Kompakt erklärt
Rechtsextremismus bezeichnet politische Einstellungen und Handlungen, die auf der Vorstellung beruhen, manche Menschen seien grundsätzlich weniger wert als andere, und die sich damit gegen die im Grundgesetz verankerte Gleichheit aller Menschen richten. Die Friedrich-Ebert-Stiftung beauftragte 2006 im Rahmen einer bundesweiten Bevölkerungsumfrage zu rechtsextremen Einstellungen elf Sozialwissenschaftler*innen damit, sich auf eine gemeinsame Definition zu einigen, die bis heute oft zitiert wird. Danach zeigt sich Rechtsextremismus politisch in der Nähe zu diktatorischen Regierungsformen und sozial in rassistischen und antisemitischen Haltungen. Hinzu kommen sozialdarwinistische Haltungen: Sie sprechen Menschen je nach Herkunft oder Zugehörigkeit unterschiedlichen Wert zu. Ein konkretes Beispiel: Rechtsextreme Gruppen lehnen nicht nur Migration und Gleichberechtigung ab, sondern richten sich laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) auch gezielt gegen queere und trans Menschen, Homophobie zählt zu den dokumentierten ideologischen Merkmalen der Szene. Rassistische und antisemitische Gewalt aus demselben Spektrum ist davon nicht abzugrenzen, sondern trifft Betroffene ebenso häufig und ebenso schwer, nicht nachrangig, sondern gleichrangig. 2025 registrierte der Verfassungsschutz bundesweit rund 58.700 Personen im rechtsextremen Spektrum, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kamen 1.395 rechtsextreme Gewalttaten. Rechtsextremismus ist damit kein Randphänomen, sondern eine verfassungsfeindliche Bestrebung mit realen Auswirkungen auf Betroffene.
Für Neugierige
In der sozialwissenschaftlichen Forschung gilt Rechtsextremismus als komplexes, wandlungsfähiges Phänomen: Eine 2006 im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung von elf Sozialwissenschaftler*innen erarbeitete, oft zitierte Definition fasst darunter Einstellungen, die den demokratischen Verfassungsstaat ablehnen und auf einer Ungleichwertigkeitsvorstellung beruhen, also der Annahme, manche Menschen seien anderen von Natur aus über- oder untergeordnet. Diese Grundannahme unterscheidet Rechtsextremismus grundlegend von linksextremen Strömungen, die sich zumindest nominell auf egalitäre Ideale berufen, ein Unterschied, der in vereinfachenden Gegenüberstellungen der „politischen Ränder“ oft untergeht. Die Bundeszentrale für politische Bildung listet Homophobie in ihrem Glossar zu Rechtsextremismus neben Rassismus und Antisemitismus als eigenständiges ideologisches Merkmal, wovon schwule, lesbische, bisexuelle und trans Menschen konkret betroffen sind. Zudem verweist sie auf das Konzept der streitbaren Demokratie.
Quelle: bpb.de: Was ist Rechtsextremismus? / Bundesamt für Verfassungsschutz (2026): Verfassungsschutzbericht 2025
Verwandte Begriffe: Zahlencodes Rechtsextremismus · Antifaschismus · Hufeisentheorie · Struktureller Rassismus · Antirassismus



