Klima & Erde

Artensterben

Artensterben einfach erklärt: wie Aussterben gezählt wird, was IPBES und Rote Liste nennen, welche Ursachen wirken und was Schutz bewirken kann.

8 Min. LesezeitAktualisiert am 17.10.2026
Auf einen Blick

Bedeutung
Dauerhaftes Verschwinden einer Art, wenn das letzte Lebewesen gestorben ist
Bedroht
Laut IPBES (2019) rund 1 Million von geschätzt 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten
Tempo
Mindestens zehn- bis hundertfach über dem Durchschnitt der letzten 10 Millionen Jahre
Rote Liste
49.505 von 175.909 bewerteten Arten gelten als bedroht (IUCN, Stand Oktober 2026)

Einfach erklärt

Artensterben bezeichnet das dauerhafte Verschwinden von Tier-, Pflanzen- und anderen Arten. Eine Art gilt als ausgestorben, wenn kein lebendes Exemplar mehr existiert.

Aussterben gehört zur Geschichte des Lebens. Laut dem Paläontologen David Raup (1994) ist die Zahl der Aussterbeereignisse in der Erdgeschichte fast so groß wie die der Neuentstehungen von Arten. Heute ist das Tempo aber ein anderes: Der Weltbiodiversitätsrat IPBES schätzt, dass rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind und dass die Aussterberate bereits mindestens zehn- bis hundertfach über dem Durchschnitt der vergangenen 10 Millionen Jahre liegt. Verantwortlich ist vor allem menschliches Handeln.

Merke

Eine ausgestorbene Art ist verloren. Wer ihren Lebensraum schützt, kann sie halten.


Ausführlich erklärt

Wie Aussterben festgestellt und gezählt wird

Die wichtigste Datenbasis ist die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Sie ordnet Arten in neun Kategorien ein, von „ausgestorben“ (Extinct) und „in der Natur ausgestorben“ (Extinct in the Wild) über „vom Aussterben bedroht“, „stark gefährdet“ und „gefährdet“ bis „nicht gefährdet“ und „unzureichende Datenlage“. Als bedroht gelten die drei Stufen Critically Endangered, Endangered und Vulnerable. Laut der Seite der IUCN waren beim Abruf am 15. Oktober 2026 175.909 Arten bewertet, davon 49.505 als bedroht eingestuft.

Diese Zahlen sind kein Anteil an allen Arten der Erde, denn die meisten sind noch nicht bewertet. Deshalb rechnet der IPBES hoch. In gründlich untersuchten Gruppen gelten durchschnittlich rund 25 Prozent der Arten als bedroht. Bei geschätzt 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten, von denen 75 Prozent Insekten sind, ergibt das rund 1 Million bedrohter Arten, viele binnen Jahrzehnten, wenn die Treiber nicht gebremst werden. Für Insekten ist der Anteil unsicher: Der IPBES nennt vorsichtig 10 Prozent.

Für Wirbeltiere ist das Verschwinden am besten belegt: Der IPBES zählt mindestens 680 Wirbeltierarten, die seit 1500 durch menschliche Handlungen ausgestorben sind. Jüngstes Beispiel im Bericht ist die Pinta-Riesenschildkröte auf den Galápagos-Inseln (2012).

rund 1 Mio.Arten sind laut IPBES (2019) vom Aussterben bedroht, von geschätzt 8 Millionen
mindestens 680Wirbeltierarten sind seit 1500 durch menschliche Handlungen ausgestorben
29 %geringeres Aussterberisiko bei Säugetieren und Vögeln durch Schutzinvestitionen 1996 bis 2008 (Median pro Land, 109 Länder)

Wie schnell es geht und ob es ein sechstes Massenaussterben ist

In der Erdgeschichte gab es fünf Massenaussterben. Die Fachliteratur versteht darunter Phasen, in denen die Erde in geologisch kurzer Zeit mehr als drei Viertel ihrer Arten verliert, was in den vergangenen rund 540 Millionen Jahren fünfmal geschah. Ob die Gegenwart ein sechstes ist, klären Rechnungen zur Aussterberate. Barnosky und weitere Forschende prüften das 2011 in „Nature“ als offene Frage und bestätigten, dass die heutigen Raten über dem liegen, was der Fossilbericht erwarten lässt. Ceballos und weitere Forschende kamen 2015 mit bewusst vorsichtigen Annahmen zu dem Schluss, die durchschnittliche Aussterberate bei Wirbeltieren im letzten Jahrhundert sei bis zu 100-mal höher als die Hintergrundrate. Die Arten, die im letzten Jahrhundert verschwanden, hätten bei der Hintergrundrate je nach Tiergruppe zwischen 800 und 10.000 Jahre gebraucht.

