- Auch bekannt als
- regenerative Energien, kurz Erneuerbare
- Rechtliche Definition
- § 3 Nr. 21 Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
- Ziel in Deutschland
- mindestens 80 % des Stroms aus erneuerbaren Energien bis 2030
- Größte Lücke
- Wärme (19,0 %) und Verkehr (8,0 %)
Einfach erklärt
Strom, Wärme und Mobilität beruhen bis heute zu großen Teilen auf Kohle, Erdöl und Erdgas, die beim Verbrennen Treibhausgase freisetzen. Erneuerbare Energien sind die Alternative dazu.
Erneuerbare Energien, auch regenerative Energien genannt, bezeichnen Energiequellen, die sich in menschlichen Zeiträumen von selbst erneuern oder praktisch unerschöpflich sind: Sonnenstrahlung, Wind, Wasserkraft, Erdwärme (Geothermie) und Biomasse. Fossile Brennstoffe sind dagegen über Jahrmillionen entstanden und lassen sich nach dem Verbrauch nicht nachbilden.
Ein Beispiel: Eine Photovoltaik-Anlage auf einem Dach wandelt Sonnenlicht direkt in Strom um, ein Windrad nutzt die Bewegungsenergie der Luft. Beide verbrennen nichts und setzen im Betrieb keine Treibhausgase frei. Herstellung, Transport und Bau verursachen allerdings Emissionen, und bei der Bioenergie hängt die Bilanz stark davon ab, welcher Rohstoff genutzt wird.
Erneuerbare Energien gelten als tragende Säule der Energiewende, also des Umbaus von Strom-, Wärme- und Verkehrsversorgung weg von fossilen Quellen. In Deutschland deckten sie 2025 nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) 55,1 % des Bruttostromverbrauchs. Weltweit lag ihr Anteil an der Stromerzeugung 2025 laut der Denkfabrik Ember bei 33,8 %.
Merke
Erneuerbar beschreibt die Quelle, nicht automatisch die Umweltbilanz: Bau und Betrieb der Anlagen verursachen Emissionen, brauchen Fläche, und bei Bioenergie hängt die Klimawirkung stark vom Einsatzstoff ab.
Ausführlich erklärt
Was zu den erneuerbaren Energien zählt
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz definiert in § 3 Nr. 21 fünf Gruppen: Wasserkraft einschließlich Wellen-, Gezeiten-, Salzgradienten- und Strömungsenergie, Windenergie, solare Strahlungsenergie, Geothermie sowie Energie aus Biomasse. Zur Biomasse zählen unter anderem Biogas, Deponie- und Klärgas sowie biologisch abbaubare Abfälle. In der Statistik führt das UBA außerdem Umweltwärme auf, etwa aus Wärmepumpen.
Wichtig ist die Unterscheidung nach Sektoren, denn Strom, Wärme und Verkehr kommen unterschiedlich weit voran. In Deutschland stammten 2025 nach dem UBA (Stand März 2026) 55,1 % des Bruttostromverbrauchs (der gesamte im Land verbrauchte Strom einschließlich Netzverlusten) aus erneuerbaren Quellen, aber nur 19,0 % im Wärmesektor und 8,0 % im Verkehr. Über alle Sektoren gerechnet deckten erneuerbare Energien 23,8 % des Bruttoendenergieverbrauchs (Energie für Strom, Wärme und Verkehr zusammen), für 2030 sind 41 % vorgesehen. Der Stromanteil ist also mehr als doppelt so hoch wie der Anteil am gesamten Energieverbrauch.
Klimabilanz über den gesamten Lebensweg
Eine Ökobilanz (Lebenszyklusanalyse) rechnet Herstellung, Bau, Betrieb und Rückbau einer Anlage ein. Das Ergebnis wird in Gramm CO₂-Äquivalenten (g CO₂-Äq.) je erzeugter Kilowattstunde (kWh) angegeben. CO₂-Äquivalente rechnen alle Treibhausgase in ihre Klimawirkung um. Der Weltklimarat IPCC nennt im Fünften Sachstandsbericht (2014) als Mittelwerte (Mediane):
- Kohlekraftwerke: 820 g
- Erdgas-Kombikraftwerke: 490 g
- Biomasse aus Energiepflanzen und Ernterückständen: 230 g
- Photovoltaik: 41 g (Dachanlagen) bis 48 g (Freiflächenanlagen)
- Wasserkraft: 24 g
- Windenergie: 11 g an Land, 12 g auf See
Die Spannen sind teils groß, bei Wasserkraft reichen sie von 1 bis 2.200 g.
