- Bedeutung
- Menge an Treibhausgasen, die einer Person, einem Produkt, einer Tätigkeit oder einer Organisation zugerechnet wird, angegeben in CO₂-Äquivalenten (CO₂e)
- Deutschland
- im Durchschnitt 9,8 Tonnen CO₂e pro Kopf und Jahr, das Klimaziel liegt bei unter 1 Tonne (BMUKN)
- Umrechnung
- Treibhausgase werden über ihr 100-Jahre-Erwärmungspotenzial (GWP-100) in CO₂e umgerechnet
- Methoden
- Territorialbilanz, verbrauchsbezogene Bilanz, Scope 1 bis 3 bei Unternehmen, ISO 14067 bei Produkten
- Streitpunkt
- Wer trägt die Verantwortung: einzelne Personen, Konzerne oder Staaten?
Einfach erklärt
Der Carbon Footprint, zu Deutsch CO₂-Fußabdruck, gibt an, wie viele Treibhausgase einer Person, einem Produkt, einer Tätigkeit oder einer Organisation zugerechnet werden. Weil nicht nur Kohlendioxid die Erde erwärmt, wird das Ergebnis in CO₂-Äquivalenten (CO₂e) angegeben: Andere Gase wie Methan werden danach umgerechnet, wie stark sie im Vergleich zu CO₂ wirken.
Für Deutschland nennt eine Infografik des Bundesumweltministeriums (BMUKN, 13.04.2026) im Durchschnitt 9,8 Tonnen CO₂e pro Kopf und Jahr. Das Klimaziel liegt bei unter 1 Tonne. Das Statistische Bundesamt kommt für 2022 dagegen auf 6,5 Tonnen CO₂ pro Kopf. Der Unterschied liegt nicht an Fehlern, sondern an der Methode: Das Statistische Bundesamt zählt nur Kohlendioxid und die Konsumnachfrage der privaten Haushalte, die Infografik rechnet dagegen Treibhausgase insgesamt ein und weist auch die öffentliche Infrastruktur aus (11 Prozent).
Merke
Zahlen zum Fußabdruck lassen sich nur vergleichen, wenn Gase, Bilanzgrenze und Bezugsjahr übereinstimmen. Vor jedem Vergleich hilft die Frage: Welche Gase, welche Grenze, welches Jahr?
Ausführlich erklärt
Von CO₂ zu CO₂e
Das 100-Jahre-Erwärmungspotenzial (GWP-100) wird laut Weltklimarat in der Klimapolitik breit genutzt, um verschiedene Treibhausgase auf einer gemeinsamen Skala zu berichten (IPCC, Sechster Sachstandsbericht). Im Bericht von 2021 entspricht eine Tonne fossiles Methan 29,8 Tonnen CO₂e, eine Tonne nicht fossiles Methan 27,0 Tonnen und eine Tonne Lachgas 273 Tonnen (Tabelle 7.15). Über 20 Jahre betrachtet wirkt fossiles Methan sogar etwa 82,5-mal so stark wie CO₂.
Welcher Zeitraum und welcher Bericht gelten, ist festgelegt, aber nicht unveränderlich. Für die nationale und internationale Berichterstattung ist der Zeitraum von 100 Jahren verbindlich. Das Umweltbundesamt (UBA) nennt für Berichte ab 2024 die Werte des fünften Sachstandsberichts: 28 für Methan, 265 für Lachgas und 23.500 für Schwefelhexafluorid, zuvor galten die Werte von 2007. Dieselbe Menge Methan ergibt je nach Berichtsversion also eine etwas andere CO₂e-Zahl. Der CO₂-Rechner des UBA berücksichtigt außerdem, wo immer möglich, nicht-CO₂-Effekte des Luftverkehrs.
Territorialbilanz oder verbrauchsbezogene Bilanz
Die nationale Treibhausgasbilanz zählt, was innerhalb der Grenzen Deutschlands ausgestoßen wird (Territorialbilanz). Der UBA-Rechner bilanziert dagegen, was die Lebensweise verursacht, einschließlich Importen und internationalen Reisen (verbrauchsbezogene Bilanz). Ein direkter Vergleich beider Werte ist laut UBA nicht möglich.
Wie viel dabei im Ausland entsteht, zeigt das Statistische Bundesamt: Der CO₂-Fußabdruck der privaten Haushalte lag 2022 bei 537 Millionen Tonnen. 38 Prozent davon waren direkte Emissionen, etwa durch Autos mit Verbrennermotor oder Heizen, 62 Prozent entstanden bei der Herstellung von Konsumgütern und Strom. Von diesen indirekten Emissionen fielen 37 Prozent (124 Millionen Tonnen) im Ausland an.
International untersuchten Peters et al. (2011) den Handel: Die Emissionen aus der Produktion gehandelter Güter stiegen von 4,3 Gigatonnen CO₂ im Jahr 1990 (20 Prozent der weltweiten Emissionen) auf 7,8 Gigatonnen im Jahr 2008 (26 Prozent). Netto wurden 2008 rund 1,6 Gigatonnen von Staaten ohne Minderungsverpflichtung im Kyoto-Protokoll zu Staaten mit Verpflichtung verlagert, 1990 waren es 0,4. Die Daten der Studie enden 2008. Für Debatten über Klimagerechtigkeit ist diese Unterscheidung deshalb zentral: Wer Güter herstellt und wer sie kauft, ist oft nicht dasselbe Land.
