Einfach erklärt
Klimaflüchtlinge (auch Klimamigrant:innen oder klimabedingt Vertriebene genannt) sind Menschen, die ihre Heimat verlassen, weil sie durch die Folgen der Klimakrise nicht mehr bewohnbar ist: durch steigende Meeresspiegel, Dürren, Überschwemmungen, Wirbelstürme oder den Zusammenbruch von Lebensgrundlagen wie Wasser und Ernährung.
Wichtig: Der Begriff „Klimaflüchtling“ hat keinen rechtlichen Status im internationalen Recht. Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 schützt Menschen vor Verfolgung aus politischen, ethnischen oder religiösen Gründen, nicht vor Klimakatastrophen. Menschen, die aufgrund des Klimawandels ihre Heimat verlassen, fallen rechtlich in eine Grauzone: Sie haben keinen garantierten Schutz. Die Weltbank schätzt in ihrem Groundswell-Bericht (2021), dass bis 2050 bis zu 216 Millionen Menschen durch den Klimawandel innerhalb ihrer Länder vertrieben werden, zusätzlich zu denen, die über Grenzen fliehen müssen.
Ausführlich erklärt
Die Debatte um den Begriff ist politisch und rechtlich bedeutsam. Viele Betroffene und Forscher:innen bevorzugen „klimabedingt Vertriebene“ (climate displaced persons), da „Flüchtling“ im öffentlichen Diskurs oft mit negativen Konnotationen beladen ist. Der Begriff „Klimamigration“ betont die erzwungene Bewegung ohne Schutzstatus.
Klimagerechtigkeit-Bewegungen betonen: Menschen, die am stärksten von Klimaflucht betroffen sind, haben am wenigsten zur Klimakrise beigetragen. Kleine Inselstaaten wie Tuvalu, Kiribati oder die Malediven stehen vor der vollständigen Überflutung. Ihre Bevölkerungen gehören zum Globalen Süden (Länder mit historisch geringen Emissionen, aber hoher Klimavulnerabilität). Klima-Apartheid zeigt sich hier besonders deutlich: Wer Ressourcen hat, kann sich schützen; wer sie nicht hat, ist gefangen. Die Forderung nach einem rechtsverbindlichen Klimaflüchtlingsschutz ist eine der dringendsten offenen Fragen im internationalen Klimarecht.
Quellen: World Bank, Groundswell Report (2021). UNHCR, Climate Change and Disaster Displacement, 2023. IPCC AR6 (2022), Chapter 8.
Wer die Klimakrise historisch verursacht hat und wer ihre Folgen trägt, hängt eng mit globaler Vermögensungleichheit zusammen: Wessen Planet brennt? Wie extreme Vermögensungleichheit die Klimakrise antreibt.
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