamen. Nach Massensterben dauert die Erholung laut IPCC oft länger als 15 Jahre.
Globale Bleichereignisse
Nach NOAA gab es bisher vier globale Bleichereignisse: 1998, 2010, von 2014 bis 2017 und von Anfang 2023 bis Mitte 2025. Das dritte war laut NOAA das längste und am weitesten verbreitete, mehr als 70 Prozent der Riffe erlebten Hitzestress, der Bleiche oder Sterben auslösen kann. Das vierte bestätigte NOAA am 15. April 2024. Es traf 84 Prozent der Riffflächen, Massenbleiche wurde in mindestens 83 Ländern und Gebieten dokumentiert.
Seit 1998 fiel jeder starke El Niño mit einem globalen Bleichereignis zusammen, und der Hitzestress wurde mit jedem Ereignis größer. Derek Manzello von NOAA Coral Reef Watch geht davon aus, dass Riffe künftig fast jedes Jahr bleichen.
Hughes und andere werteten 2018 Bleichmeldungen von 100 Riffstandorten aus. Der mittlere Abstand zwischen zwei schweren Bleichen sank seit 1980 auf nur noch 6 Jahre. Das genügt nicht, um reife Korallengemeinschaften wieder aufzubauen. Die Meerestemperaturen sind heute selbst in kühleren La-Niña-Phasen höher als in El-Niño-Jahren vor drei Jahrzehnten.
Auf dem Great Barrier Reef zeigten Hughes und andere 2017 für die Bleiche von 2016, dass Wasserqualität und Fischerei kaum einen Unterschied machten. Lokaler Schutz bietet demnach bei extremer Hitze wenig oder keinen Widerstand. Auf den Malediven senkte ein El-Niño-Ereignis 2016 laut IPCC die Bedeckung mit lebenden Korallen um 75 Prozent.
Prognosen und Kipppunkt
Der IPCC-Sonderbericht zu 1,5 °C (2018) projiziert für 1,5 Grad Erwärmung einen weiteren Rückgang der Korallenriffe um 70 bis 90 Prozent, bei 2 °C um mehr als 99 Prozent. Die Angabe bezieht sich auf den Stand von heute. Die Annahmen der Modelle stuft der Bericht als sehr konservativ ein. Der Sachstandsbericht von 2022 hält fest, dass Wiederherstellungsmaßnahmen jenseits von 1,5 °C wirkungslos sein können.
Zwei Zahlen, zwei Fragen
Der Global Tipping Points Report 2025 stellt eine andere Frage als der IPCC: nicht, wie viel Koralle verloren geht, sondern ab welcher Temperatur Riffe als Ökosystem kippen. Die zentrale Schätzung liegt bei 1,2 °C über vorindustriell, die Spanne bei 1 bis 1,5 °C. Der Bericht sieht die zentrale Schätzung bereits überschritten und hält ein Kippen auch bei 1,5 °C ohne Überschreitung für praktisch sicher (über 99 Prozent Wahrscheinlichkeit).
Korallen reagieren schon auf ein Grad über dem Sommerhöchstwert, das macht Riffe zu einem Frühwarnsystem für das Klima.
Kerngedanke
Wer die Folgen trägt
Riffe bedecken laut GCRMN nur 0,2 Prozent des Meeresbodens, bieten aber mindestens 25 Prozent der Meeresarten einen Lebensraum und sichern Küstenschutz, Nahrung und Einkommen für Hunderte Millionen Menschen. Bricht das Riff weg, verlieren auch Fischerei und Tourismus ihre Grundlage. Der IPCC betont, dass davon oft benachteiligte Küstenbevölkerung betroffen ist.
Besonders deutlich ist das auf kleinen Inseln. Der Weltklimarat dokumentiert schwere Bleiche und Korallenverluste unter anderem auf Guam, Fidschi, Palau, Vanuatu, den Komoren, Mauritius, den Seychellen und den Malediven. Zugleich trugen die am wenigsten entwickelten Länder zwischen 1850 und 2019 laut IPCC weniger als 0,4 Prozent der historischen CO₂-Emissionen aus fossilen Quellen bei, kleine Inselentwicklungsstaaten 0,5 Prozent. Das macht den Riffverlust zur Frage von Klimagerechtigkeit und von Verlusten und Schäden. Betroffen sind aber auch reiche Länder, etwa Australien und die USA mit dem Great Barrier Reef und Floridas Riffen.
Die Quellen stammen überwiegend von US-amerikanischen und internationalen Behörden und aus der Forschung. Die Sicht der Menschen vor Ort kommt hier nur vermittelt über diese Berichte vor.
Was Hoffnung macht
Nicht alle Riffe bleichen bei gleicher Hitze. NOAA erforscht, warum manche Korallen widerstandsfähiger sind. Laut GCRMN hatte das Korallendreieck in Ostasien 2019 im Schnitt sogar mehr Korallen als drei Jahrzehnte zuvor. Entscheidend bleibt nach GCRMN, die Emissionen im Sinne des Pariser Abkommens zu senken. Lokale Belastungen wie Verschmutzung, Überfischung und Küstenbebauung zu verringern, lässt Riffen mehr Spielraum zur Erholung. Der IPCC führt den Rückgang der Riffe um etwa die Hälfte in den 30 Jahren bis 2018 auf Verschmutzung, Stürme, Überfischung und Küstenbebauung zurück und nennt den Klimawandel inzwischen die größte Bedrohung.
Quellen: NOAA National Ocean Service: What is zooxanthellae? / NOAA National Ocean Service: What is coral bleaching? / NOAA Coral Reef Watch: Degree Heating Week Product / NOAA Coral Reef Watch: Global Coral Bleaching 2014-2017 / NOAA NESDIS (2026): World’s Fourth Mass Coral Bleaching Event Likely Ended in 2025 / IPCC (2018): Special Report on Global Warming of 1.5°C, Summary for Policymakers, B.4.2 / IPCC (2018): Special Report on Global Warming of 1.5°C, Kapitel 3 / IPCC (2022): AR6 Working Group II, Kapitel 15 (Small Islands) / IPCC (2022): AR6 Working Group III, Summary for Policymakers, B.3.2 / GCRMN (2021): Status of Coral Reefs of the World 2020, Executive Summary / Global Tipping Points Report (2025): Warm-water coral reefs / Hughes et al. (2018): Spatial and temporal patterns of mass bleaching of corals in the Anthropocene, Science / Hughes et al. (2017): Global warming and recurrent mass bleaching of corals, Nature / Weis (2008): Cellular mechanisms of Cnidarian bleaching, Journal of Experimental Biology / LaJeunesse et al. (2018): Systematic Revision of Symbiodiniaceae, Current Biology
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