Für Deutschland rechnet das UBA mit eigenen Werten für die Herstellungskette: Photovoltaik rund 56 g und Windenergie an Land rund 18 g je kWh. Der Betrieb der Anlagen selbst ist emissionsfrei.
Netto, also abzüglich der verursachten Emissionen, vermieden erneuerbare Energien in Deutschland 2024 nach der UBA-Emissionsbilanz rund 259 Millionen Tonnen CO₂-Äq., davon 205 Millionen Tonnen im Stromsektor. Den größten Beitrag leistete die Windenergie an Land mit rund 85 Millionen Tonnen, gefolgt von der Photovoltaik mit rund 52 Millionen Tonnen.
Stand und Ziele weltweit und in Deutschland
Weltweit stammten 2025 laut Ember 33,8 % der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, erstmals mehr als ein Drittel. Sie überholten damit die Kohle. Solarenergie deckte 75 % des weltweiten Anstiegs der Stromnachfrage. Die Kosten für Batteriespeicher fielen 2025 um weitere 45 %.
In Deutschland erzeugten erneuerbare Energien 2025 insgesamt 290,2 Milliarden kWh Strom. Die Windenergie lieferte mit 133,9 Milliarden kWh den größten Anteil, gefolgt von der Photovoltaik mit 91,6 und der Biomasse (einschließlich biogenem Abfall) mit 47,8 Milliarden kWh. Windkraftanlagen erzeugten damit mehr Strom als alle Braun- und Steinkohlekraftwerke des Landes zusammen. Dabei war 2025 ein windarmes Jahr, die Erzeugung schwankt mit dem Wetter.
Gesetzlich legt § 1 EEG fest, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 % steigen soll. Nach § 2 EEG liegen Errichtung und Betrieb der Anlagen im überragenden öffentlichen Interesse, und erneuerbare Energien sollen bis zur nahezu treibhausgasneutralen Stromerzeugung als vorrangiger Belang in Abwägungen eingebracht werden. Das UBA hält für die Ziele einen noch schnelleren Ausbau der Windenergie für nötig.
Kosten und Grenzen der Vergleichbarkeit
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) berechnete für 2024 die Stromgestehungskosten, also die Kosten je erzeugter Kilowattstunde über die gesamte Lebensdauer einer neuen Anlage. In Deutschland lagen sie bei Photovoltaik je nach Anlagentyp und Sonneneinstrahlung zwischen 4,1 und 14,4 Cent, bei Windenergie an Land zwischen 4,3 und 9,2 Cent und auf See zwischen 5,5 und 10,3 Cent. Neue Braunkohlekraftwerke kämen auf 15,1 bis 25,7 Cent, Gas-und-Dampf-Kraftwerke (GuD) auf 10,9 bis 18,1 Cent.
Die Studie nennt selbst eine Grenze: Kosten für Reservekraftwerke, Abregelung (das Drosseln von Anlagen bei Netzüberlastung) und Netzausbau sind in den Werten nicht enthalten. Wind und Sonne liefern wetterabhängig, deshalb braucht ein System mit hohem Anteil erneuerbarer Energien Speicher, flexible Kraftwerke und Netze.
Konflikte: Bioenergie, Fläche und Rechte
Bioenergie war 2025 mit rund 48 % der bereitgestellten erneuerbaren Energie noch der größte Träger in Deutschland. Das UBA hält eine pauschale Bewertung für nicht sinnvoll und sieht den Anbau von Energiepflanzen kritisch, unter anderem wegen der Konkurrenz um fruchtbare Flächen und der Verknüpfung mit Lebensmittelpreisen. Bei Holz ist die Kohlenstoffbilanz laut UBA nur ausgeglichen, wenn die entnommene Menge zeitnah nachwächst. Die UBA-Emissionsbilanz bezieht zudem biogene CO₂-Emissionen aus der Verbrennung von Holz nicht mit ein. Biogasstrom vermeidet je kWh netto rund 532 g CO₂-Äq., Windstrom an Land rund 758 g, und Emissionen durch Landnutzungsänderungen sind bei Biogas noch nicht eingerechnet.
