Einfach erklärt
Eine Kohlenstoffsenke ist jedes System, das mehr CO₂ aus der Atmosphäre aufnimmt als es abgibt. Wälder, Ozeane und Böden zählen zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken der Erde. Sie puffern einen erheblichen Teil der menschlichen Treibhausgasemissionen ab und verlangsamen so die globale Erwärmung.
Zum Vergleich: Seit Beginn der Industrialisierung hat der Mensch rund 2.200 Milliarden Tonnen CO₂ ausgestoßen. Etwa die Hälfte davon wird von natürlichen Senken aufgenommen. Ozeane binden allein rund 25–30 % der jährlichen CO₂-Emissionen, Wälder weitere 25–30 %. Ohne diese Puffer wäre die Erderwärmung bereits heute deutlich stärker.
Das Problem: Kohlenstoffsenken geraten selbst durch den Klimawandel unter Druck. Abholzung, Erwärmung der Ozeane, Dürren und Waldbrände reduzieren ihre Aufnahmekapazität. In manchen Regionen verwandeln sich Senken bereits in Quellen: Sie setzen mehr CO₂ frei als sie binden.
Ausführlich erklärt
In der Klimaforschung unterscheidet der IPCC (Weltklimarat) zwischen natürlichen und technischen Kohlenstoffsenken. Zu den natürlichen zählen neben Wäldern auch Torfmoore (Moore speichern doppelt so viel CO₂ wie alle Wälder zusammen), Mangroven und Seegraswiesen (sogenannte Blaue Kohlenstoffsenken) sowie Meeressedimente. Technische Senken umfassen Ansätze wie Bioenergy with Carbon Capture and Storage (BECCS), Direct Air Carbon Capture (DACC) oder die Beschleunigung natürlicher Gesteinsverwitterung (Enhanced Weathering).
Der Begriff ist zentral für Klimapolitik: Net Zero (Netto-Null-Emissionen) bedeutet, dass verbleibende Restemissionen durch Senken ausgeglichen werden. Kritiker*innen warnen vor einem „Carbon Sink Accounting Problem“: Regierungen rechnen unsichere oder gesättigte Senken in ihre Klimaziele ein, was die tatsächliche Emissionsreduktion verschleiert.
Eine Studie in Nature (2022) zeigt, dass die terrestrische Kohlenstoffaufnahme besonders in tropischen Regionen abnimmt. Ausgerechnet dort, wo viele Länder des Globalen Südens (Länder mit begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen infolge kolonialer Geschichte und globaler Machtverhältnisse) liegen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Das verbindet die Frage nach Kohlenstoffsenken direkt mit der nach Klimagerechtigkeit.
Quelle: IPCC AR6 Working Group I (2021): The Physical Science Basis / Global Carbon Project: Carbon Budget 2023
Wie viel CO₂ intakte Ökosysteme binden können, zeigt sich besonders deutlich bei einem oft übersehenen Lebensraum: Moore retten: Warum Torfböden mehr CO₂ speichern als alle Wälder zusammen.
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