- Bedeutung
- Ablehnende, ausgrenzende oder feindliche Haltung gegenüber Menschen, die als „fremd“ gelten
- Begriff
- Aus „xeno-“ (fremd) und „Phobie“ (Furcht), im Deutschen meist gleichbedeutend mit Fremdenfeindlichkeit
- Kern
- Eine willkürliche Zuschreibung von „Fremdsein“, unabhängig von der Staatsangehörigkeit
- Verwandt
- Rassismus, Othering, struktureller Rassismus
- Nicht gemeint
- Neugier oder Unsicherheit gegenüber Neuem, solange sie niemanden abwertet
Einfach erklärt
Xenophobie bezeichnet ablehnende, ausgrenzende und feindliche Einstellungen gegenüber Menschen, die als „fremd“ definiert werden. Im Deutschen wird das Wort meist gleichbedeutend mit Fremdenfeindlichkeit benutzt. Das Wort besteht aus „xeno-“ für fremd und „Phobie“ für Furcht, also wörtlich eine Furcht vor dem Fremden. Gemeint ist aber mehr als Angst: Es geht um Abwertung und Ausgrenzung.
Wichtig ist, was „fremd“ hier bedeutet. Das „Fremdsein“ ist keine feste Eigenschaft eines Menschen, sondern eine Zuschreibung von außen. Sie knüpft meist an Herkunft, Hautfarbe, Sprache oder Religion an. Deshalb kann sie auch Menschen treffen, die seit Generationen in Deutschland leben oder einen deutschen Pass haben.
Beispiele aus dem Alltag: Eine Person wird gefragt, woher sie „wirklich“ komme, obwohl sie hier geboren wurde. Eine Wohnung bleibt unvermietet, sobald der Nachname fremd klingt. Eine Nachbarschaft protestiert gegen eine Unterkunft für Geflüchtete, ohne die Menschen darin zu kennen. Und in Sätzen wie „Die kommen nur her, um Leistungen abzugreifen“ wird eine ganze Gruppe über einen Kamm geschert.
Merke
Xenophobie macht Menschen zu „den Fremden“, und zwar unabhängig davon, wer sie tatsächlich sind. Das Problem liegt in der Zuschreibung, nicht in den Menschen, auf die sie sich richtet.
Ausführlich erklärt
Woher das Wort kommt und was es nicht ist
Das Wort geht auf zwei griechische Bestandteile zurück: „xenos“ für fremd oder Fremder und „phobos“ für Furcht. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) führt es als Fachwort der Psychologie und nennt Fremdenfeindlichkeit als Synonym. Die Endung „-phobie“ erinnert an Angststörungen, doch Xenophobie ist keine Erkrankung. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) beschreibt Fremdenfeindlichkeit als eine Einstellung, also als erlernte, veränderbare Haltung.
Xenophobie und Rassismus
Beide Begriffe überschneiden sich stark, und die Fachwelt grenzt sie nicht einheitlich ab. Die bpb weist darauf hin, dass „Fremdenfeindlichkeit“ ähnlich wie „Ausländerfeindlichkeit“ unscharf verwendet wird. Oft ist von Fremdenfeindlichkeit die Rede, wenn eigentlich Rassismus gemeint ist, etwa bei Angriffen auf Schwarze Deutsche oder auf Sinti und Roma mit deutscher Staatsbürgerschaft. Bei ihnen geht es nicht um eine fremde Staatsangehörigkeit, sondern um eine Zuschreibung, die an Aussehen oder Abstammung anknüpft.
Ein häufiges Missverständnis lautet deshalb, Xenophobie meine nur Ablehnung von Menschen mit fremdem Pass, Rassismus nur die von Menschen mit anderem Aussehen. Die Praxis folgt dieser Trennung nicht. Für den Alltag hilft eine Faustregel: Wo Menschen als nicht zugehörig markiert werden, spielt oft beides zusammen. Wie das ineinandergreift, zeigen die Einträge zu Othering und zu strukturellem Rassismus. Auch Antiziganismus ist eine eigene Form der Abwertung, die oft mit dem Vorwurf des „Fremdseins“ arbeitet.
