Kompakt erklärt
Imkerei – fachlich auch Bienenhaltung genannt – bezeichnet die gezielte Haltung und Pflege von Honigbienen (Apis mellifera) durch Menschen: zur Gewinnung von Honig, Bienenwachs und anderen Bienenprodukten sowie zur Bestäubung von Nutzpflanzen. Imker*innen betreuen sogenannte Völker – organisierte Bienengemeinschaften, die arbeitsteilig funktionieren: Die Königin legt Eier, Arbeitsbienen sammeln Nektar und Pollen, Drohnen befruchten neue Königinnen.
Honigbienen sind keine Wildtiere im klassischen Sinne: Sie wurden über Jahrtausende selektiert und an menschliche Haltungsbedingungen angepasst. Das unterscheidet sie von den über 550 heimischen Wildbienenarten in Deutschland, die keinen Honig produzieren, aber für die Bestäubung wildlebender Pflanzen mindestens ebenso wichtig sind.
Imkerei wird sehr unterschiedlich praktiziert: von industriellen Wanderimkereibetrieben, die Bienenvölker zu Monokulturen (riesige Felder nur einer einzigen Pflanzenart) transportieren, bis zu naturnaher ökologischer Imkerei, die das Wohlergehen der Tiere und lokale Biodiversität betont.
Aus veganer und tierschutzethischer Sicht ist Imkerei umstritten: Honig ist ein tierisches Produkt, Bienen werden für menschliche Zwecke genutzt. Gleichzeitig leisten engagierte Imker*innen einen dokumentierten Beitrag zur Pflege von Bienenpopulationen in einer Zeit globaler Rückgänge.
Für Neugierige
Bestäuber sind für die globale Ernährungssicherheit entscheidend: Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) hängt etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von der Bestäubung durch Insekten ab. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) warnte bereits 2016, dass Bestäuberpopulationen – darunter Honigbienen und Wildbienen – durch Pestizide, Krankheiten und Lebensraumverlust weltweit unter Druck stehen.
Ein gravierendes Problem ist die Varroamilbe (Varroa destructor): Dieser Parasit befällt Bienenvölker und führt ohne regelmäßige Behandlung zu deren Zusammenbruch. Er verursacht in Deutschland alljährlich erhebliche Kolonieverluste und gilt als einer der Hauptfaktoren im weltweiten Rückgang der Honigbiene. Im Kontext des Tierschutzes zeigt sich hier ein grundlegendes Dilemma: Ohne menschliche Eingriffe überleben die meisten Honigbienenvölker nicht – mit Eingriffen bleiben sie dauerhaft auf Fürsorge angewiesen. Wie weit diese Abhängigkeit ethisch vertretbar ist, bleibt eine offene Frage.
Kritisch diskutiert wird außerdem, ob die Verbreitung von Honigbienenvölkern in städtischen und naturnahen Räumen Nahrungskonkurrenz für Wildbienen erzeugt und so lokale Biodiversität mindert. Studien zeigen, dass hohe Honigbienendichten die Nahrungsgrundlage seltener Wildbienenarten beeinträchtigen können. Nachhaltige Imkerei denkt diese Wechselwirkung mit – und stellt Wildbienenförderung nicht als Gegensatz, sondern als gemeinsame Aufgabe dar.
Quellen: IPBES (2016). The Assessment Report on Pollinators, Pollination and Food Production. IPBES Secretariat, Bonn. | FAO (2018). Why Bees Matter – Bees and Other Pollinators, Their Value to Food and Agriculture. Food and Agriculture Organization of the United Nations.
Verwandte Begriffe: Insektensterben · Artensterben · Speziesismus · Ökologische Landwirtschaft · Vegane Ernährung