Unternehmen: Scope 1 bis 3
Für Organisationen hat sich das Greenhouse Gas Protocol etabliert, entwickelt vom World Resources Institute und vom World Business Council for Sustainable Development. Der Corporate Standard (überarbeitete Fassung von 2004) unterscheidet drei Bereiche. Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus Quellen, die einem Unternehmen gehören oder von ihm kontrolliert werden, etwa aus Heizkesseln oder Fahrzeugen. Scope 2 erfasst Emissionen aus eingekaufter Elektrizität. Scope 3 ist dort eine optionale Berichtskategorie für alle übrigen indirekten Emissionen, zum Beispiel aus der Gewinnung eingekaufter Materialien, aus Transporten oder aus der Nutzung verkaufter Produkte.
Der Scope-3-Standard von 2011 gliedert diese Kategorie in 15 Bereiche, von eingekauften Waren und Dienstleistungen über Geschäftsreisen und das Pendeln der Beschäftigten bis zur Nutzung verkaufter Produkte und zu Investitionen. Laut Standard kann Scope 3 die größte Emissionsquelle eines Unternehmens sein.
Produkte: ISO 14067
Für einzelne Produkte regelt die Norm ISO 14067 (Ausgabe 2018) Prinzipien, Anforderungen und Leitlinien, um den Carbon Footprint eines Produkts zu berechnen und zu berichten. Sie folgt den Normen zur Ökobilanz (ISO 14040 und 14044) und regelt auch einen partiellen Fußabdruck, der nur einen Teil des Lebenswegs abdeckt.
Was die Zahl nicht sagt
Ein Fußabdruck beschreibt eine Zurechnung, keine Schuldzuweisung. Welche Emissionen einem Produkt, einem Unternehmen oder einer Person zugerechnet werden, hängt von den Bilanzgrenzen ab. Das zeigen 9,8 Tonnen (BMUKN) gegenüber 6,5 Tonnen (Statistisches Bundesamt) für dasselbe Land.
Herkunft des Begriffs und Kritik
Auf bp.com bot der Ölkonzern BP laut einem Archivstand vom 12. Februar 2006 einen „Carbon footprint calculator“ an, mit dem sich prüfen lässt, wie Lebensstil-Entscheidungen die eigenen Emissionen beeinflussen. Mashable berichtete 2020, BP habe dafür die Agentur Ogilvy & Mather beauftragt und 2004 einen Rechner vorgestellt, und sieht darin eine Verlagerung der Verantwortung auf Einzelne. Die Recherche schreibt, BP habe den Begriff früh beworben und populär gemacht, nicht, dass er ihn erfunden hat.
Wie sich die Zurechnung ändert, wenn nicht Konsum, sondern Förderung betrachtet wird, zeigt Heede (2014): Er führt 914 Gigatonnen CO₂e, 63 Prozent der kumulierten weltweiten industriellen CO₂- und Methanemissionen von 1751 bis 2010, auf 90 Förderer und Zementhersteller zurück (50 private Unternehmen, 31 staatliche, 9 Staaten). Die Hälfte davon wurde seit 1986 ausgestoßen. Die Zurechnung folgt dem Kohlenstoffgehalt der verkauften Brennstoffe. Heede selbst schreibt, die Analyse solle die historischen Emissionen als Tatsache klären und zu Überlegungen über ihre politische Relevanz einladen.
Auch zwischen Menschen sind Fußabdrücke sehr ungleich verteilt. Chancel (2022) schätzt, dass 2019 die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung 12 Prozent der weltweiten Emissionen verursachte, die reichsten 10 Prozent 48 Prozent. 63 Prozent der Ungleichheit bei individuellen Emissionen liegen heute innerhalb von Ländern, nicht zwischen ihnen. Bei den reichsten 1 Prozent stammt der größte Teil der Emissionen aus Investitionen statt aus Konsum. Mehr dazu steht im Blog unter Wessen Planet brennt?.
Ein Fußabdruck macht Emissionen vergleichbar. Ob einzelne Personen, Unternehmen oder Staaten sie senken können, sagt die Zahl allein nicht.
Kerngedanke
Was du tun kannst
- Prüfe bei jeder Fußabdruck-Zahl, welche Gase, welche Bilanzgrenze und welches Bezugsjahr gemeint sind.
- Nutze für die eigene Schätzung den CO₂-Rechner des Umweltbundesamtes, der verbrauchsbezogen rechnet. Seine Daten haben laut UBA meist zwei bis drei Jahre Verzug und kein einheitliches Bezugsjahr.
- Frage bei Angaben von Unternehmen nach den Scopes, vor allem danach, ob Scope 3 enthalten ist. Bei Klimaversprechen hilft zusätzlich der Blick auf Greenwashing.
Quellen: BMUKN: Kohlenstoffdioxid-Fußabdruck pro Kopf in Deutschland (Infografik, 13.04.2026) / Statistisches Bundesamt: CO₂-Fußabdruck der privaten Haushalte (2022) / Umweltbundesamt: UBA-CO₂-Rechner, Hinweise zu Methode und Bilanzgrenzen / Umweltbundesamt: Treibhausgas-Emissionen (GWP-Werte in der Berichterstattung) / IPCC (2021): Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe I, Kapitel 7, Tabelle 7.15 / World Resources Institute und WBCSD: GHG Protocol Corporate Standard (Revised Edition, 2004) / GHG Protocol: Corporate Value Chain (Scope 3) Standard (2011) / ISO 14067 (Ausgabe 2018): Carbon footprint of products / Peters et al. (2011): Growth in emission transfers via international trade from 1990 to 2008, PNAS 108 / Heede (2014): Tracing anthropogenic carbon dioxide and methane emissions to fossil fuel and cement producers, 1854 to 2010, Climatic Change 122 / Chancel (2022): Global carbon inequality over 1990 to 2019, Nature Sustainability 5 / BP: Carbon reduction (Archivstand bp.com vom 12.02.2006) / Mashable (2020): The Carbon Footprint Sham
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