- Hauptverantwortung
- Länder des Globalen Nordens, historisch durch fossile Energien
- Hauptbetroffen
- Länder des Globalen Südens
- Aktuelles Beispiel
- Rohstoffabbau für die Energiewende
Einfach erklärt
Klimakolonialismus beschreibt, wie sich koloniale Machtstrukturen in der Klimakrise fortsetzen: Länder des Globalen Nordens haben ihren Wohlstand historisch mit fossilen Energien aufgebaut und tragen die Hauptverantwortung für die Erderwärmung, während die Folgen wie Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle überproportional Länder des Globalen Südens treffen, die historisch am wenigsten zur Krise beigetragen haben.
Die Zahlen belegen das deutlich: Laut einer Analyse des Datenportals Carbon Brief leben in den Industrieländern USA, Russland, Deutschland, Großbritannien, Japan und Kanada nur 10 Prozent der Weltbevölkerung, auf deren Konto aber 39 Prozent der historischen CO2-Emissionen seit 1850 gehen. In China, Indien, Brasilien und Indonesien leben dagegen 42 Prozent der Weltbevölkerung, verantwortlich für nur rund 23 Prozent der Emissionen.
Merke
Klimakolonialismus setzt sich dabei nicht nur in der Vergangenheit fort: Auch aktuelle Klimaschutzmaßnahmen können neue Formen kolonialer Abhängigkeit schaffen, wenn der Globale Süden erneut vor allem als Rohstofflieferant behandelt wird.
Ausführlich erklärt
Besonders sichtbar wird das am Beispiel kritischer Rohstoffe für die Energiewende: Laut den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestags stammen wichtige Rohstoffe für Batterien und erneuerbare Energien, etwa Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo oder Lithium und Seltene Erden aus weiteren afrikanischen Ländern, überwiegend aus dem Globalen Süden. Der Abbau geht dabei häufig mit Kinderarbeit, unsicheren Arbeitsbedingungen, Wasserverschmutzung und Landverlust einher, während die eigentliche Wertschöpfung, also Weiterverarbeitung und Produktion der fertigen Batterien oder Solaranlagen, größtenteils in Industrieländern oder China stattfindet.
Kritiker*innen sprechen deshalb auch von Green Grabbing, einer grünen Variante der Landnahme, bei der indigene und lokale Gemeinschaften für Klimaschutzprojekte oder Rohstoffabbau von ihrem Land vertrieben werden, oft im Namen desselben Klimaschutzes, der ihnen eigentlich zugutekommen sollte.
Echte Klimagerechtigkeit müsste auch faire Handelsbeziehungen und Wertschöpfung vor Ort mitdenken, nicht nur die Emissionsbilanz.
Kerngedanke
Quelle: taz: Analyse zu CO2-Emissionen seit 1850 (Carbon Brief) / Wissenschaftliche Dienste des Bundestags: Kritische Rohstoffe aus Afrika für die Energiewende