Nicht nur Arten, auch Bestände schwinden

Bevor eine Art ausstirbt, schrumpfen ihre Bestände und Verbreitungsgebiete. Ceballos, Ehrlich und Dirzo untersuchten 2017 rund 27.600 Wirbeltierarten und fanden, dass 32 Prozent davon an Bestand und Verbreitung verlieren, auch Arten, die als „nicht gefährdet“ gelten. Von 177 genauer untersuchten Säugetierarten hatten alle mindestens 30 Prozent ihres Verbreitungsgebiets verloren. Bei Wirbellosen zeigten laut Dirzo und weiteren Forschenden (2014) 67 Prozent der überwachten Bestände im Mittel einen Rückgang um 45 Prozent.

Für Deutschland gibt es eine konkrete Messung: Hallmann und weitere Forschende ermittelten 2017 mit standardisierten Fallen in 63 Schutzgebieten über 27 Jahre einen Rückgang der Biomasse fliegender Insekten um durchschnittlich 76 Prozent, im Hochsommer um 82 Prozent. Mehr im Eintrag zum Insektensterben. Außerdem haben laut IPBES von den geschätzt 5,9 Millionen Landarten mehr als 500.000 nicht genug Lebensraum für ein langfristiges Überleben, viele von ihnen sind binnen Jahrzehnten zum Aussterben verurteilt, wenn ihre Lebensräume nicht wiederhergestellt werden.

Ursachen: fünf Treiber

Der IPBES nennt fünf direkte Treiber, geordnet nach ihrem bisherigen Gewicht: Änderungen der Land- und Meeresnutzung, direkte Entnahme von Organismen (Fischerei, Jagd), Klimawandel, Verschmutzung (zum Beispiel durch Pestizide) und invasive gebietsfremde Arten.

Zwei Beispiele: In den artenreichen Tropen gingen von 1980 bis 2000 etwa 100 Millionen Hektar Wald verloren, vor allem für Rinderweiden in Lateinamerika (rund 42 Millionen Hektar) und Plantagen in Südostasien (rund 7,5 Millionen Hektar, davon 80 Prozent Ölpalmen). Das zweite Beispiel ist der Chinesische Löffelstör: Eine Übersichtsarbeit von 2023 führt sein Verschwinden auf eine Kombination aus Überfischung, Dammbauten, die seine Laichwanderungen blockierten, und Verschmutzung zurück, obwohl die Art Millionen Jahre überdauert hatte.

Beim Klima rechnet der IPBES mit einer Synthese vieler Studien: Der Anteil der Arten, die klimabedingt aussterben könnten, liegt bei 5 Prozent bei 2 Grad Erwärmung und steigt auf 16 Prozent bei 4,3 Grad.

Artensterben folgt keiner Naturlaune, sondern Entscheidungen darüber, wie Land, Meere und Nahrung genutzt werden.

Kerngedanke

Wer verursacht es, wer trägt die Folgen?

Das Bild ist nicht einfach „Nord gegen Süd“. Laut IPBES ist die Entnahme von Biomasse für Inlandsverbrauch und Export ist in Entwicklungsländern am höchsten, der Materialverbrauch pro Kopf aber in Industrieländern. Intakte Ökosysteme gingen vor allem in den Tropen verloren, wo die höchste Artenvielfalt liegt. Solche Zusammenhänge behandeln auch Klimagerechtigkeit, Umweltgerechtigkeit und der Eintrag zum Kolonialismus. Mindestens ein Viertel der Landfläche wird traditionell von indigenen Völkern bewirtschaftet oder bewohnt, doch 72 Prozent der lokalen Indikatoren dieser Gemeinschaften zeigen negative Trends in der Natur, von der ihre Lebensgrundlagen abhängen.

