- Definition
- Krankheiten, die natürlicherweise zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragen werden (WHO)
- Beispiele
- Tollwut, Salmonellose, Ebola, Vogelgrippe, Q-Fieber, FSME
- Häufigste in der EU
- Campylobacteriose, danach Salmonellose (EFSA und ECDC, 2024)
- Leitidee
- One Health: Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Ökosystemen zusammen betrachten
Einfach erklärt
Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Wirbeltieren auf Menschen übertragen werden können. So definiert es die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „zoon“ heißt Tier, „nosos“ Krankheit. Die Erreger sind Bakterien, Viren oder Parasiten und erreichen Menschen durch direkten Kontakt, über Lebensmittel, Wasser oder die Umwelt. Die WHO nennt mehr als 200 bekannte Zoonosen, darunter Tollwut, Salmonellose, Ebola und Vogelgrippe. Auch HIV begann als Zoonose, entwickelte sich dann aber zu Stämmen, die nur Menschen befallen.
Zoonosen sind häufig. Eine Auswertung von 1.415 Krankheitserregern des Menschen (Taylor und andere, 2001) ergab, dass 868 davon (61 Prozent) auch Tiere befallen. Unter den 175 Erregern neu auftretender Krankheiten waren 132 (75 Prozent) zoonotisch. Die WHO beziffert den Anteil der weltweit gemeldeten neu auftretenden Infektionskrankheiten, die von Tieren stammen, auf mehr als 60 Prozent.
Zoonosen entstehen dort, wo Wildtiere, Nutztiere und Menschen einander nahekommen: auf Märkten mit Wildtierfleisch, in der Massentierhaltung und an Siedlungsrändern, die in Naturräume hineinwachsen. Zoonosen zeigen also weniger ein Problem „der Tiere“ als eines des Umgangs von Menschen mit Tieren und Lebensräumen.
Merke
Wildtiere sind nicht „schuld“ an Zoonosen. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES hält es für falsch, Wildtiere für neue Krankheiten verantwortlich zu machen, weil deren Auftreten durch menschliche Aktivitäten und ihre Folgen für die Umwelt verursacht wird.
Ausführlich erklärt
Wie Erreger zum Menschen gelangen
Der Weg vom Tier zum Menschen kann direkt führen, etwa über Bisse, Speichel oder Schlachtung. Er kann auch über Lebensmittel, Wasser oder Stechmücken und Zecken verlaufen. Zdenek Hubálek (2003) unterscheidet nach dem Lebensraum der Erreger zwischen synanthropen Zoonosen mit einem Kreislauf unter Haus- und Stadttieren (etwa Katzenkratzkrankheit) und exoanthropen Zoonosen mit einem Kreislauf in der Wildnis (etwa Lyme-Borreliose). Bei den meisten Zoonosen bricht die Infektionskette nach dem Menschen ab; nur wenige Erreger verursachen große Ausbrüche.
In Deutschland ist die durch Zecken übertragene FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ein Beispiel. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist 185 Kreise als Risikogebiete aus, Stand Februar 2026. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung bei Aufenthalt in Risikogebieten und Zeckenkontakt.
Die Übertragung läuft auch in die Gegenrichtung. Auf 16 untersuchten Nerzfarmen wurde das Coronavirus SARS-CoV-2 laut einer Studie in Science (2021) zuerst von Menschen eingeschleppt und verbreitete sich dann unter den Tieren. Bei 68 Prozent der getesteten Menschen, die auf den Farmen lebten oder arbeiteten oder Kontakt zu ihnen hatten, gab es Hinweise auf eine Infektion. Erbgutanalysen belegten Ansteckungen vom Tier auf den Menschen.
Was Zoonosen begünstigt
Der IPBES-Bericht zu Pandemien (2020) nennt als Ursachen veränderte Landnutzung, ausgeweitete und intensivierte Landwirtschaft sowie Handel mit Wildtieren. Landnutzungsänderungen, dazu zählen Entwaldung, Besiedlung von Wildtierlebensräumen und wachsende Tierhaltung, verursachten demnach mehr als 30 Prozent der seit 1960 gemeldeten neuen Krankheiten. Eine Studie in Nature (Gibb und andere, 2020) fand an Orten mit starker menschlicher Nutzung einen um 18 bis 72 Prozent höheren Anteil von Wirten für Erreger, die auch Menschen befallen, als in nahen unberührten Gebieten. Besonders stark traf das auf Nagetiere, Fledermäuse und Singvögel zu.
Die Beispiele sind konkret:
- Nipah-Virus (Malaysia, 1998 und 1999): Das Virus trat bei Schweinen und bei Beschäftigten von Schweinefarmen auf. Der IPBES-Bericht führt es auf die Intensivierung der Landwirtschaft zurück. In Bangladesch springt es dagegen direkt von Fledermäusen auf Menschen über.
- Q-Fieber (Niederlande, ab 2007): Bis Ende 2009 wurden mehr als 3.500 Erkrankungen gemeldet. Milchziegen spielten eine größere Rolle als Milchschafe. Maßnahmen auf den Betrieben senkten die Fallzahlen wieder auf das Niveau vor 2007.
