Kompakt erklärt
Der Kantamanto Market in Accra, Ghana, ist einer der größten Secondhand-Kleidermärkte Westafrikas. Über 30.000 Händler*innen sortieren, reparieren und verkaufen hier gebrauchte Kleidung, die in Ballen aus Ländern wie Großbritannien, den USA oder Deutschland ankommt. Wer einen Ballen kauft, weiß vorher nicht, was darin ist, ein Geschäftsmodell, das viel wirtschaftliches Risiko auf einzelne Händler*innen verlagert.
Vor der Corona-Pandemie landeten rund 40 Prozent der ankommenden Kleidung direkt auf der Deponie, weil sie zu beschädigt, verschmutzt oder minderwertig war, um verkauft zu werden. Die Organisation Or Foundation macht seit Jahren auf dieses Problem aufmerksam und fordert, dass Modekonzerne für die Entsorgungskosten ihrer Kleidung mitverantwortlich gemacht werden. Im Januar 2025 zerstörte ein Großbrand rund 80 Prozent des Marktes, tausende Existenzen waren betroffen.
Für Neugierige
Kantamanto zeigt exemplarisch, wie globaler Kleiderüberschuss zu lokalem Risiko wird: Die Ballen werden ungesehen gekauft, oft auf Kredit, sodass Händler*innen das komplette finanzielle Risiko tragen, wenn die Qualität schlecht ist. Gleichzeitig ist der Markt eine enorme Kreativwirtschaft: Schneider*innen arbeiten unverkäufliche oder beschädigte Stücke zu neuer, gefragter Mode um, ein informelles Upcycling-System, das in westlichen Diskussionen über Fast Fashion kaum vorkommt.
Die Or Foundation, mitgegründet von Liz Ricketts und Branson Skinner, dokumentiert seit 2011 die Bedingungen vor Ort und setzt sich für eine erweiterte Herstellerverantwortung ein: Modeunternehmen sollen an den Kosten für Transport, Sortierung und Entsorgung ihrer Altkleidung beteiligt werden, ähnlich wie es die EU-Textilstrategie inzwischen vorsieht. Der Brand im Januar 2025 hat diese Forderung noch dringlicher gemacht.
Quelle: Wikipedia: Kantamanto Market
Verwandte Begriffe: Mitumba (Secondhand-Kleidung Ostafrika) · Fast Fashion · Altkleider-Export · Globaler Süden · Textilmüllwüste Atacama