Was dagegen wirkt

Aussterben lässt sich verhindern. Der IPBES berichtet, dass Schutzmaßnahmen mindestens 26 Vogel- und 6 Huftierarten vor dem Aussterben bewahrt haben, darunter die Arabische Oryx und das Przewalski-Pferd. Investitionen in Schutz senkten von 1996 bis 2008 das Aussterberisiko bei Säugetieren und Vögeln in 109 Ländern im Mittel um 29 Prozent pro Land. Politisch greift das Kunming-Montreal-Rahmenwerk von 2022: Sein Ziel A sieht vor, das vom Menschen verursachte Aussterben bekannter bedrohter Arten zu stoppen und bis 2050 die Aussterberate und das Aussterberisiko aller Arten um das Zehnfache zu senken. Ziel 4 verlangt dafür dringende Maßnahmen zur Erholung und zum Erhalt bedrohter Arten. Mehr dazu im Eintrag zur Biodiversität und zum Artenschutz.

Was der Begriff nicht sagt

Die Zahlen sind Schätzungen mit Unsicherheit: Die 1 Million bedrohter Arten ist eine Hochrechnung, keine Zählung. „Bedroht“ heißt nicht „ausgestorben“, und Beständeschwund ist nicht dasselbe wie Artverlust. Der Begriff „sechstes Massenaussterben“ deutet die Raten und ist keine abgeschlossene Feststellung. Schutzgebiete allein stoppen den Verlust nicht, solange die Treiber wirken. Wie Naturschutz und Marketing zusammenspielen, zeigt das Stichwort Greenwashing.

Was du tun kannst

  1. Heimische Pflanzen fördern: Balkon oder Garten mit ungefüllten Blühpflanzen bepflanzen und Teile ungemäht lassen.
  2. Beim Einkauf auf Herkunft und Anbauweise achten, etwa bei Palmöl, Fleisch, Fisch und Holz, und Siegel prüfen.
  3. Die Natur vor Ort melden und schützen: Artenvielfalt-Zählungen unterstützen und kommunale Flächenplanung hinterfragen.

Quellen: IPBES (2019): Summary for Policymakers of the Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services (Volltext gelesen) / IUCN: The IUCN Red List of Threatened Species, Seite des Sekretariats (abgerufen 15.10.2026) / Barnosky, A. D. u. a. (2011): Has the Earth’s sixth mass extinction already arrived? Nature 471, S. 51 bis 57 (Zusammenfassung gelesen) / Ceballos, G. u. a. (2015): Accelerated modern human-induced species losses: Entering the sixth mass extinction. Science Advances 1 (5), e1400253 (Zusammenfassung gelesen) / Ceballos, G., Ehrlich, P. R. und Dirzo, R. (2017): Biological annihilation via the ongoing sixth mass extinction signaled by vertebrate population losses and declines. PNAS 114 (30) (Zusammenfassung gelesen) / Dirzo, R. u. a. (2014): Defaunation in the Anthropocene. Science 345 (6195), S. 401 bis 406 (Zusammenfassung gelesen) / Raup, D. M. (1994): The role of extinction in evolution. PNAS 91 (15), S. 6758 bis 6763 (Zusammenfassung gelesen) / Hallmann, C. A. u. a. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE 12 (10), e0185809 (Zusammenfassung gelesen) / The Extinction of the Chinese Paddlefish Psephurus gladius: Transnationalism, Technology Transfer, and Timescape. Reviews in Fisheries Science and Aquaculture 31 (2023) (Zusammenfassung gelesen) / Konferenz der Vertragsparteien der CBD (19.12.2022): Entscheidung 15/4, Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (Volltext gelesen)

Was noch unentdeckt ist, zeigt der Blogartikel Geisterhaie, Glasschwämme und 1.000 neue Arten. Zu einer besonders bedrohten Gruppe: Wildbienen und die Bestäuberkrise.


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Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Ich habe ihn selbst geprüft und verantworte als Inhaber den Inhalt. Mehr zur KI-Nutzung

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