- SARS (2002): Die Ausweitung der Wildtierzucht für Nahrung und Pelze in China ließ Zibetkatzen und Marderhunde in der Provinz Guangdong sich mit dem Virus infizieren. Sie könnten als Verstärker gewirkt haben, bevor es auf Menschen übersprang.
Schützt Artenvielfalt vor Zoonosen?
Die Annahme, dass mehr Biodiversität Ansteckungen verringert (Verdünnungseffekt), ist nur teilweise belegt. Der IPBES-Bericht nennt Hinweise für das West-Nil-Virus und Hantaviren, für Borreliose ist sie umstritten, und sie lasse sich nicht auf alle Erreger übertragen. Das Risiko sei in vom Menschen veränderten Landschaften am höchsten, weil dort Wildtiere, Nutztiere und Menschen häufiger zusammentreffen.
Pandemien und die Frage nach Covid-19
Laut IPBES sind 70 Prozent der neu auftretenden Krankheiten und fast alle bekannten Pandemien (Influenza, HIV/Aids, Covid-19) Zoonosen. Geschätzt 1,7 Millionen noch unentdeckte Viren kreisen in Säugetieren und Vögeln, von denen 631.000 bis 827.000 Menschen befallen könnten. Jones und andere (2008) werteten 335 Ereignisse zwischen 1940 und 2004 aus. Davon waren 60,3 Prozent Zoonosen, und 71,8 Prozent dieser Zoonosen stammten von Wildtieren.
Der Ursprung von SARS-CoV-2 ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Die WHO-Beratungsgruppe SAGO kam 2025 zu dem Schluss, dass die Beweislage eher für einen Übersprung vom Tier spricht, direkt von Fledermäusen oder über ein Zwischentier. China habe angeforderte Daten nicht bereitgestellt, deshalb müssten laut WHO-Generaldirektor alle Hypothesen offenbleiben, auch ein Laborunfall.
Antibiotika und Resistenzen
Die WHO nennt Antibiotikaresistenz einen erschwerenden Faktor. Weil Antibiotika in der Nutztierhaltung weit verbreitet sind, steige die Wahrscheinlichkeit resistenter Stämme zoonotischer Erreger, die sich bei Tieren und Menschen schnell ausbreiten. Beschäftigte in der Landwirtschaft in Regionen mit hohem Antibiotikaeinsatz sind laut WHO besonders gefährdet.
One Health und Vorbeugung
Die WHO verfolgt den One-Health-Ansatz: Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Ökosystemen werden gemeinsam betrachtet. Die Weltbank schätzt die Kosten solcher Vorsorge auf 10,3 bis 11,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Kosten von Covid-19 bezifferte der IPBES-Bericht bis Juli 2020 auf 8 bis 16 Billionen US-Dollar. Auch in der EU bleiben Zoonosen ein Dauerthema: Laut dem Bericht von EFSA und ECDC (2025) waren 2024 Campylobacteriose und Salmonellose die am häufigsten gemeldeten Zoonosen. Listeriose war die schwerste. Bei Campylobacteriose, Salmonellose, Listeriose und STEC-Infektionen stiegen die Fallzahlen über fünf Jahre signifikant.
Zoonosen werden dort zum Risiko, wo Menschen Lebensräume verändern und Tiere in großer Zahl eng halten, nicht dort, wo Tiere einfach leben.
Kerngedanke
Was du tun kannst
- Nach dem Kontakt mit Tieren die Hände waschen. Die WHO nennt das als wirksame Maßnahme gegen die Ausbreitung im Alltag.
- Nach einem Biss oder Kratzer eines möglicherweise tollwütigen Tieres die Wunde mindestens 15 Minuten mit Wasser und Seife waschen und sofort ärztlich behandeln lassen.
- In FSME-Risikogebieten bei Zeckenkontakt in der Hausarztpraxis über die Impfung sprechen.
Quellen: WHO: Zoonoses / WHO: One Health / WHO: Rabies / Taylor und andere (2001): Risk factors for human disease emergence, Philosophical Transactions of the Royal Society B / Jones und andere (2008): Global trends in emerging infectious diseases, Nature / IPBES (2020): Workshop Report on Biodiversity and Pandemics / Gibb und andere (2020): Zoonotic host diversity increases in human-dominated ecosystems, Nature / Hubálek (2003): Emerging human infectious diseases: anthroponoses, zoonoses, and sapronoses, Emerging Infectious Diseases / Oude Munnink und andere (2021): Transmission of SARS-CoV-2 on mink farms, Science / Chua und andere (2000): Nipah virus infection of pigs in peninsular Malaysia, Revue scientifique et technique / Dairy Sheep Played a Minor Role in the 2005-2010 Human Q Fever Outbreak in The Netherlands, Pathogens (2021) / WHO (2025): SAGO report on origins of COVID-19 / EFSA und ECDC (2025): The European Union One Health 2024 Zoonoses Report / RKI (2026): FSME-Risikogebiete
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