Wie verbreitet ist sie in Deutschland?
Die Leipziger Autoritarismus Studie fragt seit 2002 regelmäßig nach ausländerfeindlichen Einstellungen. Die Erhebung 2024 beruht auf einer repräsentativen Befragung von 2.504 Menschen im Alter von 16 bis 92 Jahren, durchgeführt zwischen Ende März und Mitte Juni 2024. Die Dimension Ausländerfeindlichkeit besteht aus drei Aussagen, zum Beispiel, Ausländer kämen nur hierher, um den Sozialstaat auszunutzen. Als manifest zählt die eindeutige Zustimmung (Wert 4 und 5 auf der Antwortskala), als latent die Mittelkategorie.
Die Ergebnisse: Manifest ausländerfeindlich eingestellt waren 2024 insgesamt 21,8 Prozent der Befragten, 2022 waren es 17,0 Prozent. Im Westen stieg der Wert von 12,6 auf 19,3 Prozent, im Osten lag er bei 31,5 Prozent (2022: 33,1 Prozent). Der Aussage, Deutschland sei „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“, stimmten 33,8 Prozent manifest zu. Zahlen aus einer Umfrage zeigen Einstellungen, nicht Taten, und sie bilden nur die Befragten ab. Sie machen aber deutlich, dass die Ablehnung weit über extreme Ränder hinausreicht. Die bpb ordnet sie bis in die Mitte der Gesellschaft ein.
Was die Polizeistatistik zeigt
Das Bundeskriminalamt und das Bundesinnenministerium erfassen „politisch motivierte Kriminalität“. Im Unterthemenfeld „Fremdenfeindlich“ der Hasskriminalität wurden 2024 insgesamt 19.481 Straftaten gezählt, 2023 waren es 15.087. Darunter befanden sich 1.416 Gewaltdelikte, davon 1.275 Körperverletzungen. Rund 74,8 Prozent der Taten ordnete die Statistik dem Phänomenbereich „rechts“ zu. Zahlen dieser Art hängen auch davon ab, was angezeigt und wie eingestuft wird. Sie sind deshalb ein Hinweis auf Tendenzen, kein vollständiges Bild des Dunkelfelds.
Wie das Recht reagiert
Das Grundgesetz verbietet in Artikel 3 Absatz 3 die Benachteiligung wegen der Abstammung, der „Rasse“, der Sprache, der Heimat und Herkunft, des Glaubens oder der religiösen Anschauungen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nennt in § 1 als Ziel, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung zu verhindern oder zu beseitigen. Das Strafrecht kennt Volksverhetzung (§ 130 StGB): Wer zum Hass gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe aufstachelt, kann mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden. Außerdem zählt § 46 Absatz 2 StGB „rassistische, fremdenfeindliche, antisemitische“ und weitere menschenverachtende Beweggründe ausdrücklich zu den Umständen, die ein Gericht bei der Strafzumessung abwägt. Das Wort „Rasse“ im Gesetzestext ist umstritten, weil es die Vorstellung biologischer Menschenrassen widerspiegelt, die wissenschaftlich nicht haltbar ist.
Was gegen Xenophobie hilft
Die Forschung zum Kontakt zwischen Gruppen liefert einen belastbaren Befund. Pettigrew und Tropp (2006) werteten in einer Meta-Analyse 713 unabhängige Stichproben aus 515 Studien aus. Ergebnis: Kontakt zwischen Gruppen verringert Vorurteile typischerweise. Der Effekt zeigte sich über viele Gruppen und Situationen hinweg und fiel stärker aus, wenn Allports ideale Bedingungen gegeben waren, etwa gemeinsame Ziele und gleicher Status. Diese Bedingungen waren laut der Analyse aber keine zwingende Voraussetzung. Kontakt allein ist also kein Wundermittel, aber ein gut belegter Baustein.