Konflikte entstehen auch um Land und Rechte. Auf der norwegischen Halbinsel Fosen wurden 2010 Windparks genehmigt, darunter Roan und Storheia. Die sechs Windparks auf Fosen gelten laut Urteil als größtes Onshore-Windprojekt Europas. Sie liegen im Weidegebiet von Rentierhaltenden des indigenen Volkes der Sámi. Am 11. Oktober 2021 stellte der Oberste Gerichtshof Norwegens fest, dass die Genehmigungen ungültig sind: Der Bau verletze die Rechte der Rentierhaltenden auf Ausübung ihrer eigenen Kultur nach Artikel 27 des UN-Zivilpakts. Grundlage war die Feststellung, dass die Windparks wichtige Weideflächen für das späte Winterhalbjahr unbrauchbar machen und die Rentierhaltung auf Fosen in ihrer Existenz bedrohen. Storheia war 2020 bereits fertig. Spätere Entwicklungen wurden hier nicht geprüft. Der Fall zeigt, dass auch Klimaschutzprojekte Rechte von Minderheiten berühren können. Der Eintrag Klimakolonialismus beschreibt weitere Beispiele, etwa beim Rohstoffabbau.
Die Frage der Gerechtigkeit stellt sich auch beim Zugang zu Energie. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) lebten 2023 weltweit rund 750 Millionen Menschen ohne Strom, etwa 80 % davon in Afrika südlich der Sahara. Fortschritte kamen dort unter anderem durch Rekordverkäufe von Solar-Home-Systemen in Äthiopien, Kenia und Nigeria. In der Prognose der IEA auf Basis der bereits beschlossenen Politik blieben 2030 noch 645 Millionen Menschen ohne Zugang. Die Quellen stammen überwiegend von deutschen und internationalen Institutionen.
Abgrenzung: erneuerbar, emissionsarm, nachhaltig und klimaneutral
- Erneuerbar beschreibt die Quelle: Sie erneuert sich oder ist praktisch unerschöpflich.
- Emissionsarm beschreibt die Bilanz über den Lebensweg, etwa 11 g CO₂-Äq. je kWh bei Windenergie an Land gegenüber 820 g bei Kohle.
- Nachhaltig fragt zusätzlich nach Fläche, Artenvielfalt, Rohstoffen und den Rechten der Betroffenen.
- Klimaneutral beschreibt ein Ziel für ein ganzes System oder eine Organisation, nicht die Eigenschaft einer einzelnen Energiequelle.
Entscheidend ist nicht nur, wie viel Energie erneuerbar erzeugt wird, sondern auch, wer sie nutzen kann und wer die Lasten des Ausbaus trägt.
Kerngedanke
Quellen: UBA (Stand 05.03.2026): Erneuerbare Energien in Zahlen / UBA (2026): Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger 2024, Climate Change 11/2026 / UBA (Stand 19.06.2026): Bioenergie / IPCC (2014): Fünfter Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe III, Anhang III, Tabelle A.III.2 / Ember (2026): Global Electricity Review 2026 / Fraunhofer ISE (2024): Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien / § 1 EEG, § 2 EEG, § 3 EEG / IEA (2024): SDG7 Data and Projections, Access to electricity / Høyesterett Norwegen (2021): Urteil HR-2021-1975-S (Fosen), englische Übersetzung
Wie das Klimaschutzprogramm 2026 den Ausbau der Windkraft angeht und wo es Lücken lässt: 67 Maßnahmen, große Lücken: Was das Klimaschutzprogramm 2026 verspricht und was es schuldig bleibt.
Das könnte dich auch interessieren
- Energiewende: der übergeordnete Umbau, den erneuerbare Energien tragen
- Treibhausgase: was durch erneuerbare Energien vermieden wird
- Photovoltaik: die Technik, die Sonnenlicht direkt in Strom umwandelt
- Klimaneutralität: das Ziel, das ohne erneuerbare Energien nicht erreichbar ist
- Dekarbonisierung: der übergeordnete Prozess, den erneuerbare Energien vorantreiben
- Just Transition: der Grundsatz, den Umbau sozial gerecht zu gestalten
- Klimakolonialismus: wie Klimaschutz koloniale Abhängigkeiten neu schaffen kann