Anthropozän


Kompakt erklärt

Anthropozän bezeichnet ein vorgeschlagenes geologisches Zeitalter, das durch den dominierenden Einfluss des Menschen auf das Erdsystem definiert wird. Der Begriff setzt sich zusammen aus „Anthropos“ (griechisch: Mensch) und „-zän“ (von kainos: neu). Die Idee: Seit der Industrialisierung, intensiviert nach dem Zweiten Weltkrieg, haben menschliche Aktivitäten die Erde so tiefgreifend verändert, dass diese Spuren in der Gesteinsschicht nachweisbar sind.

Dazu gehören erhöhte CO₂-Konzentrationen in Eisbohrkernen, weltweite Verbreitung von Kunstdüngerrückständen, Plutonium aus Atomwaffentests und eine massive Verschiebung der Artenverteilung. Das Anthropozän ist kein festes Datum, sondern ein Konzept: Es fragt, welche Verantwortung der Mensch als geologische Kraft trägt.


Für Neugierige

Der Begriff wurde 2000 vom Nobelpreisträger Paul Crutzen und Eugene Stoermer geprägt. Die International Commission on Stratigraphy (ICS), die über geologische Zeitabschnitte entscheidet, hat das Anthropozän 2024 formell als eigenständige Epoche abgelehnt. Ein Grenzmarker in Sedimentkernen des Crawford Lake in Kanada war zwar identifiziert worden, doch der wissenschaftliche Konsens über Anfangsdatum und Abgrenzung reichte nicht aus.

Trotz dieser formalen Entscheidung ist das Konzept wissenschaftlich und kulturell wirkmächtig. Es verknüpft Planetare Grenzen, den Verlust der Biodiversität und den Klimawandel zu einem gemeinsamen Narrativ: Das Erdsystem ist aus dem Gleichgewicht, weil eine Spezies die Parameter verändert hat, die andere Arten und zukünftige Generationen am Leben erhalten. Die ethische Frage bleibt: Wer im „Anthropozän“ ist eigentlich gemeint? Nicht alle Menschen haben gleichermaßen zu dieser Situation beigetragen.

Quellen: Crutzen & Stoermer, „The Anthropocene“, IGBP Newsletter 41 (2000); Waters et al., „The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene“, Science (2016); ICS Statement on Anthropocene Working Group (2024).


Verwandte Begriffe: Planetare Grenzen · Biodiversität · Klimawandel · Ökozid · Treibhauseffekt