Wie ernst das Thema genommen werden sollte, zeigt die Einordnung der Leipziger Forschenden: Sie bezeichnen Ausländerfeindlichkeit in ihrer Präsentation als Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus. Verdeckte Botschaften, die Vorurteile bedienen, ohne sie offen auszusprechen, beschreibt der Eintrag zu Dogwhistle.
Fremd ist niemand von Natur aus. Fremd wird, wer von anderen so genannt wird.
Kerngedanke
Xenophobie, Queerness und Mehrfachzugehörigkeit
Menschen sind selten nur ein Merkmal. Ein schwuler Mann, der geflüchtet ist, eine nichtbinäre Person of Color oder ein trans Mann mit Migrationsgeschichte können gleichzeitig mit Ablehnung wegen der Herkunft und wegen der Identität konfrontiert sein. Wie sich solche Erfahrungen überlagern, beschreibt der Eintrag zu Intersektionalität. Ablehnung kann in alltäglichen Situationen stecken, etwa in kleinen Bemerkungen, die Mikroaggressionen heißen.
Was der Begriff nicht sagt
Xenophobie ist kein Urteil über Menschen, die Unsicherheit gegenüber Neuem empfinden. Kritisch wird es, wenn aus Unsicherheit Abwertung, Ausgrenzung oder Gewalt wird. Auch Kritik an einer bestimmten Politik, etwa zu Asyl oder Einwanderung, ist nicht automatisch xenophob. Entscheidend ist, ob Menschen pauschal wegen einer zugeschriebenen Zugehörigkeit abgewertet werden. Der Begriff selbst ist umstritten: Er legt nahe, die Betroffenen seien tatsächlich „fremd“. Deshalb wird oft zusätzlich von Rassismus gesprochen.
Was du tun kannst
- Widersprich Pauschalisierungen sachlich, zum Beispiel mit der Frage: „Wen genau meinst du?“ Das öffnet oft mehr als eine Gegenrede.
- Unterstütze Orte der Begegnung: Nachbarschaftsfeste, Sprachcafés, gemeinsame Projekte. Kontakt wirkt am besten, wenn Menschen auf Augenhöhe etwas gemeinsam tun.
- Stelle dich an die Seite von Betroffenen, wenn du Ausgrenzung beobachtest, und frage danach, was sie brauchen. Mehr dazu unter Zivilcourage und Allyship.
Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung: Glossar Fremdenfeindlichkeit (Volltext gelesen, 15.10.2026) / DWDS: Xenophobie (Wortzerlegung und Bedeutung) / Wiktionary: Xenophobie (Herkunft mit Verweis auf das Große Fremdwörterbuch des Duden) / Decker, O. und Brähler, E. u. a. (2024): Vereint im Ressentiment. Die 12. Leipziger Autoritarismus Studie, Präsentation zur Pressekonferenz (Abbildungen und Stichprobe gelesen) / Decker, O., Kiess, J., Heller, A. und Brähler, E. (2024): Leipziger Autoritarismus Studie 2024, Methodenkapitel (manifeste und latente Zustimmung) / Bundeskriminalamt und Bundesministerium des Innern (2025): Bundesweite Fallzahlen 2024, Politisch motivierte Kriminalität, Factsheet / Pettigrew, T. F. und Tropp, L. R. (2006): A meta-analytic test of intergroup contact theory. Journal of Personality and Social Psychology 90 (5), S. 751 bis 783 (Zusammenfassung geprüft über OpenAlex) / Artikel 3 Grundgesetz / § 1 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) / § 130 Strafgesetzbuch (StGB), Volksverhetzung / § 46 Absatz 2 StGB, Grundsätze der Strafzumessung
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